Tansania
Umweltschutz und Tourismus contra Menschenrechte

Im Rahmen ihres Aufenthalts in der Diözese St. Pölten besuchten Malano Sinandei Makko (Bildmitte) und Mastidia Richard (3. v. r.) Schulklassen, gaben Interviews und trafen sich mit Experten. Das Foto oben zeigt sie beim Besuch im Haus der Wildnis in Lunz mit Michaela Spritzendorfer-Ehrenhauser (4. v. l.), Entwicklungspolitische Referentin für die Dreikönigsaktion der Diözese.     | Foto: zVg
  • Im Rahmen ihres Aufenthalts in der Diözese St. Pölten besuchten Malano Sinandei Makko (Bildmitte) und Mastidia Richard (3. v. r.) Schulklassen, gaben Interviews und trafen sich mit Experten. Das Foto oben zeigt sie beim Besuch im Haus der Wildnis in Lunz mit Michaela Spritzendorfer-Ehrenhauser (4. v. l.), Entwicklungspolitische Referentin für die Dreikönigsaktion der Diözese.
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Auf Einladung von Welthaus besuchten Gäste aus Tansania die Diözese St. Pölten. Bei Schul-Workshops, Vorträgen und Begegnungen sprachen sie über die Auswirkungen des wachsenden Tourismus auf das Leben der Menschen im Land.

Die beeindruckenden Landschaften und der reiche Wildtierbestand Tansanias ziehen jedes Jahr tausende Touristinnen und Touristen an. Safaris oder Bergbesteigungen stehen dabei oft ganz oben auf dem Programm. Was jedoch vielen Gästen nicht bewusst ist, ist dass dafür Einheimische mitunter auf ihr Land und ihre Nahrungszugänge verzichten müssen. Darauf machten kürzlich Malano Sinandei Makko und Mastidia Richard bei einem Besuch in der Diözese St. Pölten aufmerksam.

„Für viele Einheimische in Tansania, die ihr Land als Quelle für Nahrung, Wasser, Weideland und Baumaterial betrachten, wird es zunehmend schwieriger, diese Ressourcen zu nutzen“, erklärt Malano Sinandei Makko. Der Pädagoge arbeitet als Bildungsreferent beim Pastoral Women’s Council, einer Partnerorganisation der Dreikönigsaktion und von Welthaus. In seinen Vorträgen und Workshops in den betroffenen Regionen im Norden Tansanias weist er die Einheimischen immer wieder auf das Recht der Menschen auf ihr Land hin.

Die Selbstversorgung mit Pflanzen und Tieren ist verboten

Naturschutzgebiete werden ausgeweitet, Wildtierkorridore eingerichtet und traditionell bewohnte Landschaften verwandeln sich in Sperrzonen, die von der ansässigen Bevölkerung nicht mehr betreten werden dürfen. Die Selbstversorgung mit Wildpflanzen, Pilzen und Tieren ist untersagt und wird streng bestraft.
Aktuell werden tausende Menschen in viel zu kleine Gebiete umgesiedelt, um Naturschutzgebiete auszuweiten und für den Tourismus attraktiver zu machen. Besonders betroffen sind die Massai. Ihr Konzept der Koexistenz mit Wildtieren und einer nachhaltigen Landnutzung findet kaum Beachtung, so Makko. Dabei leben sie seit Generationen in symbiotischer Beziehung zur Natur und verfügen über wertvolles traditionelles Wissen – etwa zur Pflege des Bodens oder zur Eindämmung invasiver Pflanzen. Die Kritik an Trophäenjagd, Tourismuspolitik und Vertreibungen wird inzwischen auch international lauter.
„Unser Ziel ist es, weltweit ein Bewusstsein für diese Problematik zu schaffen, Naturschutzmaßnahmen kritisch zu hinterfragen und über eine sinnvolle Landnutzung im Einklang mit Wildtieren nachzudenken“, so Makko.

Aktuell werden tausende Menschen in viel zu kleine Gebiete umgesiedelt.

Auch Mastidia Richard setzt sich für die Rechte der Bevölkerung ein – insbesondere für jene von Mädchen und Frauen. „Mädchen und Frauen haben in Tansania kein Recht, Land zu besitzen“, betont die Umweltwissenschaftlerin, die beim Human Life Defense Department als Beauftragte für Wasserschutz und Hygiene arbeitet. „Stirbt zum Beispiel der Ehemann, wird der Witwe oft das Recht verweigert, das Land zu erben.“ In Workshops klärt sie Frauen über ihre Rechte auf und zeigt ihnen, an welche Stellen sie sich wenden können. In rund 50 Fällen konnte in der Region, in der sie eingesetzt ist, den Frauen geholfen werden. Sie bekamen ihr Land zugesprochen.

Eltern ermutigen, auch ihre
Töchter ausbilden zu lassen

„In Tansania gibt es viele Herausforderungen für Mädchen und Frauen“, erklärt Richard. „Noch immer sind sie z. B. im Bildungsbereich benachteiligt: Eltern investieren vor allem in die Ausbildung ihrer Söhne.“ In ihren Vorträgen macht Mastidia Richard deshalb auf die Bedeutung von Schul- und Berufsausbildung für Mädchen aufmerksam und ermutigt Eltern, auch ihren Töchtern den Schulbesuch zu ermöglichen. Immer häufiger stoßen diese Aufrufe in den Familien und im Land auf offene Ohren – und Herzen. SP

Autor:

Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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