Zum Nationalfeiertag
Kein schöner Land in dieser Zeit …

Talschluss Inner­gschlöss in Osttirol mit Blick zum Großvenediger.
  • Talschluss Inner­gschlöss in Osttirol mit Blick zum Großvenediger.
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Das Wort Heimat weckt viele Erinnerungen und Gefühle. Es ist heute mehr denn je ein sensibler und mit teils recht unterschiedlichen Bedeutungen und Erwartungen beladener Begriff.

Kennen Sie den Grünen See in der Steiermark, den Formarinsee und die Rote Wand in Vorarlberg oder den Schiederweiher bei Hinterstoder? Sie wurden in den vergangenen Jahren in der ORF-Sendung „9 Plätze 9 Schätze“ zu den schönsten Orten Österreichs gekürt, und auch heuer wird es diese beliebte Reihe zum Nationalfeiertag am 26. Oktober wieder geben. Österreich hat trotz seiner vergleichsweise geringen Fläche eine Menge solcher Sehnsuchtsorte zu bieten, mit einer Fülle an historischen Bauwerken und Landschaftsformen. Dürnstein kennen alle, aber die Araburg, Rappottenstein oder die Ruine Prandegg? Letztere liegt am Johannesweg im Mühlviertel. Ein Sehnsuchts-Nahziel für den Autor dieser Zeilen, sobald mehrtägige Wanderungen wieder etwas einfacher zu organisieren sind.
„Kein schöner Land in dieser Zeit als hier das unsre weit und breit“ – so wie es Anton Wilhelm von Zuccal­maglia vor nunmehr 180 Jahren im Rheinland dichtete, wird es heute noch bei vielen Zusammenkünften gesungen. Und so ähnlich bringen quer durch alle Kulturen Volkslieder die Heimatverbundenheit zum Ausdruck. Heimat steht auch heute wieder hoch im Kurs, zugleich ist Heimat mehr denn je ein sensibler und mit teils recht unterschiedlichen Bedeutungen und Erwartungen beladener Begriff. Eine mögliche Definition lautet: „Land, Landesteil oder Ort, in dem man [geboren und] aufgewachsen ist oder sich durch ständigen Aufenthalt zu Hause fühlt (oft als gefühlsbetonter Ausdruck enger Verbundenheit gegenüber einer bestimmten Gegend)“.
Zur Vorstellung von Heimat gehören besondere Orte, etwa ein Berggipfel, ein See, ein Wallfahrtsort. Es ist wohl nicht ganz zufällig, dass heute wieder viele Menschen zu solchen Kraftorten pilgern, die eine größere Gemeinschaft spüren lassen.
Noch vor wenigen Jahrzehnten war es nicht ungewöhnlich, dass jemand in dem Haus, in dem er oder sie geboren wurde, den größten Teil des Leben verbrachte und schließlich auch dort gestorben ist. Das gibt es heute kaum noch – die Geburt im Krankenhaus, Schule, Ausbildung und Beruf bedingen Ortswechsel. Heimat bleibt dennoch so etwas wie ein Zufluchtsort, als Erinnerung an eine Vergangenheit, die gerne verklärt wird, aber auch als in die Zukunft gerichtete Hoffnung, an einem guten Ort leben zu können.
In einer immer mobileren Gesellschaft definiert sich auch Heimat neu. Gemeinschaft wird wichtiger als ein bestimmter Ort. Es geht um Zugehörigkeit, um Identität. Man spricht ja auch von einer geistigen, ideellen, religiösen usw. Heimat, die erst erworben wird. Das kann mit vielen Mühen verbunden sein, gerade deshalb ist eine solche Heimat einem Menschen auch wertvoll. So achtenswert Heimatliebe ist, darf sie doch nie dazu dienen, Menschen anderer Herkunft allein aufgrund ihres „Fremdseins“ abzuwerten.

Eine Heimat „vom Himmel her“

Ist Heimat auch ein religiöses Thema? Auf den ersten Blick gibt die Bibel dazu nicht viel her. Von Jesus gibt es keinen großen Aufruf zur Heimatliebe, und er erlebte selbst gleich am Beginn seines Wirkens, dass er in seiner Heimatstadt Nazaret nicht willkommen war. Sein Lieblingsort war das Fischerdorf Kafarnaum am See Gennesaret in Galiläa.

Aber schon im Alten Testament kommt Heimat ins Spiel. Der Stammvater aller Glaubenden, Abraham, wird in der Bibel charakterisiert als der, der aus dem Vaterhaus fortgezogen ist, einzig auf eine große Verheißung Gottes hin. Fremde erfahren – ganz existenziell in der Sklaverei in Ägypten und später erneut im Babylonischen Exil – ist ein konstitutiver Faktor der religiösen Erfahrung Israels.

Auch Jesus weiß darum: „Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann“ (Mt 8,20). Der Umgang mit dem Fremden wird sogar zu einer Bedingung, um in das Gottesreich zu gelangen: „Ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen“ (Mt 25,35). Das Fremd­sein hat Jesus mit einem anderen Religionsstifter gemeinsam: mit dem Königssohn Siddhartha Gautama, der in die „Hauslosigkeit“ zog und als Buddha den Pfad der Erleuchtung lehrte.

Ein anderer Heimatferner, der aus Tarsus in Kleinasien stammende Apostel Paulus, macht uns vollends die Vorläufigkeit unserer irdischen Existenz bewusst, wenn er im Brief an die Philipper (3,2) schreibt: „Unsere Heimat aber ist im Himmel“ – denn von dort wird die Erlösung, das Kommen Christi, erwartet.

Es ist unmöglich, von Heimat zu reden, ohne auf jene Menschen zu schauen, die keine Heimat haben. Viele, allzu viele, müssen sie auch in unserer Zeit verlassen, weil sie z. B. wegen ihrer Religion oder Volkszugehörigkeit in ihrem Land nicht mehr erwünscht sind. Können sie eine neue Heimat
finden?

„By the Rivers of Babylon, there we sat down“ schaffte es einst in die Hitparaden. Der Song ist eine Paraphrase auf ein biblisches Lied, in dem die verbannten Israeliten ihr Leid klagen, aber auch ihre Treue zur Heimat und ihren Glauben an Gott bekunden: An den Strömen von Babel, da saßen wir und weinten, wenn wir Zions gedachten. An die Weiden in seiner Mitte hängten wir unsre Leiern. Denn dort verlangten,
die uns gefangen hielten, Lieder von uns, unsere Peiniger forderten Jubel: Singt für uns eines der Lieder Zions! Wie hätten wir singen können die Lieder des Herrn, fern, auf fremder Erde? Wenn ich dich je vergesse, Jerusalem, dann soll meine rechte Hand mich vergessen. (Psalm 137,1-5)

Autor:

Leopold Schlager aus Niederösterreich | Kirche bunt

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