Theologin Waltraud Schaffer
Was bedeutet mein Traum?
- Als Vogel fliegen, einen Zahn verlieren oder einer Schlange begegnen: Manche Traumbilder treten bei vielen Menschen auf.
- Foto: Gorodenkoff – stock.adobe.com
- hochgeladen von Kirche bunt Redaktion
Träume schenken heilende Bilder – wie auch biblische Propheten sie als Form der Kommunikation mit Gott sahen. Davon ist die Theologin Waltraud Schaffer überzeugt.
Als Vogel fliegen, einen Zahn verlieren oder einer Schlange begegnen: Manche Traumbilder treten bei vielen Menschen auf. Der Schweizer Psychiater C. G. Jung war überzeugt, dass Träume etwas über das Unbewusste der menschlichen Seele sagen. Auch wenn das, was ein Traum bedeutet, von dem abhänge, der ihn träume, glaubte Jung, dass gewisse Symbole für alle Menschen etwas Ähnliches repräsentieren. Dabei verwies er auf Märchen und Mythen, die weltweit ähnliche Motive enthalten, und nannte sie „Archetypen“.
„Träume schenken heilende Bilder und geben Orientierung“, ist die Theologin Waltraud Schaffer überzeugt, die die Arbeit mit Träumen in ihrem persönlichen Leben und auch in ihrer Tätigkeit als Geistliche Begleiterin einsetzt. Das gelte auch für Albträume, so Schaffer: Sie machten auf Aufgaben, Fragen und Konflikte aufmerksam und gäben Hinweise, was ein nächster Schritt sein könnte.
Vereinfachenden Traum-Deutungen erteilt die Theologin eine Absage. Die Schlange z. B. sei bei C. G. Jung ein Symbol für Veränderung und Wandlung – sei aber noch um einiges vielschichtiger. In der Bibel trete sie als Symbol für Verführung (in der Genesis) und für Heilung (die Schlange am Kreuz im Buch Numeri) auf. Um dieses Traumbild zu verstehen, brauche es den Lebenskontext des oder der Träumenden: Welche Gefühle kommen im Traum hoch? Was könnte die Botschaft für die konkrete Lebenssituation sein? Meistens würden Träume von einem Gefühl am Vortag ausgelöst. Viele Träume handeln von Themen und Problemen, die uns im täglichen Leben beschäftigen. Die Traumbilder böten oft eine andere Sichtweise und eine Lösung an, so Schaffer: „Träume sind die Hausapotheke unserer Seele.“
In der Bibel: Träume können eine Form der Kommunikation mit Gott sein.
Für die biblischen Propheten und Prophetinnen sei es noch selbstverständlich gewesen, so die Theologin, dass Träume eine Form der Kommunikation mit Gott sein können. Und dass sie wichtige Botschaften transportieren: So träumt Jakob von einer Himmelsleiter, auf der Engel auf- und absteigen. Auch hier lohne es sich, den Kontext zu betrachten. Jakob betrügt seinen Bruder Esau und flieht daraufhin. „In dieser Situation würde man eher einen Albtraum erwarten, doch es öffnet sich der Himmel, Gott gibt sich als Gott Abrahams und Isaaks zu erkennen, und Jakob bekommt die Zusage, dass er begleitet und beschützt ist.“
Auch im Leben von Heiligen spielen Träume eine Rolle. So berichtet der heilige Don Bosco über seinen ersten Berufungstraum: „Als ich ungefähr neun Jahre alt war, hatte ich einen Traum, der mir mein ganzes Leben lang tief im Gedächtnis verhaften blieb.“ Johannes Bosco sah eine Schar Buben, deren Flüche er mit Schelten und Schlägen zum Schweigen bringen wollte. Doch ein in einen weißen Mantel gehüllter Mann berichtigte ihn: „Mit Milde, Güte und Liebe musst du sie dir zu Freunden gewinnen.“ Der Heilige hatte diesen Traum wieder im Alter von 17 und 19 Jahren, übersetzte ihn in sein Leben und folgte dieser Berufung. „Träume gehen nicht weg, wenn sie eine wichtige Botschaft für uns haben“, sagt Waltraud Schaffer. Das sehe man an wiederkehrenden Träumen.
Franz Jägerstätters Traum
Der Selige Franz Jägerstätter träumte im Jänner 1938 von einem schönen Eisenbahnzug, der um einen Berg fährt: Viele wollen mit dem Zug mitfahren. Da hört Jägerstätter eine Stimme: „Dieser Zug fährt in die Hölle.“ Er wird bei der Hand genommen und weggeführt. Jägerstätter deutete dies als Warnung vor dem Nationalsozialismus.
Die Wissenschaft weiß heute, dass im Schlaf neurobiologische Prozesse ablaufen, die wichtige Fähigkeiten trainieren. Der französische Neurowissenschaftler Raphael Vallat fand 2017 heraus, dass echte Erlebnisse, die wir im Traum rekapitulieren, uns weniger aufregen. So könnten Träume uns helfen, unsere Emotionen zu regulieren.
Autor:Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.