Diskussion - Paul Zulehner
Ein Lockdown der Menschlichkeit?

Das Leiden der Kinder in griechischen Flüchtlingslagern verlangt aus christlicher Sicht klare Positionierungen und keine lebensferne „Wohnzimmer-Ethik“ gut bestallter Beamter an der Uni Wien: Mit scharfen Worten hat sich der Wiener Theologe und Werteforscher Paul Zulehner gegen Äußerungen der Sozialethikerin Ingeborg Gabriel und des Moraltheologen und Medizinethikers Matthias Beck bei einer Online-Diskussion über das Buch „Christlich-soziale Signaturen“ gewandt.
Zur auch kirchlicherseits viel kritisierten Weigerung der Regierung, Flüchtlinge in Österreich aufzunehmen, hatten die beiden Fachleute gemeint, hier gebe es nicht „die eine“ christlich-soziale Politik, Christen könnten legitimerweise unterschiedlicher Meinung sein.
Zulehner distanzierte sich von Becks Anmerkung in der im Internet abrufbaren Debatte, man könne in Österreich „nicht alle Probleme lösen“. Dem hielt Zulehner entgegen: Das Leid der Kinder in Lagern wie Moria „ist sehr konkret und kann nicht mit der ‚Unlösbarkeit aller Weltprobleme‘ so kaltschnäuzig abgetan werden“.
Es fehle heute nicht an Verantwortung, sondern an Gesinnung, stellte Zulehner fest. Er kritisierte die „gebetsmühlen-artige und völlig kontextfreie Erwähnung von Max Webers Alternative von Gesinnungs- und Verantwortungsethik“, die auch in der Online-Debatte über christlich-soziale Politik bemüht wurde – in dem Sinne, dass Verantwortungsethik auch die Folgen des Handelns zu bedenken auferlege. Dazu Zulehner: Max Weber würde heute mahnen, dass eine rein pragmatische und an Macht interessierte „Verantwortungspolitik“ langfristig inhuman bleibt, wenn sie sich nicht an einer starken Gesinnung orientiert. Der Theologe zitierte zu-stimmend einen Kommentar der „Süddeutschen Zeitung“ , wonach es in der Flüchtlingspolitik Europas einen „Lockdown der Menschlichkeit“ gebe.

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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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