Pfingstsonntag | 8. Juni 2025
Meditation
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Gute Erde werden
Ich habe leider nicht den grünen Daumen, den ich mir von meiner Oma gewünscht hätte – von ihr habe ich nur meine Liebe zu Tieren geerbt. Trotzdem gebe ich nicht auf, und meine Pflanzenfamilie zählt inzwischen schon weit über zehn Mitglieder. Es fasziniert mich, wie aus einem kleinen Kern eine Pflanze und im besten Fall sogar eine Frucht wächst.
Nachdem ich heute eine weitere Pflanze von mir in der Biotonne versenkt habe, erwartet mich beim wöchentlichen Bibelkreis dieser Abschnitt aus dem Lukasevangelium (siehe Zitat links). Gott hat Humor, denke ich mal wieder.
Der Sämann geht hinaus, um zu säen. Er streut seine Samen auf verschiedene Böden. Ein Teil der Saat fällt auf den Weg. Sie kommt zwar an, wird aber nicht aufgenommen. Und schon kommt der Feind – symbolisiert durch die Vögel – und nimmt sie weg. Andere Samen fallen auf felsigen Boden. In Israel gibt es viel Kalkfelsen, überzogen mit einer dünnen Erdschicht. Die Saat geht schnell auf, doch weil sie keine Wurzeln bilden kann, verdorrt sie in der Hitze. Ein dritter Teil fällt unter die Dornen. Die Saat geht zwar auf, aber die Dornen wachsen mit und ersticken sie. Das Gute kann sich nicht entfalten, weil anderes es überlagert und verdrängt.
Der vierte Teil schließlich fällt auf gute Erde. Dort wird die Saat aufgenommen, sie schlägt Wurzeln, wächst – und bringt reiche Frucht.
Jesus erklärt später selbst: Der Same ist das Wort Gottes. Wer genau der Sämann ist, lässt er offen. Auf jeden Fall Gott, von dem das Wort ausgeht – aber auch wir können dieses Wort weitertragen. Die Böden, von denen Jesus spricht, stehen für Menschen, mit verschiedenen Herzenshaltungen. Doch das Herz – wie auch der Boden – kann sich verändern. Manchmal lässt die Ähre den Kopf hängen, manchmal ist es hart wie der Weg, auf den der erste Same fällt. Dann braucht es einen Pflug, ein Gespräch oder eine Erfahrung, etwas, das die Erde aufbricht und sie wieder aufnahmefähig macht.
Das Säen und das Wachsen bleiben für mich ein Wunder. Ich hoffe, dass ich die Kunst des Pflanzenpflegens noch einmal lernen werde. Und bis dahin – und weit darüber hinaus – hoffe ich, gute Erde zu sein und selbst Frucht zu tragen.
Maria Wilbrink
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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