Weihbischof Anton Leichtfried zum Palmsonntag
Öffnet ihm die Tore!
- Jesus zieht auf dem Esel in Jerusalem ein. Nach dem Evangelium nach Lukas jubeln ihm die Jünger zu. Gemälde des Malers Duccio di Buoninsegna (um 1255-1318 oder 1319) auf der Hinterseite des Maesta Altars im Dom zu Siena
- Foto: Gemeinfrei
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Tagelang, ja wochenlang war er schon unterwegs
mit genau diesem Ziel. Nun steht Jesus kurz davor, die Stadt Jerusalem zu betreten.
Im Lukasevangelium steht der gesamte zweite Teil des öffentlichen Wirkens Jesu unter dieser Perspektive: auf dem Weg nach Jerusalem. Dennoch ist er nicht im „Schnellzugstempo“ unterwegs, immer wieder lässt sich Jesus, oft sehr zum Missfallen seiner Jünger, aufhalten. Zum Beispiel von Kindern. Oder noch in der letzten Stadt vor Jerusalem, in Jericho, von einem schreienden blinden Bettler und von dem verhassten, menschenverachtenden und ausbeuterischen Zachäus – dort wird sogar noch groß eingekehrt.
Es sind zugleich die letzten beiden Heilungen: Der eine wird von der Blindheit geheilt, der andere von der zerstörerischen Habsucht (wie das genau gegangen ist, erfährt man in beiden Fällen nicht). So sieht Jesu Weg nach Jerusalem aus.
Jesu Einzug in Jerusalem: unbewaffnet und wehrlos
Nach dem beschwerlichen Aufstieg von Jericho herauf (ca. 30 km und 1.000 Höhenmeter!), kommt Jesus in die unmittelbare Nähe von Jerusalem. Nun trifft er genaue Vorbereitungen. Der Fußpilger Jesus braucht jetzt unbedingt einen jungen Esel als Reittier. Die alten Bilder des davidischen Friedenskönigs werden wachgerufen. Nicht hoch zu Ross, nicht mit militärischen Reiterscharen und Kriegswagen zieht er ein, sondern unbewaffnet, bald auch ungeschützt und wehrlos will er einziehen. Kann Jesus so die Stadt erobern, so die Menschen für sich einnehmen?
Im heutigen Lukasevangelium spielt sich diese Szene noch vor den Stadttoren ab, und gejubelt wird nur von der überschaubaren Schar der Jünger. Aber wie reagiert die Menge? Davon lesen wir hier nichts. Das Verhalten einer Menschenmenge, erst recht einer Masse, ist immer mehrdeutig und anfällig. Beten wir heute für Menschen, die sich trauen, öffentlich hörbar und sichtbar für vernünftige, menschliche, christliche Positionen einzutreten.
Jesus weint über Jerusalem: Es hat die Zeit der Gnade Gottes nicht erkannt.
Endlich, nach so vielen Wochen und nach dem langen, beschwerlichen Aufstieg sieht Jesus, vom Ölberg aus, die beeindruckende Stadt Jerusalem. Die nächsten Zeilen, die wir heute im Evangelium nicht mehr hören, beschreiben die Reaktion Jesu: Er weint über Jerusalem: Es hat die Zeit der Gnade Gottes nicht erkannt.
„Hosanna!“ ist der Ruf des Palmsonntags. Wir wissen, wie vielschichtig und vergänglich dieser Ruf sein kann, wie schnell er umschlagen kann. „Hosanna!“ singen mit der Schar der Jünger auch wir bei der Messfeier zweimal im Heilig und: „Hochgelobt sei der da kommt im Namen des Herrn!“ In einer sehr bekannten Fassung (GL 199) rufen wir: „Preis ihm, der kommt in unsre Zeit!“
Jesus kommt in unsre, in meine Zeitrechnung. Ohne Schutzschirm, voller Frieden. Wie nehme ich ihn auf? Mit Freude und Vertrauen wollen wir die Türen unseres Herzens weit aufmachen, damit er den Weg seines Friedens, seiner Heilung und Freiheit fortsetzen kann in meinem, in unserem Leben.
Weihbischof Anton Leichtfried
Autor:Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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