Mein Lieblingsbuch - Bücherschätze der Stifte
Ein Buch für Chorherren, eines für den Adel

Herr Ulrich Mauterer ist der Bibliothekar des Stifts Herzogenburg. | Foto: Patricia Harant-Schagerl
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Herr Ulrich Mauterer ist Bibliothekar im Stift Herzogenburg – und damit Hüter eines über 900 Jahre gewachsenen Schatzes. Als „Lieblingsbuch“ hat er gleich zwei Werke ausgesucht: ein im Stift 1759 geschriebenes Gebetbuch sowie ein 1754 entstandenes Buch aus dem Schloss Walpersdorf.

Die Schrift des Gebetbuches ist erstaunlich groß. Der überraschende Grund dafür: Das Buch lag im Chorgestühl auf und wurde von meist sechs Ordensmännern gleichzeitig benutzt. Einige saßen in der ersten Reihe, die übrigen in der Reihe dahinter – und auch sie mussten über die Entfernung hinweg mitlesen können.
Zu mehreren Exemplaren des römischen Antiphonars, so die korrekte Bezeichnung des Gesangbuchs, kam das Stift auf damals wahrscheinlich sparsamem Weg: Ein Buch wurde in gedruckter Form gekauft, und dieses wurde dann von einigen Herzogenburger Chorherren abgeschrieben. Eine solche Abschrift hält Herr Ulrich Mauterer nun in Händen. Auf dem Deckblatt ist notiert: geschrieben 1759 „penicillo Barth. Pauli C.R.D.“ (auf Deutsch: mit der Feder des Bartholomäus Paul, Canonicus Regularis Ducumburgensis, also Herzogenburger Chorherr). Weil die meisten Gebete gesungen wurden und heute noch gesungen werden, sind sie mit Musiknoten versehen. „Das Buch trägt die Handschrift eines Mitbruders und liegt mir deshalb besonders am Herzen“, erklärt Herr Ulrich den Grund, warum er es als „Lieblingsbuch“ ausgewählt hat.

Ein Geschenk: Bücher aus dem Schloss Walpersdorf

Weil das Stift kurz nach 1900 die Bücher der Schlossbibliothek Walpersdorf geschenkt bekam, zeigt der Stiftsbibliothekar auch ein 1754 entstandenes Buch aus dieser adeligen Provenienz: Es enthält Signal-Codes für einen Flotten-Verband; wahrscheinlich hatte ein Schlossbesitzer eine Verbindung zur Marine. Die Schiffe kommunizierten miteinander mit Hilfe von Flaggen-Signalen; bei Nebel griff man auf akustische Signale zurück. Ein weiteres Buch aus dem Schloss Walpersdorf zeigt im 17. Jahrhundert lehrhafte Bilder von unterschiedlichen Zaumzeugen: ein für den Adel wichtiges Thema.

Herr Ulrich Mauterer ist der Bibliothekar des Stifts Herzogenburg. | Foto: Patricia Harant-Schagerl
Ein Buch aus dem Jahr 1754 mit Signal-Codes für einen bestimmten Flotten-Verband. Im Fall von Nebel werden akustische Signale mittels Kanonenschüssen vorgeschrieben. Provenienz: Schloss Walpersdorf. | Foto: Patricia Harant-Schagerl
Das Stundengebet der Chorherren am Ostersonntag: Surrexit Dominus vere! Gebetsbuch aus dem Jahr 1759, geschrieben im Stift Herzogenburg. | Foto: Patricia Harant-Schagerl
Zaumzeug für "ein Ros das da schart". Zeichnung in einem Buch aus dem 17. Jahrhundert, ehemals im Besitz der Schlossherren von Walpersdorf. | Foto: Patricia Harant-Schagerl
Autor:

Patricia Harant-Schagerl aus Niederösterreich | Kirche bunt

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