Wort zum Sonntag von Mag. Angela Lahmer-Hackl
Gott zum Leuchten bringen

So wie sich die himmlischen Wolken im Wasser spiegeln und Himmel und Erde eins werden, so wurde uns in Jesus Christus Gottes Gegenwart erfahrbar.
  • So wie sich die himmlischen Wolken im Wasser spiegeln und Himmel und Erde eins werden, so wurde uns in Jesus Christus Gottes Gegenwart erfahrbar.
  • Foto: Karl Lahmer
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Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast!“, sagt der Fuchs in der Erzählung „Der kleine Prinz“ von An­toine de Saint-Exupéry. Ich sorge mich um Menschen, die mir vertrauen und denen ich vertraut wurde. Das wird besonders dann deutlich, wenn es einem geliebten Menschen nicht gut geht oder wenn es um einen schmerzhaften oder sogar endgültigen Abschied geht wie hier bei Jesus. Jesus wendet sich in dieser Textstelle nach den Abschiedsreden an Gott, denn es schlägt ihm nun die Stunde – er steht kurz vor seiner Verhaftung.

Die Anvertrauten Gott ans Herz legen

In dieser für ihn sicher hochdramatischen Situation kann sich Jesus nur mehr betend Gott zuwenden. Er kann nichts mehr für seine Jüngerinnen und Jünger tun und legt sie sozusagen in die bergende Hand Gottes. Er beschreibt, dass die ihm Anvertrauten durch ihn, Jesus, Gott erkannt haben, reflektiert, wie er für „die Seinen“ gewirkt hat und wie sie seine Botschaft angenommen haben.

Inbrünstig bittet Jesus. „Jetzt musst du für die da sein, die ihr ganzes Vertrauen in mich und damit in dich setzen!“, könnte man mit anderen Worten die Fürbitte Jesu für diejenigen, „die du mir gegeben hast“, umschreiben. Jesu Weg ist nun ein anderer. Er kann nichts mehr für die ihm Anvertrauten tun als sie Gott ans Herz zu legen.

Wie oft haben wir das schon in unserem eigenen Leben auch getan – einen geliebten Menschen Gott hingehalten und gebeten: „Jetzt sind meine Kräfte und Möglichkeiten, die du mir gegeben hast, ausgeschöpft. Jetzt musst du weitermachen“?

Verherrlichen – Gewicht verleihen

Sechsmal kommt der Begriff „verherrlichen“ vor. Für uns heutige Leserinnen und Leser klingt es vielleicht veraltet. Das hebräische Ursprungswort „kabod“ bedeutet so viel wie schwer machen oder Gewicht verleihen. Wir können verherrlichen auch im Sinn von zum Leuchten/ Glän­zen bringen oder einander die Ehre geben umschreiben.

Jesus erinnert Gott daran, dass er ihn auf der Erde zum Leuchten gebracht hat, erfahrbar gemacht hat.

Verherrliche mich, damit der Sohn dich verherrlicht. Mach sichtbar, dass du selbst durch meinen Tod zum Leuchten kommst. Selbst durch den Tod kann das Gewicht der Botschaft Jesu von Gottes Zuwendung nicht vermindert werden, sondern im Gegenteil, auch im Tod bleibt Gott gegenwärtig.

Gott in seinem Leben als sinngebende Lebensorientierung zu erkennen – das setzt Jesus mit ewigem Leben gleich. Wer sich in der Geborgenheit Gottes aufgehoben weiß, braucht sich nicht um das Leben fürchten. Das Leben kann in der Haltung des Glaubens gelingen und Bestand haben. Jesus lebt das selbst in der Abschiedssituation vor. Er wendet sich vertrauensvoll an seinen „Vater“.

Eins sein

Der Evangelist Johannes bringt wie kein anderes Evangelium zum Ausdruck, wie eng sich Jesus mit Gott verbunden weiß: „Ich komme zu dir. Heiliger Vater, bewahre sie, damit sie eins sind wie wir!

Ich verstehe das durchaus auch als Auftrag. Wir als Gemeinde der Jüngerinnen und Jünger Jesu sollen das, was uns möglich ist tun, um eins zu sein in der Haltung des Vertrauens in Gott.

So verleihen wir Gott Gewicht – so verherrlichen wir Gott.

Eins sein, das ist heute der Auftrag besonders an alle, die aus dem Glauben leben. In dieser Zeit der Krise sollen wir als Christinnenund Christen sichtbar machen, dass wir niemand zurücklassen: kein Schulkind, dessen Eltern es nicht entsprechend unterstützen können, keine alleinerziehende Mutter, die nach den Wochen der Überbelastung mit den Nerven am Ende ist, keine Großeltern, die seit Monaten ohne Begegnung mit den Enkelkindern leben, keinen Mann und keine Frau, die ihre Arbeit verloren haben, keinen Jugendlichen, der nun keinen Lehrplatz findet ebenso wie alle, die diese Zeit als Entschleunigung erleben können.

Hingehen, reden, neue Wege suchen, Lobby als Kirche sein – das verstehe ich unter „damit sie eins sind wie wir“!

Autor:

Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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