Gesundheit
Long Covid: Zurück ins Leben
- Ihre beste Freundin Monika Auer begleitet Katrin Teufel zur Immunadsorption nach Bayreuth.
- Foto: privat
- hochgeladen von Patricia Harant-Schagerl
Vor der Coronapandemie lebt Katrin Teufel ein aktives Leben: Sie engagiert sich politisch, reist um die Welt, reitet leidenschaftlich gerne und ist am Wochenende oft in den Bergen unterwegs. Im Dezember 2021 infiziert sich die heute 30-Jährige das erste Mal mit Covid-19. Es bleibt nicht das einzige Mal und jede weitere Infektion verstärkt ihre Erkrankung, die bis heute ihr Leben bestimmt: Long Covid.
„Ich stand mitten im Leben“
Nach der ersten Covidinfektion erholt sich Katrin gut. Im August 2022 steckt sie sich ein zweites Mal mit dem Virus an. Dieses Mal dauert es länger, bis Katrin wieder fitter ist. Doch sie erholt sich und schafft es wieder, wandern zu gehen. Im November bekommt die Niederösterreicherin dann „diffuse“ Symptome wie Schwankschwindel, Schwäche und zitternde Beine.
Sie sucht daraufhin verschiedene Ärztinnen und Ärzte auf: „Ich bin neurologisch, internistisch und psychiatrisch untersucht worden und nirgends ist etwas rausgekommen. Bis eine Internistin die Diagnose Chronic Fatigue Syndrom (CFS) stellte“, erzählt sie. Bei CFS handelt es sich um eine komplexe neurologisch-immunologische Erkrankung, die zu Erschöpfung, Muskelschmerzen, Konzentrations- und Gedächtnisproblemen sowie einer Verschlechterung der Beschwerden nach Anstrengung führt. Ausgelöst wird diese Erkrankung häufig durch virale Infektionen – wie Covid-19. Umgangssprachlich wird sie seit der Pandemie oft als Long Covid bezeichnet. Die Ärztinnen und Ärzte raten Katrin, eine Zeit lang kürzerzutreten. Etwas, das für die aktive junge Frau schwierig ist: „Ich stand mitten im Leben, hatte gerade eine Führungsposition übernommen, war jedes Wochenende in den Bergen und hatte mir gerade den Wunsch von einem eigenen Pferd erfüllt.“
Im Oktober letzten Jahres beginnt Katrin erneut eine Reha, doch nach fünf Tagen infiziert sie sich wieder mit dem Virus. Schwerste Erschöpfung, Schwindel und Sehstörungen belasten sie stark. Sie schafft es zurück aus dem Krankenstand und feiert Weihnachten mit der Familie.
Im Jänner 2025 folgt ein völliger Zusammenbruch: Sie schafft es kaum, zur Toilette zu gehen oder zu essen und verbringt die meiste Zeit im Bett. Doch im Gegensatz zu manch anderen Betroffenen geht es bei ihr langsam wieder bergauf. Jeden Tag geht sie ein Stück weiter, nach ein paar Monaten kann sie wieder kochen, den Haushalt erledigen und kurz auf ihrem Pferd reiten. Sie erfährt von der sogenannten Immunadsorption, bei der Antikörper aus dem Blut gefiltert werden – eine Behandlung, die nur in Deutschland durchgeführt wird und über 10.000 Euro kostet. Nach einigen Überlegungen startet Katrin eine Spendenaktion zur Finanzierung. Innerhalb von 48 Stunden wird die Summe gesammelt. Ende Juli unterzieht sie sich der Behandlung in Deutschland. Obwohl es bis zu zwölf Wochen dauern kann, bis die Wirkung eintritt, bemerkt sie bald kleine Verbesserungen: „Ich tracke meine Schritte genau und vor ein paar Tagen war der erste Tag im Jahr, an dem ich über 7500 Schritte geschafft habe.“
Behandlung dank Spenden
Für die Zukunft wünscht sich Katrin, wieder in ihren Beruf zurückzukehren und ihren Alltag mit ihrem Hobby leben zu können. Die Krankheit sei mehr als körperliche Symptome: „Man bekommt finanzielle Ängste und fürchtet um zwischenmenschliche Beziehungen. Meine Freunde und Familie haben gottseidank von Anfang an ernst genommen, dass es sich um eine Erkrankung handelt.“
Autorin: Daniela Rittmannsberger
Katrin Teufel schreibt auf Instagram (katrin_teufel) und auf Facebook (Katrin Teufel) über ihren Alltag mit Long Covid. Interessierte oder Betroffene können sie gerne anschreiben und in den Austausch gehen.
Autor:Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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