Diözesanbibliothek
Aus dem Bibelschatz der Pröpste

Initiale „I“ zum Buch Genesis: Gott Vater mit Engeln (rechts); links: Verkündigung an Maria als Hinweis auf die neue Schöpfung.
1. Schöpfungstag: Gottes Geist schwebt über dem Wasser der Urflut vor der Scheidung von Licht und Finsternis.
2. Schöpfungstag: Gott scheidet Wasser (blau, oben) und Erde (unten).
  • Initiale „I“ zum Buch Genesis: Gott Vater mit Engeln (rechts); links: Verkündigung an Maria als Hinweis auf die neue Schöpfung.
    1. Schöpfungstag: Gottes Geist schwebt über dem Wasser der Urflut vor der Scheidung von Licht und Finsternis.
    2. Schöpfungstag: Gott scheidet Wasser (blau, oben) und Erde (unten).
  • Foto: Leopold Schlager
  • hochgeladen von Kirche bunt Redaktion

In der Diözesanbibliothek St. Pölten befindet sich eine ganze Reihe biblischer Kostbarkeiten – kein Wunder, handelt es sich doch im Kern um die Bibliothek des 1784 von Kaiser Joseph II. aufgehobenen früheren Chorherrenstiftes in St. Pölten.

Ein besonderes Prunkstück in der Diözesanbibliothek ist die Handschrift 54 – eine lateinische Bibel, die um 1230 in Paris entstanden ist. Paris war um diese Zeit die führende Universitätsstadt; wer Rang und Namen hatte, schickte seine Söhne dorthin zum Studium. Ganz nebenbei: Vom Kloster St. Denis in Paris aus waren rund fünf Jahrhunderte davor Hippolyt-Reliquien über Tegernsee nach St. Pölten gekommen – ein markanter Neubeginn kirchlichen Lebens in dieser Region nach der Völkerwanderungszeit.

Allein das ist schon eine besondere Leistung, die ganze Bibel auf 314 Pergamentblättern, kaum größer als ein Schulheft, unterzubringen. Die einzelnen Buchanfänge sind durch kunstvolle Initialen hervorgehoben, die stark an Comics erinnern. Mit wenigen Figuren, starken Gesten und kräftigen Farben wird auf der Größe einer Briefmarke ein Charakteristikum eines jeden biblischen Buches mit viel Liebe zum Detail im sogenannten Muldenfaltenstil auf den Punkt gebracht.

Die Anfänge des Alten und des Neuen Testaments sind in dieser Bibelhandschrift besonders hervorgehoben: Die Initiale zum Buch Genesis enthält das Sechstagewerk der Schöpfung in aufeinanderfolgenden Medaillons. Den Anfang des Neuen Testaments illustriert – ausgehend von Isai, dem Vater Davids – eine „Wurzel-Jesse“-Initiale mit dem stilisierten Stammbaum Jesu.

Von der künstlerischen Qualität her wird diese Bibel dem Umkreis des vor 1230 in Paris tätigen Meisters Alexander zugeschrieben. Sicher gab es für die einzelnen Motive Vorlagen; man denke nur an die Fülle der Darstellungen an den Kapitellen romanischer Kathedralen. Manche Szenen finden sich zum Teil exakt seitenverkehrt in anderen Codices. Faszinierend ist dennoch die sichtliche Erzählfreude, die sich aber immer auch auf den biblischen Text bezieht.

Autor:

Leopold Schlager aus Niederösterreich | Kirche bunt

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