Prof. Franz Schmatz
Mute dir dein Leben zu!
- Stephanie und Franz Schmatz
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Der Psychotherapeut, Theologe und em. Hochschulprofessor Dr. Franz Schmatz ermutigt aufgrund eigener Lebenserfahrungen, die Herausforderungen des Lebens anzunehmen und bewusst im Jetzt zu leben. Am 23. April um 19 Uhr halten er und seine Frau Stephanie, Lehrerin und Energetikerin, im Bildungshaus St. Hippolyt in St. Pölten einen Vortrag zum Thema.
Leben Sie von Ihrer Einstellung her immer wieder sehr bewusst in der Gegenwart? Nach meiner Wahrnehmung leben viele Menschen entweder häufig in der Vergangenheit oder aber mit all Ihren Erwartungen und Planungen schon in der Zukunft.
Leben ereignet sich aber nur in der Gegenwart. Die Vergangenheit ist vergangen. Wir können auch bei noch so viel Beschäftigung mit ihr weder etwas hinzufügen, noch etwas wegnehmen. Das Einzige, was wir mit Vergangenheit tun können, ist, uns mit ihr zu versöhnen und sie dann vergangen sein zu lassen. Und die Zukunft kommt erst auf uns zu, setzt aber das Leben im Jetzt voraus. Das Jetzt ist also das einzige, das gelebt werden kann und gestaltet werden möchte.
Nur wenn ich sehr bewusst in der Präsenz, also in der Gegenwart bin, kann ich bei mir selber ankommen, es mit mir selber gut aushalten und mich auch öffnen für Begegnung. Ganz präsent zu sein ist auch die Basis für Meditation, Gebet und vertiefte Spiritualität.
Mich haben vor allem die Erfahrung unserer liebenden Beziehung seit 52 Jahren, schwerer Krankheiten (erstmals schon in jungen Jahren) und die Sterbe- und Trauerbegleitungen seit 50 Jahren immer wieder neu gelehrt, das Jetzt sehr bewusst zu erleben. So furchtbar es war, als meine Frau und ich am Beginn unserer gemeinsamen Liebe standen und durch die ärztlichen Prognosen nicht wussten, wie viel Lebenszeit mir noch gegeben ist, so fruchtbar war bis heute die Einladung daraus: Leben wir jetzt! Bewusst, intensiv und voller Dankbarkeit! Und wenn ich dann in den Sterbebegleitungen erlebe, wie viele Menschen am Ende ihres Lebens bei ihrer Lebensbilanz sagen: „Ich habe das Gefühl, am Leben vorbeigelebt zu haben“, oder: „Wenn ich noch ein wenig Zeit bekäme, ich würde viel bewusster leben“, nehme ich wieder neu für mich und für uns die Einladung mit: Leben wir jetzt!
So betrachtet ist ja auch der Tod, also die Tatsache meiner Vergänglichkeit die größte und intensivste Lebenseinladung, die es gibt, weshalb die Verdrängung des Todes gleichzeitig die Verdrängung des Lebens bedeutet. Die geschenkte Lebenszeit ist deshalb so kostbar, weil sie begrenzt ist.
Sollen wir also Erwartungen, Träume und Visionen aufgeben? Keineswegs! Träume und Visionen sind ein großes Geschenk. Aber sie machen nur dann Mut und schenken Kraft, wenn sie aus der Verwurzelung im Jetzt kommen und die Bereitschaft ausdrücken, sich dem Leben jetzt zu stellen und dieses zu gestalten.
Mute dir dein Leben zu!
Der Untertitel in obiger Überschrift (wie in unserem Buch) ist eine große Herausforderung. Für mich persönlich ist dieser Satz einerseits eine Zumutung und gleichzeitig ein goldener Schlüssel zu einer erfüllenden Lebensgestaltung. Heute werden von allen Seiten Ansprüche an das Leben gestellt. Wie es zu sein hat, damit wir nicht enttäuscht sind. Aber dem Leben steht es zu, Ansprüche an uns zu stellen! Bin ich nicht eingeladen, mir mein Leben zuzumuten, so wie es ist und daraus Kraft für Gestaltung zu finden, damit es mein Leben sein kann?
Ich denke oft an die Vorlesungen von Viktor Frankl und die persönlichen Begegnungen mit ihm zurück, in denen er uns aus seinen vielfältigen und oft so leidreichen Lebenserfahrungen immer wieder eine Lebensperspektive mitgegeben hat: Nicht wir haben die Fragen an das Leben zu stellen, sondern wir haben die Fragen zu beantworten, die das Leben an uns stellt. Nicht alle wollen solche Worte hören und meinen, das sei eine Überforderung. Aber warum soll ich mich meinem Leben auch mit all seinen harten Herausforderungen verweigern, oder warum soll ich von einem anderen Leben träumen oder andere um ihr Leben beneiden? Ich habe Verantwortung für mein Leben und ich möchte es in Selbsttreue und Selbstverantwortung aus gesunder Selbstliebe gestalten.
Mein persönliches Motto, das mir gerade in den letzten Monaten mit zwei schweren Operationen (darunter eine Hochrisikooperation in der Luftröhre) auch wieder sehr geholfen hat, ist: Ich möchte meine Krankheit bzw. meine Leiderfahrung als Zeichen meiner Verletzlichkeit und Zerbrechlichkeit (ein Grundkennzeichen des Menschseins im Sinn der Polarität) gestalten, so gut ich kann und was nicht gestaltbar ist „kreativ“ ertragen und so in Stärke wandeln. Daraus erwächst mir Dankbarkeit, Zufriedenheit, innerer Friede und erspart mir die „Warum ich? Frage und lässt mich zuversichtlich sein.
Ich bin überzeugt, im Jetzt zu leben, auch mit allen Zumutungen des Lebens schenkt Lebensqualität, Lebensfreude und im letzten Lebenserfüllung.
Das Buch
Stephanie und Franz Schmatz haben aus ihren persönlichen und gemeinsamen Erfahrungen und denen aus vielen Begleitungen auch gemeinsam ein Buch verfasst.
Stephanie und Franz Schmatz, „WORAUF WARTEN WIR? LEBEN IST JETZT! Mute dir dein Leben zu!“ Effata Verlag Krems (nähere Informationen auch auf www.effata.at).
Autor:Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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