Bildung
Wieder in Spiellaune

Oskar Jenni, Mediziner aus Zürich, einer der Vortragenden bei der 70. Internationalen Pädagogischen Werktagung von 13. bis 15. Juli in Salzburg: „Das Herausbilden und die Regulation von motorischen, aber auch emotionalen Fertigkeiten sind eng verbunden mit der Art und Weise, wie das Kind spielt.“ | Foto: ED Salzburg
  • Oskar Jenni, Mediziner aus Zürich, einer der Vortragenden bei der 70. Internationalen Pädagogischen Werktagung von 13. bis 15. Juli in Salzburg: „Das Herausbilden und die Regulation von motorischen, aber auch emotionalen Fertigkeiten sind eng verbunden mit der Art und Weise, wie das Kind spielt.“
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Faszination Spiel. Pädagogische Werktagung in Salzburg erhellt die Bedeutung des Spielens für das Leben und das Lernen.

Spielen kann Hoffnung und Lebensfreude geben in schwierigen Zeiten, ja sogar Frieden stiften. Diese Überzeugung kam schon bei der Eröffnung der Internationalen Pädagogischen Werktagung in der Universitätsaula von Salzburg klar zum Ausdruck. Das Spiel stärke die menschliche Seele, betonte der Kinderbuchautor Thomas Brezina in seiner Eröffnungsrede. Es stärke uns, in die Welt hinauszugehen und hinauszustrahlen. „Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt“, betonte der Religionspädagoge Anton Bucher. Gerade in den finsteren Zeiten von Coronapandemie und Krieg habe das Spiel besondere Bedeutung. Bucher übergab am Ende der Tagung das Amt des Präsidenten der Internationalen Pädagogischen Werktagung an seinen Nachfolger, den Salzburger Erziehungswissenschaftler Andreas Paschon.

Aus dem „Trauerspiel“ am Kriegsschauplatz Ukraine heimgekehrt war Erzbischof Franz Lackner. Er wünschte den Tagungsteilnehmenden, die „Spiellaune wieder neu zu entdecken“. Die Salzburger Landtagspräsidentin Brigitta Pallauf gratulierte zum 70-Jahr-Jubiläum der Internationalen Pädagogischen Werktagung. Diese sei ein „pädagogischer Leuchtturm für alle, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten“.

Dass Spiel nicht eine triviale Beschäftigung und bloßer Zeitvertreib sei, hob der Philosoph Christian Klager aus Rostock hervor. Spiel sei vielmehr eine Grundtätigkeit menschlichen Lebens. Das Spielen stärke etwa die Unterscheidung von Gut und Böse, Meins und Deins oder die ästhetische Aneignung der Welt.

Für den Mediziner Oskar Jenni aus Zürich lässt das Spielverhalten von Kindern auf die Entwicklung des Kindes schließen. Im Spiel lernten Kinder auch, mit Spannung, Enttäuschung und Überraschungen umzugehen. „Wenn Kindern das Spielen vorenthalten wird, kann der Motor der kindlichen Entwicklung nachhaltig gestört werden.“

Unter dem Schlagwort „Computational Empowerment“ forscht Fares Kayali in Wien über Möglichkeiten, wie moderne Medien und digitale Spielekonzepte die Bildungsarbeit unterstützen können. Für den Umgang mit neuen Medien brauche es sowohl einen konstruktiven als auch einen kritischen Zugang.

Auch die deutsche Sozialpädagogin Helga Lindner sieht im Spielen weit mehr als Zeitvertreib und unbeschwerte Leichtigkeit. Im Spielverhalten erfolge eine unmittelbare Mitteilung der Kinder an ihre Umwelt. Zur Begleitung von kindlichem Spielen gehörten wohlwollendes Zuhören, Orientierung, Aufmerksamkeit und Schutz.

Der Frage, ob im Kindergarten überhaupt noch so viel gespielt oder eher mehr gelernt werden solle, stellte sich die deutsche Verhaltensbiologin Gabriele Haug-Schnabel. Für sie ist gerade das Spiel Teil eines umfassenden Lernprozesses. Die Kinder setzten ja ihre eigenen Pläne und Vorstellungen um. Kinder bräuchten keine Beschäftigung durch Erwachsene, sondern professionell gestaltete Umgebungen, in denen sie ihre aktive Gestaltung entwickeln können. Ihr Fazit: Jeder Tag im Leben eines Kindes ist eine Entdeckungsreise, die es selbst planen, durchführen und realisieren soll.

Quelle: KBW Salzburg

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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