Dreifaltigkeit
Per Du mit der Unendlichkeit
- Gnadenstuhl in der Pfarrkirche
Hollenstein. - Foto: Archiv
- hochgeladen von Matthias Wunder
Es gibt einen mäßig lustigen Witz unter Theologen: Kommt ein Theologiestudent zur Prüfung. Er hat nicht viel gelernt, kann nur bruchstückhaft Antworten geben. Der Professor merkt, dass das nichts mehr wird und sagt zum Studiosus: „Wenn Sie mir diese letzte Frage richtig beantworten können, lasse ich Sie bestehen. Können Sie mir die Dreifaltigkeit erklären?“ Das Gesicht des Studenten erhellt sich – hier kennt er sich aus! Er sagt: „Ja, Herr Professor, das kann ich Ihnen erklären!“, woraufhin jener sagt: „Das war nicht die richtige Antwort. Durchgefallen!“
Humoristisch gesehen, wie gesagt, etwas dürftig, zeigt dieser Witz eine Sache doch sehr deutlich: Die Dreifaltigkeit gehört zu jenen Dingen im Schatz unseres Glaubens, die besonders schwer zu erklären sind. Jeder, der behauptet, er könnte es, liegt falsch. Im Lexikon für Theologie und Kirche füllt der Eintrag „Trinität“ 20 Spalten, sucht man bei Google Scholar, der Suchmaschine für wissenschaftliche Artikel, nach diesem Begriff, erhält man knapp 20.000 Ergebnisse. Man sieht: Zu diesem Thema gab und gibt es bis heute Gesprächsbedarf.
Auch über das, was zu groß ist, muss man sprechen, wenn es uns unbedingt angeht.
Maßgeblich in der Beschäftigung mit der Dreifaltigkeit ist aus theologischer Sicht die Frage, wie dem Glauben an drei göttliche Personen Rechnung getragen werden kann, ohne den Monotheismus, also den Glauben an den einen Gott, zu verraten. Der Philosoph Ludwig Wittgenstein meinte einmal, wovon man nicht sinnvoll sprechen kann, soll man besser schweigen. In der Frage nach der Trinität ist man damit nicht gut beraten: Auch über die Dinge, die zu groß sind, um sie in menschliche Kategorien von Sinn und Unsinn einzuteilen, muss man sprechen, wenn sie uns unbedingt angehen. Und Gott geht uns unbedingt an.
Eine Form des Sprechens, die nicht erwartet und nicht verlangt, zu einem Abschluss zu gelangen, sondern sich eben der Unbegreiflichkeit anvertraut, ist das Beten. Die große Heilige und Kirchenlehrerin Katharina von Siena schreibt in einem Gebet an die Dreifaltigkeit: „Da Du es weißt und kannst und willst, flehe ich zu Deiner Macht.“ In diesen drei Verben – wissen, können, wollen – drücken sich drei Aspekte Gottes aus, die Katharina in einen besonderen Zusammenhang mit den göttlichen Personen stellt. Die Allmacht des Vaters, die Weisheit des Sohnes, die barmherzige Zuwendung des Geistes. Aber das ist gar nicht das Zentrale in diesem Gebet, denn es greift zu kurz, zu sagen, die drei göttlichen Personen drücken einfach nur drei „Seinsmodi“ Gottes aus. Das Gebet der Katharina macht etwas anderes deutlich: In seiner Trinität ist Gott allumfassend, er ist allmächtig, allwissend und all-barmherzig. Darüber hinaus bleibt er aber im Gebet und in seiner Zuwendung zu uns ansprechbar. In der Dreifaltigkeit begegnet uns Gott, der größer ist als unser Verstehen, der unendlich, der allumfassend ist. Aber er wird trotz seiner Unendlichkeit berührbar und wir können sagen: „Du weißt, du kannst, du willst.“
Autor:Matthias Wunder aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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