3.Sonntag in der Osterzeit: Abt Nobert Lesovsky
Die Augen des Herzens
- Der See Gennesaret – eine Region, in der Jesus gewirkt hat.
- Foto: Gemeinfrei
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Wir begegnen im Evangelium vom Sonntag den Jüngern am See Gennesaret, ihrem Ursprung, dort, wo sie Jesus zum ersten Mal trafen. Hinter ihnen liegen die tiefen Erschütterungen in Jerusalem. Leiden, Folter, Verrat, Tod, Angst und Furcht. Nun sind sie scheinbar zurück im Alltag, gefangen im mühsamen, oft entmutigenden Fischen. Ihr Gespräch klingt banal: „Ich gehe fischen … Ich gehe mit …“ – kein Anklang an große Offenbarungen. Diese Szene holt uns ab, genau da, wo wir oft sind: beschäftigt mit dem Alltäglichen, den kleinen Pflichten, den Sorgen des Lebens.
Wie die Jünger stehen auch wir oft mit einem Herzen voll Zweifel und wenig Erwartung am Ufer unseres Lebens. Deshalb erkennen sie Jesus zunächst nicht, denn ihr inneres Auge ist noch verschlossen, gefangen in Enttäuschung und Routine. Doch hier lädt die Geschichte uns ein, mit ihnen aus dem Gewöhnlichen aufzubrechen, tiefer zu schauen, dem Unbekannten zu begegnen – dem Auferstandenen, der mitten im Alltag gegenwärtig ist.
Auferstehung kein Mythos
Unsere Wahrnehmung ist oft verengt durch reine Vernunft und rationale Maßstäbe. Doch die Begegnung mit dem Auferstandenen öffnet eine andere Sehkraft: die Augen des Herzens. Diese Gabe lässt uns die Wirklichkeit in ihrer ganzen Tiefe erfassen – nicht als abstraktes Wissen, sondern als lebendige Erfahrung der Gegenwart Gottes. Die Auferstehung ist kein Mythos, sondern das Erwachen aus dem Dämmerzustand, aus Dunkelheit und Verblendung ins lichtvolle Bewusstsein der göttlichen Wirklichkeit.
Der Morgen, an dem die Jünger fischen gehen, ist ein Symbol für dieses innere Erwachen. Wie es im Epheserbrief heißt: „Alles Erleuchtete aber ist Licht. Deshalb heißt es: Wach auf, du Schläfer, / und steh auf von den Toten / und Christus wird dein Licht sein“ (Eph 5,14). Die Jünger kehren zurück zum Leben, aus einer traumähnlichen Passivität in das klare Licht der Erkenntnis. Der reiche Fang steht für die Schätze, die in ihrer Seele neu zum Vorschein kommen – eine Einladung, die verborgenen Tiefen unseres Herzens zu erforschen und darin Gottes Gegenwart zu erkennen.
Das Vertrauen, das sie dem Fremden schenken, der ihnen rät, es noch einmal zu versuchen, wird zum Tor einer neuen Wirklichkeit. Sie lassen sich führen und erleben ein Wunder: Fülle, Überfluss, Leben aus der Tiefe. „Es ist der Herr!“ – das ist der Augenblick der inneren Gewissheit, des Erkennens, das nicht nur den Verstand trifft, sondern das ganze Wesen erfüllt.
Einladung, die verborgenen Tiefen unseres Herzens zu
erforschen und darin Gottes Gegenwart zu erkennen.
Wenn die Jünger an Land gehen, bedeutet das mehr als nur den Wechsel der Unterlage. Es symbolisiert das Finden eines festen Fundaments im Glauben. Aus der Unsicherheit wird Gewissheit, aus dem Wanken ein sicherer Stand. Die Geschichte endet mit dem gemeinsamen Mahl, das Jesus bereitet hat – ein Zeichen von Heimat und Gemeinschaft. Hier sind die Jünger wirklich angekommen: Der Meister ist wieder da, vertraut und doch neu. Das Mahl wird zum heiligen Raum, in dem sich die göttliche Gegenwart offenbart und sie innerlich verwandelt.
Auferstandener heute gegenwärtig
Diese Erzählung lädt uns ein, inmitten unseres Alltags die Augen des Herzens zu öffnen, das Vertraute neu zu sehen und den Auferstandenen zu erkennen, der auch heute in unserem Leben gegenwärtig ist. So können wir, wie die Jünger, immer wieder neu erwachen, dem Ruf folgen und in der Gemeinschaft mit Jesus Christus Heimat finden.
Autor:Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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