Heilige Josef
Für alle Aufrechten

Flucht. Eine Wirklichkeit, der Josef sich gestellt hat. Sein Festtag kann heuer auch Anlass sein, sich mit den Flüchtenden von heute zu solidarisieren und in ihnen Jesus zu sehen. – Unser Bild zeigt Josef, der bei der Flucht nach Ägypten vorangeht. Giotto di Bondone, Cappella degli Scrovegni, Padua.
  • Flucht. Eine Wirklichkeit, der Josef sich gestellt hat. Sein Festtag kann heuer auch Anlass sein, sich mit den Flüchtenden von heute zu solidarisieren und in ihnen Jesus zu sehen. – Unser Bild zeigt Josef, der bei der Flucht nach Ägypten vorangeht. Giotto di Bondone, Cappella degli Scrovegni, Padua.
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Der heilige Josef, Landespatron der Steiermark, wird am 19. März gefeiert. Gedanken von Servitenpater Ermes Ronchi zum heiligen Josef im Evangelium.

Josef verkörpert, was Simone Weil einmal so ausdrückte: „Das Leben des Glaubenden ist nur zu begreifen, wenn darin etwas Unbegreifliches liegt“ – ein Mehr, ein Traum, ein Engel, unverdiente Liebe, Leben von anderswoher, Gott.
So war es bei Maria, bei der sich – wie es bei Matthäus heißt – „zeigte, dass sie ein Kind erwartete“. Eine totale Überraschung für ein Geschöpf, festzustellen, dass das Undenkbare eingetreten ist – sie, einfache Kreatur, empfängt in ihrem Schoß den eigenen Schöpfer.

Josef ist ein Verliebter, der liebt. Er beschließt, sich ohne Aufhebens von seiner Verlobten zu trennen – aus Respekt, nicht etwa aus Misstrauen. Er will sie nicht öffentlich bloßstellen.
Doch sein Entschluss lässt ihm keine Ruhe, er denkt weiter an Maria, träumt nachts von ihr. Und schließlich nimmt er sie zu sich. Sie ist ihm wichtiger, als dass das Kind, das sie erwartet, von ihm ist und ihm Nachkommen sichert. Die Liebe steht für ihn über der leiblichen Nachkommenschaft. In dieser Geschichte zeigt sich die menschliche Größe dieses Josef, und hier verbirgt sich auch das Geheimnis der „Jungfräulichkeit“ dieses Paares aus Nazaret: Es ist möglich zu lieben, ohne zu besitzen.

Josef ist der Mann der Träume. Der Zimmermann ist auch ein Träumer; einer mit Schwielen an seinen Händen und einem feinfühligen Herzen, das lieben und träumen kann. Josef, dieser „Gerechte“, träumt die Träume Gottes. In menschlichen Träumen kann das Wort Gottes ans Licht kommen. In der Stille, im Schweigen können Engel zu uns sprechen.
Josef hat sich in seinem Herzen anrühren lassen von dem, was Gott ihm im Traum zu verstehen gegeben hat. Er hat sich eingelassen auf Gottes eigenen Traum und ist nicht vor großen Dingen zurückgeschreckt. Nicht seiner Furcht hat er Gehör geschenkt, sondern dem Wort Gottes.

Das Kind auf der Flucht. Herodes schickt seine Soldaten. Gott schickt einen Engel auf dem geheimnisvollen Weg der Träume. „Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter, und flieh“, sagt der Engel dem Josef im Traum. Josef versteht – und tut das Richtige. Auch wenn es kein leichter Weg ist. Josef genügt ein Gott, dessen Herz für sie, diese drei Flüchtenden, schlägt und der ihnen auf allen Wegen nahe ist.
Dann stirbt Herodes, und der Engel kehrt zurück. Wieder wird im Traum nur ein klein wenig geoffenbart. Zum Aufbruch reicht es.

Josef, „der gerecht war“, verkörpert die Aufrechten dieser Erde: die Männer und Frauen, die bereit sind, andere Menschen mitzutragen; die eine Liebe praktizieren, welche keine Mühe scheut und sich von der Angst nicht bremsen lässt. Josef steht für die Frauen und Männer, die ohne Aufhebens und ohne Lohn in aller Stille tun, was zu tun ist; die wissen, dass „die höchste Aufgabe in der Welt darin besteht, mit dem eigenen Leben das Leben anderer zu schützen“ (Elias Canetti).

aus. Ermes Ronchi, Die Weihnachtsüberraschung, Verlag Neue Stadt

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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