"Wie's Leben früher war" von Inge Friedl
Der Advent als Wartezeit
- Foto: Friedl / Andorfer
- hochgeladen von Patricia Harant-Schagerl
Viele von uns kennen dieses Lied. Es hat vier Strophen, so viele wie Kerzen am Adventkranz. Lied und Kranz helfen uns, die Wartezeit bis Weihnachten zu gestalten.
Doch halt, wer „wartet“ noch auf die Festtage, außer die Kinder vielleicht? Der Dezember ist heute wohl der turbulenteste Monat im Jahr mit der größten Hektik. Es gilt, die Zeit bis Weihnachten ohne allzu viel Stress irgendwie zu überstehen, und man fragt sich, wie konnte jemals der Advent als stillste Zeit im Jahr bezeichnet werden?
Es lohnt sich, an den alten Rhythmus der Vorweihnachtszeit zu erinnern. Ein Signaltag war der 25. November, der Kathreinstag. Man sagte „Kathrein stellt den Tanz ein“. Erst am Dreikönigstag war Tanzen wieder offiziell erlaubt. So wie man einem Kind, das dauernd am Computer spielt, seinen Internetzugang sperrt und es so zur Ruhe bringt, so half dieser Tag, dass die Betriebsamkeit nachließ.
Doch damit nicht genug, auch Fasten war im Advent angesagt. Dies ist auch der Grund, warum früher im Advent niemals Weihnachtskekse gegessen wurden, sondern erst am Heiligen Abend – ganz korrekt erst nach Mitternacht, wenn die Fastenzeit zu Ende war. Adventfasten hieß für viele, auch auf so manche Genüsse zu verzichten. Ein Gastwirt liebte es, Pfeife zu rauchen und sich ab und zu eine Zigarre zu gönnen. Im Advent verzichtete er darauf. Erst am Heiligen Abend, wenn die ersten Sterne am Himmel zu sehen waren, erst dann und keine Minute früher pflegte er sich wieder sein „Zigarrl“ oder seine Pfeife anzuzünden. Wenn es am 24. Dezember endlich zu dämmern begann, waren seine Enkelkinder aufgeregter als der Großvater. Sie liefen immer wieder ins Freie hinaus, um nachzusehen, ob nicht schon der erste Stern am Himmel auftauchte. Eines dieser Kinder erinnert sich: „Wir haben den Himmel abgesucht. Dann war das erste Sternderl zu sehen! Wir haben geschrien und der Opapa war selig und hat endlich wieder geraucht.“
Man sagt, wer nicht warten kann, kann nichts erwarten. Eines der Dinge, die uns die Wartezeit im Advent schenkt, ist ganz gewiss die Vorfreude. Dies ist vielleicht auch der Grund, warum früher die Weihnachtskekse, die Würstl und jedes Weihnachtessen in der Erinnerung so viel besser geschmeckt haben als heute.
Inge Friedl
Autor:Patricia Harant-Schagerl aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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