25. Sonntag im Jahreskreis | 21. September 2025
Meditation
- Foto: Sarah Chai/Pexels
- hochgeladen von SONNTAGSBLATT Redaktion
Die Hand Gottes
Diese Geschichte ist viele Jahre her, aber Anna erinnert sich an jedes Detail, als wäre es gestern gewesen. Damals hatte sie gerade geheiratet und träumte gemeinsam mit ihrem Mann von einem Kind. Eines glücklichen Morgens gingen die beiden voller Hoffnung zum Arzt, um die wichtigste Nachricht ihres Lebens zu hören.
Doch der Arzt bestätigte ihre Hoffnung nicht – die Enttäuschung war bitter. Trotzdem verloren sie die Hoffnung auf eine baldige Schwangerschaft nicht. Einige Zeit später durchzuckte plötzlich ein starker Schmerz Annas Körper. Eine starke Blutung begann. Sie dachte, dass das der Anfang vom Ende ihres großen Traums war. Erst später, im Krankenhaus, sagten ihr die Ärzte, dass es sich um eine sehr frühe Schwangerschaft gehandelt hatte.
Für Anna wurde dies zu einer Tragödie. Sie war von seelischem Schmerz überflutet, fühlte sich leer und verlassen. In ihrem Herzen machten sich Groll, Verwirrung und sogar Schuldgefühle breit. „Ist das vielleicht eine Strafe für meine Sünden? Gott, warum?“
Die Ärzte stabilisierten ihren körperlichen Zustand, doch seelisch war sie gebrochen. Ihr Mann und ihre Familie standen ihr bei, doch nichts half. Direkt aus dem Krankenhaus ging Anna in die Kirche, denn sie wollte beichten. Erst hier konnte sie ihren Schmerz zum ersten Mal wirklich aussprechen und alles loslassen, was ihr die Brust zuschnürte.
Bei einer Predigt hörte sie später Worte, die sich gefühlt direkt an sie richteten und sich für immer in ihr Gedächtnis einprägten: „Die Hand Gottes kann manchmal schwer sein. Aber sie bleibt immer die Hand eines liebenden Vaters.“ Diese Worte trafen sie mitten ins Herz. In diesem Moment spürte Anna, dass Gott sie nicht verlassen hatte. Im Gegenteil, gerade durch diese Herausforderung zeigte Er seine Fürsorge. Wie, das wusste sie damals noch nicht.
Kurze Zeit später stellte sich heraus, dass Anna eine große Geschwulst in der Gebärmutter hatte. Diese hatte die Fehlgeburt verursacht. Der Tumor wurde rechtzeitig entdeckt und erfolgreich entfernt. Zwei Monate nach der OP wurde Anna erneut schwanger. Heute ist sie glückliche Mutter wunderbarer Kinder.
„Hätte es damals keinen Schmerz gegeben, hätte es auch keine Rettung gegeben. Jetzt weiß ich: Selbst, wenn alles dunkel erscheint, ist es noch nicht das Ende. Da ist ein Weg“, sagt sie.
Halyna Shepel
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.