Pilgerorte der Welt: Guadalupe
Millionenfach verehrt
- Foto: Anna Rosenberger
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Es war im Jänner 2025, als mein Mann und ich die überraschende Anfrage eines Freundes bekamen, dass bei einer von ihm organisierten Reise nach Mexiko noch zwei Plätze frei sind. Wir müssten uns schnell entscheiden und wir taten es! Mexiko! Nie hätte ich gedacht, dass ich da einmal hinkomme!
Was wusste ich von Mexiko? In Gedanken kamen einige Bilder vom einstigen Geographieunterricht, diverse Nachrichten und Erzählungen von Bekannten, die schon dort gewesen waren. Unter anderem auch die Erzählung eines befreundeten Priesters, der uns von seiner Mexikoreise erzählte und vor allem von Guadalupe sehr beeindruckt war.
Das Ziel von Millionen
Gleich am ersten Tag in Mexiko-City, einer Millionenstadt, stand ein Besuch des berühmten Wallfahrtsortes Guadalupe auf dem Programm. Die Basilika von Guadalupe zählt zu den bedeutendsten Pilgerstätten der katholischen Welt und zieht jedes Jahr Millionen von Besucherinnen und Besuchern an.
Nach unserer Ankunft begaben wir uns zunächst zur alten Basilika. Das historische Gotteshaus beeindruckte mich sofort durch seine prächtige Architektur und seine lange Geschichte. Die Kirche wurde im 18. Jahrhundert erbaut und war über viele Generationen hinweg das religiöse Zentrum des Wallfahrtsortes.
Auf dem Platz herrschte eine ruhige und zugleich feierliche Stimmung.
Beim Betreten spürte man die besondere Atmosphäre dieses ehrwürdigen Gebäudes. Die kunstvollen Altäre, die Verzierungen und die zahlreichen religiösen Darstellungen zeugen von der tiefen Frömmigkeit, die diesen Ort seit Jahrhunderten prägt. Gleichzeitig konnte man erkennen, weshalb die Kirche heute nicht mehr das Hauptheiligtum ist: Aufgrund des weichen Untergrundes von Mexiko-Stadt hat sich das Gebäude im Laufe der Zeit deutlich abgesenkt und neigt sich sichtbar zur Seite.
Nach dem Besuch der alten Basilika gingen wir über den weitläufigen Vorplatz. Der große Platz vor den Kirchen war voller Leben. Pilgergruppen aus verschiedenen Regionen Mexikos und der ganzen Welt versammelten sich dort, manche in traditionellen Trachten, andere mit Fahnen oder Bannern ihrer Heimatgemeinden. Vor allem aber hatten alle Menschen Blumen mit, um diese der Mutter Gottes in der Basilika zu Füßen zu legen. Viele Menschen waren gekommen, um ihren Glauben auszudrücken, zu beten oder einfach die besondere Stimmung des Ortes zu erleben. Auf dem Platz herrschte eine ruhige und zugleich feierliche Stimmung. Immer wieder konnte man Familien sehen, die gemeinsam beteten, sowie Besucher, die die beeindruckenden Gebäude fotografierten oder die Aussicht auf das gesamte Heiligtum genossen. Auch wir haben spontan als Gruppe gebeten, in der alten Basilika ein Marienlied singen zu dürfen. Das hat uns sehr bewegt.
Unser Weg führte uns weiter zur modernen Basilika von Guadalupe. Schon von außen wirkt das Bauwerk außergewöhnlich. Die runde Form unterscheidet sich deutlich von den klassischen Kirchenbauten und ermöglicht es, dass viele Menschen gleichzeitig an den Gottesdiensten teilnehmen können. Das Innere ist schlicht gestaltet, lenkt den Blick jedoch sofort auf das eigentliche Ziel der Pilgernden: das berühmte Gnadenbild der Jungfrau von Guadalupe. Dieses hatte ich mir – ehrlich gesagt – etwas größer vorgestellt. In der Kirche wurde gerade eine heilige Messe gefeiert und wir konnten daran ein wenig teilnehmen. Danach folgten wir mit dem Guide dem Menschenstrom, der sich links nach vorne bewegte, um näher zum Bild der „braunen Madonna“ zu kommen.
Verehrung auf dem Förderband
Vor dem Bild, besser gesagt unter dem Bild der Madonna, also zwischen der Wand mit dem Bild und dem Altar, an dem die heiligen Messe gefeiert wurde, befindet sich ein Förderband (tatsächlich gleich drei nebeneinander), die zwischen Bild und Altar etwas tiefer gelegen sind und auf dem die BesucherInnen langsam vorbeigleiten können. Dadurch erhält jeder die Möglichkeit, das verehrte Bild in Ruhe zu betrachten, ohne dass sich große Menschenansammlungen bilden. Für viele Gläubige war dieser Augenblick sichtbar bewegend. Manche verharrten im Gebet, andere machten das Kreuzzeichen oder blickten still und nachdenklich auf das Bild.
Aber irgendwie brachte mich dies auch zum Schmunzeln, dass eigentlich gar nicht die Möglichkeit besteht, vor der Madonna zu verweilen und zu beten, weil man einfach an ihr vorbeigezogen wurde.
Besonders beeindruckend war für mich die Vielfalt der Menschen, die sich in der Basilika versammelt hatten. Junge und Alte, Familien, Ordensleute und Pilgernde aus vielen Ländern kamen hier zusammen. Trotz der großen Besucherzahl herrschte eine Atmosphäre des Respekts und der Besinnung.
Der Besuch von Guadalupe war weit mehr als eine Besichtigung einer berühmten Sehenswürdigkeit. Er bot einen tiefen Einblick in die religiöse und kulturelle Bedeutung dieses Ortes für die Menschen Mexikos und darüber hinaus. Die Verbindung von Geschichte, Glauben und Tradition ist hier überall spürbar. Die alte Basilika mit ihrer bewegten Vergangenheit, der große Pilgerplatz und die moderne Kirche bilden zusammen ein einzigartiges Ensemble, das einen nachhaltigen Eindruck hinterlässt.
Rückblickend gehört der Besuch von Guadalupe zu den Höhepunkten meiner Mexiko-Reise. Die besondere Stimmung, die beeindruckenden Bauwerke und die tiefe Religiosität der Menschen machten diesen Tag zu einem unvergesslichen Erlebnis.
Spiritueller Impuls
„Bin ich denn nicht hier, ich, die deine Mutter bin?“ Diese Worte werden der Gottesmutter von Guadalupe zugeschrieben und berühren bis heute viele Menschen. Sie erinnern daran, dass Gott uns nicht aus der Ferne begleitet, sondern mitten in unserem Leben gegenwärtig ist – in Freude und Erfolg ebenso wie in Sorge, Krankheit oder Unsicherheit.
Frage dich heute:
Wo wünsche ich mir mehr Vertrauen?
Welche Sorge darf ich Gott anvertrauen?
Wem kann ich heute mit Güte und Aufmerksamkeit begegnen?
Anna Rosenberger
Wissenswertes
Am 9. Dezember 1531 berichtete der Ureinwohner Juan Diego, dass auf dem Berg Tepeyac nahe Mexiko-Stadt die Muttergottes erschienen war und den Bau einer Kirche an diesem Ort beauftragt hatte. Juan Diego wurde 2002 als erster Ureinwohner Amerikas heiliggesprochen.
Heute pilgern jährlich bis zu 20 Millionen Menschen zum Heiligtum auf dem Tepeyac-Hügel.
Autorin
Anna Rosenberger ist seit ihrer Jugend in ihrer Pfarre Oed in verschiedenen Funktionen engagiert. So ist sie heute u. a. Wortgottesfeierleiterin. Auf diözesaner Ebene hatte/hat sie verschiedene Funktionen inne. So war sie u. a. von 2008 bis 2024 Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung (kfb) in der Diözese St. Pölten, von 2012 bis 2015 war sie auch stellvertretende Vorsitzende der kfb Österreich. Die 64-Jährige ist verheiratet, Mutter von drei Töchtern und Großmutter von acht Enkelkindern.
Autor:Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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