Pfingsten
Das Geburtsfest der Kirche
- „Pfingsten“ – ein Gemälde von Jan Joest (um 1460-1519) in der
Nikolauskirche in Kalkar am Niederrhein in Deutschland. - Foto: Wikimedia Commons
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Der Name „Pfingsten“ stammt vom griechischen Wort für 50, „Pentekoste“. Die Juden feierten 50 Tage nach Pessach ein Erntedankfest. Später kam das Gedenken an den Bundesschluss am Sinai hinzu (vgl. Ex 19). Christen begehen zu Pfingsten – dem ersten Erntedankfest nach Jesu Auferstehung – die Sendung des Heiligen Geistes und damit das Geburtsfest der Kirche.
In der Apostelgeschichte schildert Lukas ein dramatisches Geschehen (Apg 2,1-13). Unvorstellbares wird beschrieben: Sturmesbrausen und Feuerzungen. Diese Symbole erinnern an die Gottesoffenbarung am Sinai. Das Fest der Erinnerung wird zu einem umwerfenden Aufbruch, der prophetische Verheißungen wahr macht: „Ich will ausgießen von meinem Geist auf alle Menschen“ (Joel 3,1). Etwas völlig Neues, Unglaubliches beginnt: Die verängstigten Jünger werden buchstäblich „Feuer und Flamme“, treten als mutige Zeugen für den auferstandenen Jesus auf.
Die Geistsymbole – Sturmwind und Feuer – sind unberechenbar und beunruhigend. Sören Kierkegaard formuliert: „Wo einer Christ werden soll, muss Unruhe werden. Wo einer Christ geworden ist, wird Unruhe sein. Christentum ist Brandstiftung.“ So bewirkt der Geist Gottes, wenn sich Menschen wirklich auf ihn einlassen, eine tiefe innere Erschütterung mit verwandelnder Kraft: Der Geist setzt kreative Energien frei und drängt zu neuen Aufbrüchen. Die Be-Geisterung steckt an, strahlt aus, wird zu einem Leuchtfeuer, das bewegt und belebt. So war das damals in Jerusalem.
„Die Sache Jesu braucht Begeisterung. Sein Geist sucht sie, auch unter uns.“
Und was bedeutet Pfingsten für uns heute? Wo leuchtet bei uns das Feuer der Begeisterung? In einem Lied aus den 1970er-Jahren heißt es: „Die Sache Jesu braucht Begeisterte. Sein Geist sucht sie, auch unter uns. Er macht uns frei, damit wir einander befrei’n.“ Die Strophen des Liedes ermutigen zum Einsatz für Frieden, Gerechtigkeit, Arme und Benachteiligte, Fremde und Flüchtlinge. Genau diese Botschaft griff auch Papst Franziskus (2013-2025) auf und weckte mit seiner spontanen und unkonventionellen Menschlichkeit eine neue Begeisterung für das Evangelium, das er in Wort und Tat glaubwürdig zum Leuchten brachte.
Im Vorwort zur Youcat-Bibel lädt er die Jugendlichen zur Bibellektüre ein: „Ihr haltet etwas Göttliches in Händen, ein Buch wie Feuer.“ Im Juli 2015 sprach er zu den Mitgliedern der charismatischen Erneuerung: „Ihr seid eine Pfingstgnade für die ganze Kirche.“ Er rief jedem einzelnen Teilnehmer zu: „Lass dich vom Heiligen Geist vorantreiben, bete, arbeite, liebe, dann wird der Geist das Übrige tun!“ Er fügte hinzu: „Die Arbeit für die Einheit der Christen beginnt beim Gebet.“ Alle Christen rief er auf, ihre Sendung zu entdecken, mit Freude und Begeisterung. Er folgerte daraus für jeden einzelnen: „Ich bin eine Mission auf dieser Erde ... Licht zu bringen, zu segnen, zu beleben, aufzurichten, zu heilen, zu befreien.“ (Evangelii Gaudium, Nr. 273)
„Der Heilige Geist ist die Gabe, die unser Leben für die Liebe öffnet.“
Und Papst Leo XIV. zitierte in seiner Predigt am Pfingstsonntag im Vorjahr Papst Benedikt XVI.: „Die Kirche muss immer wieder neu zu dem werden, was sie schon ist: Sie muss die Grenzen zwischen den Völkern öffnen und die Barrieren zwischen Klassen und Rassen niederreißen. In ihr darf es keinen geben, der vergessen noch verachtet wird. In der Kirche gibt es nur freie Brüder und Schwestern von Jesu Christi.“ Und Leo betonte: „Der Heilige Geist öffnet die Grenzen vor allem in uns.“ Der Heilige Geist, so der Papst, ist „die Gabe, die unser Leben für die Liebe öffnet“, die „unsere Verhärtungen, unsere Verschlossenheit, unseren Egoismus, unsere Ängste, die uns blockieren, unseren Narzissmus, der uns nur um uns selbst kreisen lässt, löst“. Elke Deimel/KNA)/Red.
Autor:Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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