Heilige
Nicht totzukriegen
- Filippo Lippi (1406–1469): Altarbild, Madonna mit Kind. Im Vordergrund: Cosmas und Damian. Das Bild wurde wahrscheinlich von Cosimo de‘ Medici dem Älteren gestiftet.
- Foto: Web Gallery of Art / Wikimedia Commons
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Die Heiligen Cosmas und Damian waren Ärzte, die für ihre Dienste keine Gegenleistung wollten. Trotzdem wollte man ihnen an den Kragen – vergeblich.
Es ist eine gewisse Ironie der Geschichte, dass die Begründer des modernen Bankenwesens ausgerechnet zwei Heilige als Familienpatrone hatten, die mit Geld so gar nichts am Hut hatten. Die Rede ist von den Medici, den einflussreichen Florentiner Patriziern, und den Heiligen Cosmas und Damian, Zwillinge und frühchristliche Märtyrer, die für ihre Dienste als Ärzte jede Gegenleistung ablehnten.
Das Ausmaß ihrer ablehnenden Haltung dem schnöden Mammon gegenüber lässt sich an folgender Episode ihrer Legende besonders gut illustrieren: Damian hat (mal wieder) durch seine Heilkunst das Leben einer Patientin gerettet. Ihre Dankbarkeit war so groß, dass sie ihm unbedingt eine milde Gabe leisten wollte. Der Heilige lehnte ab, wie er es immer tat, doch die Frau ließ nicht locker. Sie beschwor ihn im Namen Gottes, er möge es doch endlich nehmen und irgendwann gab er unwillig nach. Seinem Bruder Cosmas ging das Verständnis für das Handeln seines Bruders ab und er verfügte, dass er dereinst nicht neben Damian begraben werden sollte.
Der Bruch zwischen den Brüdern war nicht unheilbar. Sie sorgten weiterhin gemeinsam für Heilung jeglicher Gebrechen in ihrer Heimat in der heutigen Türkei. Nach der bekanntesten Version ihrer Legende nahm ihr Leben allerdings ein unschönes Ende. Vom berüchtigten Präfekten Lysias, der während der Christenverfolgung unter Kaiser Diokletian an die 22 berühmte Märtyrer umgebracht haben soll, wurden schließlich auch die Zwillinge gemeinsam mit ihren drei Brüdern gefasst.
Der Statthalter wollte sie dazu zwingen, Götzenopfer darzubringen, doch die Brüder ließen sich nicht überreden. Der Präfekt beschloss, sie zu foltern, was ihnen auch nicht wirklich etwas ausmachte, sodann wollte er sie ertränken – auch das erfolglos, da ein Engel die Männer unversehrt aus dem Wasser führte.
Auf den Trümmern des alten Rom steht heute das Zentrum der katholischen Welt.
Der Beamte staunte nicht schlecht und war angesichts dieses Wunders sogar bereit, seine Götter zu verleugnen, um selbst Christ zu werden. Der Teufel hatte andere Pläne und schickte zwei Dämonen, um Lysias verprügeln zu lassen. Der misinterpretierte die ganze Situation auf fatle Weise, indem er annahm, die Teufel wären Gesandte seiner Götter, die ihn für seine Untreue bestrafen wollten. Obgleich die dämonischen Folterknechte durch das Gebet von Cosmas und Damian vom Präfekten wichen, fuhr er mit seinem Plan fort, sie hinzurichten. Er ließ sie verbrennen, doch das Feuer schlug um sich und verbrannte statt den Geschwistern eine ganze Menge umstehender Heiden; er ließ sie weiter foltern, doch unter dem Einwirken eines Engels waren die Knechte auf einmal zu müde für ihre Arbeit; er wollte sie ans Kreuz schlagen und dort steinigen lassen, doch die Steine prallten von den Hinzurichtenden wirkungslos ab und erschlugen wiederum einige der Heiden; das gleiche geschah mit Pfeilen, die Lysias auf sie feuern ließ. Erst die Enthauptung der fünf Brüder sorgte für Ruhe – kein göttliches Eingreifen mehr, das Martyrium war vollbracht, die Arbeit Lysias’ getan. Kurzum: Eine recht strapaziöse Angelegenheit sowohl für den Statthalter, die Hingerichteten als auch die vielen Kollateralopfer.
Wenn man so eine Legende heute liest, kann es schwer sein, etwas damit anzufangen. Warum diese Gewalt, warum dieses Eingreifen Gottes, wenn es am Ende sowieso im Martyrium endet? Vielleicht kann diese Geschichte heute einem vor allem das sagen: Während Lysias heute vor allem ein Schreckgespenst der frühchristlichen Legendenliteratur ist, wurden Cosmas und Damian Kirchen erbaut, Altäre gestiftet, Gemälde angefertigt. Auf den Trümmern des alten Rom, das unter Kaisern wie Diokletian die Kirche verfolgt hat, steht heute das Zentrum der katholischen Welt. Das Martyrium und das Andenken an die ermordeten Brüder wird noch heute gefeiert; im Römischen Kanon, im ersten Hochgebet werden heute noch ihre Namen verlesen. Man kann es auf viele Arten versuchen: Die Kirche Christi ist nicht totzukriegen.
Matthias Wunder
Autor:Matthias Wunder aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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