Vatertag
Mehr als nur ein Tag zu zweit

Traditionell wird am zweiten Sonntag im Juni der Vatertag gefeiert. Doch einen Papatag kann es immer geben – auch unterm Jahr. Das finden sowohl Joni (10) wie auch Erwin Hayden-Hohmann von der Caritas-Männerberatung.

Papaaaa – was machen wir heute?“, fragt Joni seinen Vater und schaut ihm tief in die Augen. Sei es ein Ausflug, eine Radtour oder eine Fahrt mit einer Museumsbahn – das Programm ist jedes Mal bunt und abwechslungsreich. Keines gleicht dem anderen. Joni trinkt noch schnell seinen Kakao aus, bevor er in seine Schuhe schlüpft und seinem Papa freudig zuruft: „Komm, es kann losgehen.“

Eltern als Vorbilder
„Ein gutes Vater-Sohn-Verhältnis in der Familie ist enorm wichtig“, ist Männerberater und Sozialarbeiter Erwin Hayden-Hohmann von der Männerberatung der Caritas St. Pölten überzeugt, der sich für „ein gemeinsames Tun“ der beiden Familienmitglieder ausspricht. Dieses Verhältnis sei ausgleichend, sorge für Vielfalt und fördere den Zusammenhalt in der Familie. Auch kann der Heranwachsende mit seinem Vater an einem Tag das gemeinsam „Mann-Sein“ erleben – „im Performen und im Scheitern, beim Genießen wie auch beim Ärgern“, wie Hayden-Hohmann sagt.
Väter sollen für ihre Söhne ein echtes Vorbild geben und dürfen später auch ein Reibebaum sein, findet der Sozialberater, der die alltägliche, unverstellte Beziehung von Vätern zu Kindern befürwortet. Zudem entlasten sie mit eigenen Aktivitäten die Familien – fernab dem Geschwister- und Familientrubel. Auch Töchter dürfen keineswegs zu kurz kommen, weshalb sich Hayden-Hohmann auch für einen Vater-Tochtertag ausspricht. Denn jedes Geschwisterkind soll gleich viel Aufmerksamkeit und Zuneigung erfahren, so der Experte.

Matrose statt Leuchtturm
Es ist bereits Mittag. Papa und Joni sitzen in einer Filiale einer bekannten Fastfood-Kette. „Wir sind das ers­te Mal hier“, freut sich Joni, während er von einem Burger abbeißt und zugleich eine Pommes ins Ketchup taucht.

„Als Väter glauben wir immer, dass wir Leuchttürme sein müssen. Es geht aber auch darum, Matrose zu sein und uns mit den Interessen unserer Kinder auseinanderzusetzen.“ Für die Entwicklung der Kinder sei es wichtig, wie ihre Eltern auf bestimmte, manchmal auch peinliche Situationen reagieren und wie sie damit umgehen, erklärt Erwin Hayden-Hohmann, der zwei erwachsene Kinder hat. „Unsere Söhne und Töchter sollen in der Familie einen Lebensentwurf finden, aus dem sie schöpfen können.“ Wie sie ihn später aber leben, sagt der Sozialarbeiter, soll ihnen überlassen bleiben.

Ein Tag als Geschenk
Für Joni kann der Papatag auch an einem Samstag oder einem Fenstertag sein. Diesen sehe er als ein Geschenk, das er mit seinem Papa gemeinsam öffnet. Am liebs­ten sei es ihm aber, wenn sie solche Tage gemeinsam im Sommer feiern, sagt der Zehnjährige, da die Tage in der wärmeren Jahreszeit länger dauern als im Herbst und sie noch mehr Zeit miteinander verbringen können.

„Der Sohn soll auch mitbekommen, dass der Vater etwas mit ihm unternimmt, was er vielleicht sonst nicht tun würde“, erklärt Erwin Hayden-Hohmann, der auch meint, dass Väter sich unbedingt darauf einlassen sollten.

Erinnerungen bleiben
Der Tag neigt sich langsam dem Ende zu. Erschöpft kehren Joni und sein Papa wieder nach Hause zurück. Prater und Liliputbahn, ein Spielzeuggeschäft und der Besuch eines Eissalons – all das waren die Höhepunkte von heute, von denen Joni seiner Mutter und Schwester begeistert berichtet. „Leider hatten wir zu wenig Zeit“, zuckt er mit den Schultern und gibt seiner Schwester ein kleines Stofftier, das er beim Dosenschießen für sie gewonnen hat. „Aber der nächste Joni-Papatag kommt wieder. Ganz bestimmt.“ Christopher Erben

Autor:

Patricia Harant-Schagerl aus Niederösterreich | Kirche bunt

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