Katharina von Siena
Frau an die Macht!
- Buntglasfenster in Ballabio, Italien. Es zeigt die Heilige Katharina von Siena als kirchenpolitisch umtriebige Frau: bei ihren öffentlichen Reden und ihrem Besuch beim Papst.
- Foto: Wikimedia Commons
- hochgeladen von Kirche bunt Redaktion
Es wird viel über die Rolle der Frau in der Kirche diskutiert. Eine Frau, die bereits im tiefsten Mittelalter einiges mitzureden hatte, war die heilige Katharina von Siena. Ihre Überzeugungskraft in der Kirchenpolitik lag in ihrer Hingabe und ihrer Heiligkeit.
Die Geschichte der heiligen Katharina von Siena beginnt nicht sehr vielversprechend: im Jahr 1347 als zweitjüngstes von 25 Kindern in eine verarmte Adelsfamilie geboren, entging sie nur knapp dem Tod durch die Pest, der Großteil ihrer Geschwister fiel dem „Schwarzen Tod“ zum Opfer. Auch Schreiben und Lesen lernte sie nicht als Kind, sondern erst viel später. Die leidgeprüften Eltern der Katharina hofften auf eine gute Partie für ihre Tochter; die aber weigerte sich, denn in ihrem siebten Lebensjahr ereignete sich etwas Lebensveränderndes: Auf der Dominikanerkirche in Siena sah sie Christus in bischöflichen Gewändern, gekrönt mit der Tiara des Papstes. Seit dieser Vision zog sich das junge Mädchen mehr und mehr in die Einsamkeit zurück, fastete, betete und geißelte sich. An den Heiratsplänen ihrer Eltern hatte sie kein Interesse.
Es folgten weitere Visionen, unter anderem eine, in der sie das Ordensgewand der Dominikanerinnen erhielt. Fortan betrachtete sie sich selbst als Dominikanerin und lebte in einer Zelle im Haus ihrer Eltern, die mittlerweile ihren Lebenswandel unterstützten. Einen weiteren Richtungswechsel in ihrem Leben gab ihr die „mystische Vermählung“ – eine Vision, in der Christus selbst sie zur Braut nahm und zu ihr sagte: „Vollbringe, meine Tochter, von jetzt an voll Zuversicht und ohne jedes Zaudern, was meine begleitende Vorsorge dir auferlegen wird. Durch die Stärke des Glaubens bist du nun gefestigt“. Bestärkt durch die Zusage ihres himmlischen Bräutigams ging Katharina hinaus in die Welt, kümmerte sich um Arme und Kranke, linderte materielle Not, wo sie konnte, stand aber auch vielen Sinnsuchenden als geistliche Mutter bei.
Die Kirchenpolitik der Heiligen
In dieser Zeit begann auch ihr kirchenpolitisches Engagement. In öffentlichen Reden und zahllosen Briefen an Prälaten, Bischöfe und Päpste kritisierte, beratschlagte und ermahnte sie. Schnell entwickelte sie sich zu einer gefragten Beraterin von Menschen aus aller Herren Länder. Auch der Papst erfreute sich an ihrem Rat, auch wenn dieser manchmal die Form heftiger Kritik annahm.
Zu kritisieren gab es so manches: Die Kirche befand sich in einem strukturellen und moralischen Niedergang, der seinen Tiefpunkt im sogenannten „Großen abendländischen Schisma“ fand. Mit diesem Begriff ist jener Zustand beschrieben, in dem es zeitweise drei Männer gab, die von sich behaupteten, Päpste zu sein. Bereits 1309 übersiedelte der erste Papst dauerhaft nach Avignon, wo er sich vom französischen König Philipp dem Schönen kontrollieren ließ. Es war maßgeblich die heilige Katharina, die Gregor XI. 1376 überzeugte, nach Rom, in die Stadt des Apostel Petrus, zurückzukehren. Als Gregor XI. starb, wurde Urban VI. zu seinem Nachfolger gewählt. Katharina unterstützte ihn, ging sogar für ihn nach Rom, auch als die französischen Kardinäle einen Gegenpapst in Avignon wählten und die westliche Kirche in zwei Parteien gespalten war.
Christus will, dass wir seinem Stellvertreter gehorchen.
Als Katharina im selben Lebensalter wie Christus, also mit 33 Jahren, starb, blickte sie auf ein Leben zurück, dessen Zentrum immer ihr Heiland war. Sie empfing Visionen von ihm, seine Wundmale durch die Stigmatisierung und den festen Zuspruch, niemals alleine durch die Welt gehen zu müssen, sondern sich immer auf ihn, ihren himmlischen Bräutigam verlassen zu können. Sie erlebte die Heilung des Schismas und des Papsttums nicht mehr. Sie verlor den Glauben an das Papsttum nicht – nie hatte sie an seiner Rechtmäßigkeit gezweifelt. In einem ihrer Briefe schrieb sie: „Und selbst wenn der Papst ein fleischgewordener Teufel wäre, müssten wir ihm dennoch gehorchen [...]. Denn Christus will, dass wir seinem Stellvertreter gehorchen.“
Katharina war eine mächtige Frau, ohne jemals einen Titel besessen zu haben, ohne kirchliche Würde, ohne weltliche Protektion. Ihre Macht bestand in dem unbedingten Vertrauen und der hingebungsvollen Liebe zu Christus, der sie zu Großem ausersehen hatte.
Matthias Wunder
Autor:Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.