5. Sonntag der Osterzeit: Mag. Thomas Pichler
... wenn Ihr einander liebt
- Jesus reicht uns immer die Hand.
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Ein Testament regelt, wie der Besitz eines Menschen auf seine Erben aufgeteilt wird. Manche schreiben sogar ein zusätzliches besonderes Testament, in dem sie noch einmal wiedergeben, was sie noch sagen wollten, was sie mitgeben möchten, zum Nachdenken oder formulieren noch im Sterben eine Bitte, wie zum Beispiel: „Haltet zusammen!“
Solche Bitten bleiben einem als hinterbliebener Nachfahre gut im Gedächtnis. Auch die Jüngerschaft Jesu hat dieses geistliche Vermächtnis Jesu der Nachwelt überliefert, indem der Evangelist Johannes solche Worte Jesu in die Abschiedsrede am Abend vor seinem Leiden ins Evangelium hineingeschrieben hat: „Liebt einander, wie ich euch geliebt habe!“
Diese Worte berühren mich und machen mich zugleich sehr nachdenklich. Geht denn das überhaupt, so lieben, wie Jesus geliebt hat. So bis in den Tod? Ist das nicht eine anmaßende Überforderung? Andererseits wollen diese Worte auch nicht eine schöne Ausschmückung des Sonntagsgottesdienstes sein. Ich frage mich also, wie können diese Worte in unseren Alltag umgesetzt werden.
Schon das Wort „Liebe“ macht es schwierig, denn jeder versteht etwas anderes darunter. Sie kann zerstörerisch und destruktiv sein, aber auch lebensfördernd und -schaffend. Das Wort „Liebe“ wird oft auch zu inflationär gebraucht. Gerade mittlerweile im Englischen, denn „We love you“ muss nicht viel heißen.
Gott sei Dank gibt es aber immer wieder irgendwelche, die Brücken bauen und sei es nur durch ein freundliches Lächeln oder eine achtsame Geste.
Im Griechischen, der Sprache, in der die Evangelien geschrieben sind, gibt es gleich mehrere Worte für „Liebe“ in verschiedenen Arten und Bedeutungen. Ich schaue in meinem alten Wörterbuch nach. Dort wird das Wort, das in deutschen Bibelübersetzungen mit „lieben“ wiedergegeben wird, so gedeutet: „Liebevoll aufnehmen, bewillkommnen, freundlich begegnen, …“
So versuche ich nun etwas frei und alternativ zu übersetzen: „Begegnet einander freundlich! Wie ich euch liebevoll angenommen habe, so sollt auch ihr euch bewillkommnen; mit Achtung und Wertschätzung auf Augenhöhe. Dann wird die Welt verstehen, dass ihr meine Jüngerinnen und Jünger seid, wenn ihr miteinander wertschätzend umgeht!“
Wertschätzend aufeinander hören
Das müsste doch machbar sein. Das ist es auch, was Papst Franziskus meinte mit der „Synodalität“ (übrigens: sein Vermächtnis): Wertschätzend aufeinander hören. Das ist es auch, was der neue Papst Leo XIV. fortführen möchte. Gerade als Kirche sollten wir einander wertschätzend begegnen, zuhören, Beachtung schenken, eben miteinander den Weg des Glaubens gehen.
Würde uns das gelingen, dann könnte auch die Vision aus der zweiten Lesung Wirklichkeit werden: Wir könnten, wie in der Geborgenheit einer Idealstadt, miteinander in Frieden und Sicherheit leben und Gott mitten unter uns wohnen, ohne Tränen, Trauer, Klage und Mühsal, eben wie im Himmel. Doch leider gibt es immer wieder irgendjemand oder irgendwas, „das den Himmel hält“, wie man so im Volksmund sagt.
Mitmachen für Raum des Himmels
Gott sei Dank gibt es aber auch immer wieder irgendwelche, die Brücken bauen und sei es nur durch ein freundliches Lächeln oder eine achtsame Geste, die Respekt ausdrückt. Solche Menschen sind ein bisschen Himmel auf Erden. Sie schaffen der Würde des Menschen Raum. Machen wir mit, damit es viel Raum für den Himmel gibt.
Würde des Menschen besteht darin, dass wir von Gott geliebt sind
„Dann werden alle erkennen, dass ihr meine Jüngerinnen und Jünger seid, wenn ihr einander achtsam begegnet auf Augenhöhe in Würde.“ Denn „die Würde des Menschen“, so hörte ich vor vielen Jahren
Pater Hans Rotter SJ in einer Vorlesung sagen, „die Würde des Menschen besteht darin, dass die Menschen von Gott geliebt sind!“
Autor:Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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