5. Sonntag 2023: H. Stephanus Rützler
„Salz der Erde“ und „Licht der Welt“

Salzernte in Vietnam. Die Salzgewinnung ist hier vielfach noch mühe-volle Handarbeit. | Foto: Bild von Quang Nguyen vinh auf Pixabay
  • Salzernte in Vietnam. Die Salzgewinnung ist hier vielfach noch mühe-volle Handarbeit.
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Wenn vom „Salz der Erde“ und „Licht der Welt“ die Rede ist, weiß man sehr schnell, was gemeint ist. Beide Bilder sind so eindringlich, dass sie Allgemeingut der Menschheit geworden und auch denen ein Begriff sind, die nicht oft in die Kirche gehen oder von Jesus Christus hören.

Gleichzeitig wird es aber auch immer schwieriger, die eigentliche Bedeutung dieser Bilder zu erfassen. Wir verwenden nicht mehr nur Salz, um unseren Speisen Geschmack zu verleihen, sondern auch viele andere, zum Teil exotische Gewürze. Die Sonderrolle und wichtige Bedeutung, die das Salz früher hatte – sogar das Wort Salär geht auf die monatliche Salzration als Bezahlung für die römischen Soldaten zurück –, kennen wir heute nur mehr aus den Geschichtsbüchern.

Ähnlich ergeht es uns bei der Frage nach dem Licht. Wir leben, sehr zum Leiden der Astronomen und Liebhaber des Nachthimmels, in einer lichtdurchfluteten Welt, die kaum mehr Dunkelheit kennt. Immer stärkere LEDs, die immer weniger Strom verbrauchen, führen auch dazu, dass selbst die Energiekrise unserem Lichtbedarf wenig anhaben kann. Was es da heißt, eine Kerze auf den Leuchter und nicht unter den Scheffel zu stellen, wissen wir kaum mehr.

Das Wunder der Kerze

Gerade aber die Kerze als das ursprüngliche Leuchtmittel kann uns heute noch wieder auf die Spur dessen zurück führen, was Jesus mit seiner Rede gemeint hat. Wer in der Nacht im dunklen Raum, wo die zugezogenen Vorhänge das Licht von den Straßenlaternen abschirmen, auch nur eine kleine Kerze entzündet, wird schnell feststellen, wie wenig es braucht, um den ganzen Raum zu erleuchten. Das fällt mir jedes Jahr in der Osterwoche auf, wenn die Osterkerze in der Stiftskirche Herzogenburg die ganze Woche durchbrennt und dann mitten in der Nacht diese eine Kerze genügt, um die ganze Kirche zu erleuchten.

Gerade die Osterkerze verbindet diese ganze Bedeutungsvielfalt und fasst alles zusammen: das Licht, das die Dunkelheit besiegt und alle Schatten vertreibt, das die Menschen erleuchtet und Wärme und Zuversicht spendet, das in die ganze Welt hinaus strahlt – ist Jesus Christus.

Dieser Christus aber spricht im heutigen Evangelium nicht von sich selbst. Er sagt nicht „Ich bin das Licht der Welt“, so wie wir im Johannes-Evangelium die „Ich bin“-Aussagen Jesu kennen, sondern bei Matthäus lesen wir: „Ihr seid das Licht der Welt.“

Wir werden nur dann andere Menschen für Jesus begeistern können, wenn man uns diese Begeisterung auch selbst anmerkt.

Jesus nimmt uns damit in seinen Auftrag hinein. Er, der das Licht der Gottesnähe zu uns Menschen gebracht hat, bleibt nicht dabei stehen, dass er ein Bringer dieses Lichtes ist, sondern er macht auch uns zu Bringern des Lichts für andere Menschen. Was er uns gibt – das Licht des Lebens, die Wärme und die Hoffnung –, das sollen wir weitertragen und der ganzen Welt verkünden, damit sich das Lichtermeer der Zuversicht über alle Menschen ausbreitet.

Damit das aber gelingen kann, dürfen wir unser eigenes Licht nicht verstecken, dürfen wir uns also unseres Glaubens und unserer Freundschaft mit Jesus Christus nicht schämen, sondern müssen sie gleichsam auf den Leuchter stellen. Wir werden nur dann andere Menschen für Jesus begeistern können, wenn man uns diese Begeisterung auch selbst anmerkt. Wenn wir aber mit unserem Glauben und unseren Überzeugungen zurückhalten und vorsichtig, vielleicht sogar ängstlich sind, dann ist das eher das Licht, das wir unter dem Scheffel verstecken, damit bloß niemand davon etwas mitbekommt oder davon berührt wird.
Die Aufforderung Christi ist das Gegenteil dazu. Sie lässt sich zusammenfassen mit dem Wort des heiligen Augustinus: „In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst!“

Autor:

Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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