Angehörige von Suizidopfern
"Hilfe von außen ist große Stütze"
- Familie F. zu viert: Vater Thomas, Bruder Florian, Mutter Andrea und David.
- Foto: privat
- hochgeladen von Patricia Harant-Schagerl
Das Ehepaar Thomas und Andrea hat am 10. Juli 2024 ihren Sohn David durch Suizid verloren. Sie wollen jetzt zeigen, wie wichtig es ist, in der Trauer Hilfe von außen anzunehmen.
Es begann im Jänner 2024: Der 19-jährige David ist Lehrling und verlässt plötzlich seine Nachmittagsschicht. Niemand weiß, wo er hingegangen ist. Nach einem Telefonat mit den Eltern wird klar: Er steht an einer hohen Klippe. Die Polizei findet ihn, nimmt ihn mit auf die Station und entlässt ihn von dort.
Zunächst beschwichtigt David seine Eltern: Es sei ja gar nichts gewesen. Später wird allen klar, dass David an einer psychischen Erkrankung leidet und dass er bereits drei Suizidversuche unternommen hat. Die Suche nach Hilfe gestaltet sich zunächst schwierig, auch weil David lange Zeit eine Fassade aufrechterhalten will. David erhält psychotherapeutische Hilfe, wird stationär in Tulln aufgenommen. Zunächst scheint es nach der Therapie aufwärts zu gehen. Doch der Schein trügt – David nimmt sich das Leben.
Die Eltern im Schock
Die Erinnerung der Eltern an diesen furchtbaren Tag, aber auch an die Menschen, die ihnen zur Seite standen, ist noch immer sehr lebendig: die letzten Gespräche mit David, die letzten Begegnungen, die Umstände seines Todes und die Verabschiedung. „Wir waren in Schockstarre“, erinnert sich Andrea. „Wir konnten einfach nicht glauben, was passiert war.“ Die erste Zeit brauchen sie Medikamente, um zur Ruhe zu kommen.
„Kann mein Leid abladen.“
Beide Eheleute nehmen zunächst eine Psychotherapie in Anspruch, nach einiger Zeit ist der Wunsch nach einer Begleitung da. Über gute Freunde erfahren die beiden vom Angebot der Kompetenzstelle Trauer, die u. a. persönliche Einzelbegleitung vermittelt. Die „Chemie“ mit den Begleiterinnen passt, und schließlich möchte auch Sohn Florian die Hilfe einer Trauerbegleiterin annehmen. „Diese Begleitung dauert an und ist uns eine sehr, sehr große Stütze“, erzählt Andrea. Wichtig ist, dass jemand Außenstehender begleitet: „Man kann sein Leid einfach abladen, ohne Rücksicht auf die Gefühle des Gegenüber nehmen zu müssen“, meint Thomas. Freunde und Familienmitglieder seien oft befangen und hätten selbst mit ihrer Trauer oder Betroffenheit zu tun.
Thomas möchte etwas von dieser Hilfe zurückgeben und macht derzeit eine Ausbildung zum ehrenamtlichen Hospiz- und Trauerbegleiter beim Mobilen Hospizdienst der Caritas der Diözese St. Pölten. Beide Eltern möchten, dass David als Person in Erinnerung bleibt. „Ich rede gerne über David und tausche gerne Erinnerungen an ihn mit anderen aus“, sagt Andrea. In der Familie wird viel und offen über alles, was passiert ist, und über die Trauer miteinander gesprochen. Nicht jeder im Bekanntenkreis kann mit der Tragödie umgehen. „Der soziale Kreis ist geschrumpft, dafür waren andere Menschen präsent, von denen wir das nie erwartet hätten“, erinnert sich Andrea. Ihr größter Wunsch an die Umgebung: Empathie.
Patricia Harant-Schagerl
Hilfe holen!
Für Angehörige von Suizidopfern: Der Mobile Hospizdienst der Caritas, in Zusammenarbeit mit der Kompetenzstelle Trauer, bietet kostenlos und unabhängig von Religionszugehörigkeit und Nationalität persönliche Trauerbegleitung an. Unter www.trauer-info.at sind alle Angebote für Trauernde zu finden.
Im Krisenfall: Telefonseelsorge Tel. 142 oder per Chat www.telefonseelsorge.at bzw. WhatsApp Tel. 0660/ 142 0 142. Der PSD der Caritas bietet eine telefonische Erstinformation unter Tel. 0676/83 844 7575. Alle wichtigen Notrufe und Angebote findet man hier: www.akutteam.notrufnoe.at/krisenhotlines.
Gedenkfeier
Feier im Gedenken an Menschen, die durch Suizid verstorben sind: 18 Uhr Möglichkeit, Gedanken und Gefühle auszusprechen, 19 Uhr Gedenkfeier mit Texten, Erinnerungsritual, Musik ...
Im Bildungszentrum St. Benedikt, Seitenstetten: Donnerstag, 10. 9.
Im Bildungshaus St. Hippolyt, St. Pölten: Freitag, 11. 9.
Infos bei Gerti Ziselsberger, E-Mail: gertrude.ziselsberger@caritas-stpoelten.at, Tel. 0676/83 844 7373.
Autor:Patricia Harant-Schagerl aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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