"Wie's Leben früher war" von Inge Friedl
Ein Sommertag auf der Alm
- Lustige Almpartie auf einer Ennstaler Alm.
- Foto: Friedl / Tiefenbacher
- hochgeladen von Patricia Harant-Schagerl
Heute erinnern wir uns an das alte Almleben. Damit ist die Zeit gemeint, als Sennerinnen auf den Almen noch Milchwirtschaft betrieben und Käse und Butter herstellten. Touristen gab es kaum, Almgeher waren in der Regel Leute aus den Ortschaften im Tal. Eine Szene wie die folgende ist daher nur in diesem Zusammenhang zu verstehen: Ein Wanderer nimmt vor der Hütte Platz. Die Sennerin stellt ihm einen Brotlaib, Käse und Butter hin. Er streicht sich ein Butterbrot, bekommt dazu ein Glas Milch oder Buttermilch und bezahlt dafür – nichts. Nur wenn er auch ein Stamperl Schnaps will, müsste er dafür bezahlen.
„Das Leben hat sich am Wochenende auf der Alm abgespielt.“
Dies wurde mir aus Salzburg und der Steiermark berichtet, es ist davon auszugehen, dass es auch in anderen Bundesländern ähnlich zuging. Es war die Zeit, als viele Almen noch nicht über Forstwege erreichbar, sondern nur für Wanderer zugänglich waren. Aus diesem Grund gab es, im Unterschied zu heute, kaum Bier auf den Almen. Eine Sennerin aus dem Großarltal: „Das Bier musste mein Mann im Rucksack hinauftragen, immer nur ein paar Flaschen. Trotzdem haben Gäste gebeten: ‚Bittschön, g’halt mir eine Flasche auf!‘ Ja, mit dem Bier hat man müssen sparsam sein.“
Bei Schönwetter machte sich am Samstag die Dorfjugend auf zur Alm, um dort ein paar unbeschwerte Stunden zu verbringen. Ein Murtaler erinnert sich an die 1950er-Jahre: „Das Leben hat sich bei uns am Wochenende auf der Alm abgespielt. Man hat sich verabredet: ‚Heut gemma auffi zur Hiaslhüttn!‘ So wie im Winter alle Eisstockschießen waren, sind im Sommer alle auf die Alm gegangen.“ Irgendjemand hatte sicher eine Mundharmonika dabei, es wurde musiziert, gesungen und auch getanzt. Die Gäste brachten sich ihre Verpflegung selbst mit und übernachteten oft auch gleich im Heu.
Der Jakobstag war Lostag für die Alm
Ein Lostag für die Alm war der „Jokastag“, der Jakobstag am 25. Juli. Die Bauern besuchten ihre Almen und brachten der Sennerin als Geschenk vielleicht Krapfen mit, auf jeden Fall wurde getanzt, gesungen und gejuchazt. Jokaswoche, Laurenziwoche, Frauenwoche, Barthlmeiwoche – so verging mit den Bauernheiligen der Almsommer und mit ihm die Zeit, in der die Hütte der gesellige Treffpunkt der Almgeher war.
Das Schlusswort soll eine heute leider nicht mehr lebende Sennerin aus dem Hochschwabgebiet haben: „Oft war es so lustig, da haben wir gesagt: ‚Jetzt haben wir für die ganze Woche genug gelacht!‘ Nach so einem Tag sind wir oft bei der Hüttentür gestanden: ‚Kimmt wer? Na, neamd kimmt. Gemma halt Küah holn!‘“
Inge Friedl ist Historikerin und Autorin mit Wohnsitz in Graz
Autor:Patricia Harant-Schagerl aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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