Familie
Mathematik (be)greifen

Erstaunlich, welch komplizierte Rechnungen Kinder mit Montessori-Material ausführen können, weil sie Mathematik im wahrsten Sinn des Wortes begreifen. Ein Besuch in der Schule „Integratives Montessori Atelier“ in St. Pölten.

Ich werde das nie verstehen!“ oder „Irgendwann bin ich ausgestiegen.“ Sätze wie diese hört man, wenn die Rede auf Mathematik kommt. Und es ist ist nicht selten ein Schulfach, das Kinder und Eltern gleichermaßen fürchten.
Bei einem Besuch in der IMA-Schule („Integ­ratives Montessori Atelier“) in St. Pölten fallen zuerst die vielen Materialien auf, die in Regalen, Schubladen und Kästen ordentlich aufgereiht zu sehen sind. Maria Montessori hat für alle Entwicklungsstufen Material ausgearbeitet, besonders in Mathematik, erklärt die Schulleiterin der Primarstufe, Karin Haas: von anschaulichen Stangen bis hin zu abstraktem Rechnen mit Blättchen. So werden selbst schwierigste Rechnungen und Formeln sinnlich erfahrbar. „Ich habe bis jetzt nicht erlebt, dass es beim Rechnen Schwierigkeiten gegeben hat“, erzählt die erfahrene Volksschullehrerin, „sondern nur Aha-Erlebnisse.“

Wurzel ziehen mit Murmeln

Flächenberechnungen erarbeiten sich die Kinder der vierten Klasse, indem sie mit so genannten Normquadraten hantieren, die es in unterschiedlichen Größen gibt: Quadratmeter, Quadratdezimeter usw. Für das Wurzelziehen steht das Wurzelbrett zur Verfügung, auf dem Kinder mit Murmeln ihre Rechnungen auslegen. Sogar im Sekundarbereich (mit Schülern zwischen 10 und 14 Jahren) gibt es für jedes mathematische Phänomen Material, mit dem die Kinder spielerisch die Lösungen finden.
„Um eine Vorstellung von Zahlen und Rechnungen zu bekommen, ist es wichtig, dass Kinder Dinge berühren können“, ist die Pädagogin überzeugt. Stufensteigen habe mit Mathematik zu tun, das Gehenlernen eines Kindes mit Raumorientierung. Ein Meterband aus einem Möbelhaus benützten die Kinder der ersten Schulstufe, um zu schauen, ob ein Tisch durch die Türe passt, und lernten so die Unterschiede von Meter, Zentimeter und Millimeter kennen (eigentlich Lernstoff der zweiten Klasse).
Überhaupt erarbeiten sich die Kinder den Lernstoff überwiegend selbst, mit Unterstützung der Pädagogen. Kindern beim Hantieren mit Montessori-Material zuzusehen, ist faszinierend: Sie vertiefen sich konzentriert in ihre Tätigkeit, und wenn sie die Lösung selbständig gefunden haben, strahlen die Augen.

Die Montessori-Schule

Die katholische Privatschule „Integratives Montessori Atelier“ in St. Pölten wurde 2001 gegründet und umfasst sowohl eine Primar- wie auch eine Sekundarstufe (für 10- bis 14-Jährige). Der Lehrplan wird überwiegend mittels Freiarbeit umgesetzt.

www.ima.schule

Autor:

Patricia Harant-Schagerl aus Niederösterreich | Kirche bunt

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