Kirchliche Beteiligung an Landesausstellung
Wenn die Welt Kopf steht

V. re.: Pastoralassistentin Hilda Steinhauer, Seelsorge-Leiter Manfred Heiderer und Dipl.-Pastoralassistentin Sigrid Steinman in der St. Leopold-Kapelle. | Foto: Wolfgang Zarl
  • V. re.: Pastoralassistentin Hilda Steinhauer, Seelsorge-Leiter Manfred Heiderer und Dipl.-Pastoralassistentin Sigrid Steinman in der St. Leopold-Kapelle.
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Seelische Gesundheit ist ein zentrales Thema unseres Menschseins. Die NÖ Landesausstellung 2026 „Wenn die Welt Kopf steht“ im Landesklinikum Mauer bei Amstetten rückt den gesellschaftlichen Umgang mit psychischen Erkrankungen in den Mittelpunkt und zeigt, wie sich Sichtweisen, Haltungen und Behandlungsformen im Wandel der Zeit verändert haben.

Seelsorge im Landesklinikum

Menschen, die in ein Krankenhaus kommen, befinden sich in einer physischen, psychischen oder spirituellen Krise und erleben eine Veränderung ihrer gewohnten Lebensumstände. Nicht selten werden dadurch neue Unsicherheiten und Ängste ausgelöst. In dieser Situation möchten die Verantwortlichen der Landesklinikum-Seelsorge für alle Betroffenen da sein. Ihre Arbeit versteht sich als Ergänzung zu den anderen therapeutischen Angeboten. Sie möchte aus christlicher Perspektive helfen, Antworten auf Sinn- und Glaubensfragen zu finden, erzählen Seelsorge-Leiter Manfred Heiderer, Pastoralassistentin Hilda Steinhauer und Dipl.-Pastoralassistentin Sigrid Steinman im Gespräch mit „Kirche bunt“.

Jeden Sonn- und Feiertag wird in der Kirche in Mauer um 11 Uhr eine heilige Messe gefeiert. Klinik-Seelsorger Heiderer kündigt auch Kirchenführungen an den Sonntagen nach den Gottesdiensten an: Interessierte erhalten in rund 15 Minuten Einblicke in die Geschichte des Hauses, Informationen zu besonderen architektonischen Details und Hintergrundwissen zur Ausstattung der Kirche.

Pfarrliche Gruppen, die zur Landesausstellung kommen, haben die Möglichkeit, in der Kirche einen eigenen Gottesdienst zu feiern: Klinik-Pfarrer Heiderer bittet um telefonische Kontaktaufnahme vorab unter Tel. 0676/82 6688406.

Gesamtkunstwerk des Jugendstils

Im Vorfeld der Landesausstellung wurde die Kirche im Landesklinikum saniert: außen sowie der Turm. Das sogenannte „Gesellschaftshaus“ mit der Kapelle steht in der Mitte der Krankenhausanlage. Der Anlass für die Errichtung des Komplexes war das 50-jährige Regierungsjubiläum von Kaiser Franz Joseph 1898. Im Altarraum der Kirche ist auf einer Marmortafel der 16. August 1898 als Tag der Grundsteinlegung genannt. Die ursprünglichen, noch vom Historismus geprägten Entwürfe wurden von Erich Gschöpf unter Aufnahme zahlreicher Formen des Jugendstils und typischer Motive der Otto-Wagner-Schule überarbeitet. Die Schlusssteinlegung erfolgte am 2. Juli 1902 in Anwesenheit von Kaiser Franz Joseph I. Das ist auf einer Marmortafel im Altarraum festgehalten.

Die Ausstellung rückt den Umgang mit psychischen Erkrankungen in den Mittelpunkt und zeigt, wie sich Sichtweisen und Behandlungsformen verändert haben.

Vom Bautyp her erinnert das Kirchengebäude an eine dreischiffige Basilika, aber mit zwei Besonderheiten: Zum einen sind die beiden schmalen Seitenräume durch (nicht mehr im Original erhaltene) Vorhänge abgetrennt. Sie ermöglichen es dem Pflegepersonal, bei Problemen einzugreifen und Patienten zu versorgen. Zum anderen ist der Bau – für die damalige Zeit sehr fortschrittlich – als Mehrzweckraum konzipiert. Die Kirche gilt als „Gesamtkunstwerk des Jugendstils“.

Religion in der Ausstellung

In der Schau wird auch das Thema Religion behandelt, da Glaube, Gebete und Hoffnung hilfreich für wirksame Behandlungsmethoden gegen psychische Erkrankungen sein können.

Die Kuratoren zeigen in der Ausstellung beispielsweise das Porträt von Alexander Schinnagel, dessen Heilung von einer psychischen Erkrankung auf das Engste mit der Geschichte der Wallfahrtskirche Maria Taferl verbunden ist, sowie ein Votivbild der Wallfahrtskirche Maria Taferl, das zum Dank der Heilung von der Melancholie gestiftet wurde. Darüber hinaus widmet sich die Ausstellung auch dem Thema Volksglaube und zeigt unter anderem eine Fraisenhaube und eine Fraisenkette (historisches Schutzamulett).

Da persönlicher Glaube für Betroffene auch nach dem Aufkommen moderner Psychopharmaka eine wichtige Rolle einnahm, um Zuversicht zu bewahren und die Hoffnung auf Genesung nicht zu verlieren, zeigt die Ausstellung auch Exponate aus dem 20. Jahrhundert. Hier zu nennen ist unter anderem eine mobile Beichtwand aus dem frühem 20. Jahrhundert, die es mobilitätseingeschränkten Patientinnen und Patienten ermöglichte, ortsunabhängig die Beichte abzulegen; oder ein Gemälde von Ernst Stöhr (Maler, Dichter und Mitbegründer der Wiener Secession) aus dem Jahr 1914. Stöhr, der selbst mit psychischen Problemen zu kämpfen hatte, malte die Kreuzigung Jesu. Die Menschen rund um Jesus stellte er in damals zeitgemäßer Kleidung dar, was aufzeigt, dass Religiosität kein historisches, vormodernes Phänomen ist, sondern auch im 20. Jahrhundert eine wichtige Rolle spielte.

Haag, Sonntagberg, Seitenstetten

Mit der Eröffnung der Landesausstellung 2026 in Amstetten-Mauer steht das Mostviertel ganz im Zeichen von Mensch, Psyche und Gesundheit. Über die Ausstellung hinaus entstehen in der Region spannende Umfeldprojekte, die das Ausstellungsthema auf vielfältige, inspirierende und erlebnisreiche Weise aufgreifen und erlebbar machen.

Mitten im Herzen von Haag entstand ein besonderer Rückzugsort: Der „Raum der Stille“. Der Raum im Pfarrhof Haag lädt mit seinen historischen Fresken aus dem Jahr 1828 – inspiriert von einer Italienreise des damaligen Pfarrers – zum Träumen und Verweilen ein. Zwischen den zarten Malereien, die Landschaften und Städte zeigen, finden Besuchende einen Ort der Ruhe und inneren Einkehr. Ein Gegenpol zur schnellen Welt.

Beteiligt ist auch die Basilika Sonntagberg: In der Schatzkammer werden Votivgaben gezeigt, die die Dankbarkeit für Genesungen unterstreichen.

Im Rahmen der Landesausstellung werden inspirierende Vorträge und Seminare rund um das Thema „Wenn die Welt Kopf steht – Mensch. Psyche. Gesundheit.“ angeboten. Eine Sternpilgerung im Gedenken an die während der NS-Herrschaft ermordeten Patienten fand bereits im März statt.

Diözesanes Bildungsangebot

Lucia Deinhofer und Rudolf Hörschläger, die Leiter der Abteilung Erwachsenenbildung der Diözese St. Pölten, betonen: „Unsere Begleitveranstaltungen greifen aktuelle Fragen der seelischen Gesundheit auf: Wie gehen wir heute mit seelischer Belastung um? Welche Bilder von psychischer Gesundheit prägen unsere Gesellschaft? Inwiefern kann christlicher Glaube die seelische Gesundheit schützen und auch von der Medizin als wichtige Ressource angesehen werden? Und wie können wir als Gemeinschaft zu mehr Achtsamkeit, Solidarität und Mitgefühl beitragen?“ Die Veranstaltungen verbinden fachliche, lebensweltliche und spirituelle Perspektiven und fördern eine offeneAuseinandersetzung mit einem Thema, das alle betrifft, so Deinhofer und Hörschläger.

Zu den diözesanen Angeboten währendes des Jahres zählen: „Erste Hilfe für die Seele“, ein 12-stündiges Online-Seminar mit Sylvia Ecker (Beginn: 1.4.); Offene Achtsamkeit-Übungsabende mit Univ. Prof. Peter Gabis und Kathrin Andrusko im St. Pöltner Bildungshaus St. Hippolyt (Beginn: 9. 4.); Versöhnt und kraftvoll weiter gehen – von Amstetten nach Mauer, mit Pilgerbegleiter Alois Zehetner (9. 4.); Heilendes Wort mit P. Georg Fischer SJ im Seitenstettner Bildungszentrum St. Benedikt (17. 4.). Alle Veranstaltungen auf www.dsp.at.

Die Veranstaltungen sollen dazu beitragen, Verständnis zu fördern und ein Zeichen für eine Gesellschaft zu setzen, in der seelisches Wohlbefinden und menschliche Würde im Mittelpunkt stehen.

Geschichte des Landesklinikums

Das Landesklinikum Mauer in Amstetten wurde zwischen 1898 und 1902 als „Niederösterreichische Landes-Heil- und Pflegeanstalt Mauer-Öhling“ errichtet und 1902 eröffnet. Die Anlage war eine der größten psychiatrischen Einrichtungen der Region. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurden auch hier über 2.800 Patientinnen und Patienten Opfer der sogenannten NS-„Euthanasie“-Verbrechen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Einrichtung modernisiert und zu einem wichtigen Zentrum für psychiatrische Behandlung weiterentwickelt. Heute gehört das Klinikum zur NÖ Landesgesundheitsagentur und ist ein bedeutendes Fachzentrum für Psychiatrie und Psychotherapie.

Autor:

Wolfgang Zarl aus Niederösterreich | Kirche bunt

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