Seelsorgeräume vorgestellt | SR Hartberg
Mut zum kreativen Experiment
- Wolfgang Kerschenbauer, Andreas Pichlhöfer, Martin Teubl (im Bild v. r.), Karl Schalk, Bernd Schöffmann und Helmut Hütter sorgen für die professionelle Übertragung der Hartberger Gottesdienste.
- Foto: Saurer
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Im Seelsorgeraum Hartberg setzt man auf Vielfalt, Offenheit und innovative Ideen, um Menschen im Heute anzusprechen.
Ihr SR-Raum aus der Luft betrachtet: Was sticht sofort ins Auge?
Josef Reisenhofer, SL: Es zeigt sich in landschaftlicher Perspektive das sanfte oststeirische Hügelland mit bunten land- und forstwirtschaftlichen Flächen. Ein anmutig gewachsener Lebensraum für viele Menschen in zahlreichen Ortschaften und Siedlungen. Unübersehbar sind Kirchen und Kapellen. Weit ins Land hinein strahlen von erhöhten Lagen etwa die Wallfahrtskirche Pöllauberg, St. Anna am Masenberg, St. Magdalena am Lemberg. Aber auch alle anderen Kirchen in Kaindorf, Ebersdorf, Neudau, Grafendorf und vor allem die imposante Basilika in Pöllau sowie die schöne barocke Stadtpfarrkirche Hartberg im Zentrum des Seelsorgeraumes sind historische Zeichen lebendigen Glaubens.
In diesem Seelsorgeraum leben 30.000 Menschen mit ihren Fragen, Freuden, Ängsten und Hoffnungen. Haupt- und ehrenamtliche Mitwirkende versuchen mit großem Einsatz, tiefer Spiritualität und offener Begegnungskompetenz, die Menschen dabei zu begleiten. Dabei bilden die gewachsenen Traditionen an Kirchlichkeit ein tragfähiges Gerüst in den einzelnen Pfarren und werden im Seelsorgeraum nach Bedarf und Notwendigkeit miteinander verwoben.
Was sind die inhaltlichen Schwerpunkte in eurem SR und wie wurden sie gefunden?
Reisenhofer: Anknüpfend an bisherige Schwerpunkte der kirchlichen Grundaufträge in den Pfarren bilden Liturgie, Diakonie, Verkündigung und Gemeinschaft haltgebende Säulen. Im Sinne der missionarischen Pastoral erscheint besonders die Liturgie in ihrer bunten Erscheinungsgestalt ein zukunftsträchtiger Weg zu sein. Nirgends erreicht die Kirche mehr Menschen als in der Feier des Kirchenjahres, der Sakramente und bedeutsamer Augenblicke menschlicher Lebensgeschichten. Spirituell tiefe, lebensnahe und verständliche Gottesdienste sind darum ein zentrales Anliegen. Das Vernetzen von liturgischer Aus- und Weiterbildung sowie die Durchführung verschiedener Feiern in den Pfarren zählen zu wichtigen Anliegen.
Selbstverständlich gehören auch die Begleitung caritativer und pastoraler Gruppen, Schul-, Kinder- und Jugendpastoral, Kranken- und Altenseelsorge, mediale Kommunikation, Medienarbeit und Verantwortung in Bau- und Wirtschaftsfragen zu den Kernaufgaben. Das Finden der Schwerpunkte basiert auf Evaluierung und Wertschätzung gewachsener Traditionen sowie Mut zum kreativen, verantworteten Experiment im Leben der Kirche.
Wie war der Prozess der Seeelsorgeraum-Werdung?
Andrea Schalk, HP: Genau genommen sind wir noch auf dem Weg – doch wir dürfen uns schon über viele gelungene Schritte freuen. Mit der diözesanen Ernennung zum SR-Hartberg und der Beauftragung des Führungsteams im September 2020 begann unser gemeinsamer Weg des Hörens, Hinschauens und Aufeinander-Zugehens.
Es folgte im Jänner 2023 die Gründung der Pastoralplan-Steuerungsgruppe. In Befragungen, Konferenzen, Wallfahrten und Gesprächen – besonders bei der großen Bevölkerungsbefragung im Frühjahr 2023 und dem Treffen in Maria Lebing – wurden Stimmen, Wünsche und Ideen gesammelt. Vier Arbeitsgruppen arbeiteten ab Herbst 2023 intensiv weiter, bis im Frühjahr 2024 der Pastoralplan fertiggestellt und von Bischof Wilhelm Krautwaschl bestätigt wurde.
Der neu gegründete SR-Pastoralrat sorgt für die Umsetzung und orientiert sich dabei am grundgelegten Leitsatz: „Gott kommt uns entgegen, wir wollen ihm Wege bereiten.“ In diesem Sinne sind wir weiterhin unterwegs, um innovativ und mit den Menschen verbunden eine offene Kirche zu werden, in der das Evangelium in vielfältigen Formen gelebt und für die Menschen eine lebendige Kraftquelle und zum Segen wird.
Gibt es Pfarrgrenzen-überschreitende Angebote und wie werden sie angenommen bzw. getragen?
Schalk: Ja, und das mit viel Engagement! Wir erleben, dass gemeinsames Tun über Pfarrgrenzen hinweg gut funktioniert, aber auch viel Fingerspitzengefühl und Organisation erfordert. Unser Seelsorgeraum ist bunt und vielfältig – das empfinden wir als große Bereicherung. Besonders schön ist, wie viele Ehrenamtliche sich mit Herz in ihren Pfarren einbringen. Um sie gut zu begleiten, bieten wir gemeinsame Schulungen an – etwa für KommunionhelferInnen, WortgottesfeierleiterInnen, FirmbegleiterInnen, Kinder- und JugendleiterInnen und im Bereich der Kirchenmusik. Das stärkt sowohl die Qualität als auch das Miteinander.
Einige Gruppen sind schon gut vernetzt. Die Vernetzungstreffen der Caritas- und Sozialteams, der Katholischen Frauenbewegung oder spirituelle Angebote wie Trauerspaziergänge und Kreuzwege auf den Kalvarienberg werden gut angenommen. Ebenso die Monatswallfahrten am 13. in Maria Lebing, die jeweils von einer anderen Pfarre gestaltet werden, und der „Gottesdienst für Liebende“, der reihum gefeiert wird.
Mit innovativen Feiern wie den Duftgottesdiensten durch das Kirchenjahr, der Sonntagsmesse im Stadion oder dem Ersthelferfest für die Einsatzorganisationen versuchen wir verschiedenste Menschen anzusprechen. Diese Vielfalt tut gut – sie soll einladen und dazu beitragen, Glaube und die Kirche vor Ort lebendig zu erleben.
Was sind die größten Herausforderungen in der Verwaltung des SR?
Karin Holenka-Steinreiber, HV: Auf die grundsätzlichen Herausforderungen betreffend Einführung der Seelsorgeräume und der damit einhergehenden Zusammenlegung und Vereinheitlichung der Verwaltungstätigkeiten möchte ich hier nicht noch einmal eingehen. Diese wurden in den vorangegangenen Vorstellungen meiner Kolleginnen und Kollegen bereits ausführlich erklärt.
Was im Verwaltungsbereich trotz aller Strukturänderungen im Sinne der Effizienzsteigerung und dem intensiven Bemühen der Mitarbeiterinnen immer noch eine Kunst ist, die uns manchmal nicht gelingen will, ist der Balanceakt zwischen umfassender Serviceleistung gegenüber der Pfarrbevölkerung sowie den äußerst engagierten Ehrenamtlichen und der Einhaltung des vorgegebenen Stundenkontingents.
Die Mitarbeiterinnen haben den Beruf der Pfarrsekretärin vor Jahren sehr bewusst gewählt! Auch, um die Erwartungen vieler Kanzleibesucher, welche nicht bei der verwaltungstechnischen Abwicklung ihrer Anliegen enden, sondern eine erste „An- und Aussprache-Person“ in der Pfarrkanzlei finden wollen, zu erfüllen.
Im wirtschaftlichen Bereich leisten die Wirtschaftsräte unserer Pfarren durchwegs großartige Arbeit. Hierzu ist ein erwähnenswerter Unterschied, dass sich in manchen Pfarren der Pfarrer – wir haben in unserem Seelsorgeraum neben unserem Seelsorgeraum-Leiter noch fünf weitere – als Vorsitzender intensiv in die wirtschaftlichen Agenden der Pfarre einbringt, hingegen andere Pfarren diesbezüglich sehr selbstständig arbeiten müssen.
Die Komplexität der Anforderungen, auch seitens des Ordinariats, hat sich in den letzten Jahren sicherlich gesteigert. Für manche eine gut lösbare Aufgabe, für andere eine größere Herausforderung. Hier gilt es in der Begleitung und Unterstützung der einzelnen Gremien gut hinzuschauen und entsprechend zu differenzieren. Der seelsorgeraumübergreifende Blick auf „das große Ganze“ auch im wirtschaftlichen Bereich wird für die Zukunft die Herausforderung sein.
Was ist neu?
Holenka-Steinreiber: Die Vorgaben der Diözesan-Leitung zur Installierung einer Seelsorgeraum-Zentrale haben wir in den vergangenen Monaten bereits erfüllt. Die Umsetzung eines neuen Raumnutzungskonzepts im Pfarrhof Hartberg, mit entsprechenden Umbauten und umfassenden Sanierungsmaßnahmen, hat uns im letzten Jahr nicht nur große Anstrengungen gekostet, sondern manchmal auch das Nervenkostüm etwas strapaziert. Viele Arbeiten mussten trotz Kanzlei-Öffnungszeiten durchgeführt werden. Und wer den Aufgabenbereich kennt, kann sich vorstellen, dass beispielsweise eine Begräbnisaufnahme neben den Stemmarbeiten der Installateure nicht sehr angenehm durchzuführen war.
Hier möchte ich die Gelegenheit nutzen, um auch auf diesem Weg noch einmal ein großes Dankeschön an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Ort auszusprechen – euer Einsatz und euer Durchhaltevermögen waren großartig!
Der Friedhofsverwaltung für den gesamten Seelsorgeraum und der pfarrübergreifenden Matrikensachbearbeitung – diese beiden Bereiche werden bei uns bereits von einer jeweils dafür spezialisierten Fachkraft bearbeitet – sowie den Pfarrkanzleien und der pastoralen Schaltstelle stehen nun Räumlichkeiten zur Verfügung, die auch den heutigen Arbeitsplatz-Anforderungen Rechnung tragen.
Ein typischer Pfarrhof im Stil der 1970er/80er-Jahre hat sich zu einem Haus mit hellen, freundlichen Büros und einladenden Bereichen mit Begegnungszone und Sozialraum für Haupt- und Ehrenamtliche gewandelt
Glauben verbindet, auch online
Die Internetgottesdienste iGOD sind weit über Hartberg hinaus bekannt.
Was 2007 in Hartberg klein begann, ist heute für viele Menschen zu einem wichtigen Glaubensort und Kirchort geworden: Die Internetgottesdienste iGOD laden dazu ein, gemeinsam zu feiern, zu beten und sich getragen zu wissen – auch über große Entfernungen hinweg. Mehr als 9000 Abonnenten feiern regelmäßig Gottesdienste mit, viele von ihnen sind krank, nicht mobil oder leben fernab kirchlicher Gemeinschaft. iGOD schafft Nähe – über Soziale Medien hinaus – und möchte ein Stück Zuhause im Glauben anbieten.
Diese Erfahrungen zeigen, wie wichtig digitale Räume in der Kirche von Heute sind. Daran knüpft die Trauergruppe Hartberg an. Neben den bewährten Trauertreffen und Spaziergängen wird ab Herbst eine @Online-Trauerstunde angeboten. So können Trauernde ortsunabhängig teilnehmen und digitale Wege der Verbundenheit erleben.
Auch im Krankenhaus werden digitale Medien zunehmend bedeutsam. Daher startet das Krankenhausseelsorge-Team ab Jänner ein innovatives Projekt im LKH Oststeiermark. Dort entsteht ein digitales Seelsorgeangebot mit Live-Chat, Impulsen und Online-Feiern für Patientinnen und MitarbeiterInnen.
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◉ Sonntag, 9. November, 10 Uhr: Die Martinifestmesse in der Pfarrkirche Hartberg wird auf ORF III live im Fernsehen übertragen.
Im Blickpunkt
Das Seelsorgeraum-Führungsteam besteht aus (v. l.) Karin Holenka-Steinreiber als Handlungsbevollmächtigte für Verwaltung, Pfarrer Josef Reisenhofer als Leiter und Andrea Schalk als Handlungsbevollmächtigte für Pastoral.
- (v. l.) Karin Holenka-Steinreiber, Pfarrer Josef Reisenhofer, Andrea Schalk
- Foto: Pichlhöfer
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Welt der Düfte. In seiner „Welt der Düfte“ im Pfarrhof St. Magdalena lädt der Weihrauchpfarrer Mario Brandstätter ein, in die faszinierende Welt der Aromen und Düfte einzutauchen. Hier können Räuchergefäße aus aller Welt betrachtet werden. In Führungen erfährt man Wissenswertes zu Weihrauch und eigenem Räuchern.
- „Welt der Düfte“
- Foto: Neuhold
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Weltkirche & Soziales.
In unserem Seelsorgeraum Hartberg gibt es einen regen Austausch mit der Weltkirche. Zum einen wurden mit zwei Missionsschwestern („Missionarinnen Christi“) aus der Oststeiermark über viele Jahre ein enges Band geknüpft und Projekte in ihren Niederlassungen finanziert Brasilien, Demokratische Republik Kongo). Zum anderen sind vier Priester aus nichteuropäischen Ländern (Südkorea, Indien und Afrika) in unserem Seelsorgeraum in fünf Pfarren tätig.
Durch Spenden, bzw. Daueraufträge werden Projekte unter dem Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“ z.B. Aussaat und Pflanzenanzucht, Ankauf von Transportmitteln zum Transport des Erntegutes in die Städte; Bildungsinitiativen: mitten im Urwald ein Zubau zu einer Frauenfachschule, Ausbildung eines Informatiklehrers, medizinische Grundversorgung sowie finanzielle Zuwendungen für die ärmsten Schüler – Das alles in der Demokratischen Republik Kongo. Der Arbeitskreis „Hoffnung durch Liebe“ unterstützt ein ehrenamtliches Projekt in der Gefangenenseelsorge (Restaurative Gerechtigkeit) in Brasilien. In Burundi wurden für eine Grund- und Sekundarschule 9 Klassenräume renoviert und mit Lehrmitteln ausgestattet. Für eine Schule mit 2 Klassen wurden das Fundament und die Gebäude, für eine weitere Schule in Madagaskar das Fundament, sowie ein wichtiger Brunnen für die Wasserversorgung das Geld bereitgestellt.
- Hilfe für eine Schule in Madagaskar
- Foto: Pfarre Kaindorf
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Soziale INITIATIVEN: Ein Vinziladen in unserem Seelsorgeraum gibt den Ärmsten die Möglichkeit, das Lebensnotwendigste zu besorgen. Im Caritas-Carla-Laden gibt es Secondhand-Ware zu sehr günstigen Preisen.
Pöllauertal. Mitten im Naturpark Pöllauertal stehen zwei für unseren Seelsorgeraum kulturell wichtige Kirchen: Unten im Zentrum von Pöllau die größte Barocke Kirche der Steiermark, der „steirische Petersdom“. Darüber thront weithin sichtbar die Wallfahrtskirche Maria Pöllauberg, einer der prächtigsten hochgotischen Bauten der Steiermark.
- Pöllau / Pöllauberg
- Foto: Schweighofer
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Zahlen und Fakten
SR Hartberg
Diese 11 Pfarren gehören zum SR Hartberg: Ebersdorf, Grafendorf, Hartberg, Kaindorf, Neudau, Pöllau, Pöllauberg, St. Johann in der Haide, St. Magdalena bei Hartberg, Unterrohr, Wörth. Außerdem die Krankenhausseelsorge am LKH Hartberg.
Leitungsteam:
SL Pfarrer Josef Reisenhofer
0676/8742 6183
josef.reisenhofer@graz-seckau.at
HP Andrea Schalk
0676/8742 6993
andrea.schalk@graz-seckau.at
HV Karin Holenka-Steinreiber
0676/8742 6983
karin.holenka-steinreiber@graz-seckau.at
Seelsorgeteam:
Pfarrer: Adrian Czobot, Roger Ibounigg, P. Joseph Mangalan-Kochupyloth, Deogratias Ntikazohera, Alois Puntigam-Juritsch; Vikar: Mario Brandstätter; Kapläne: Michael Kim, Roger Rubakisibo; Kloster-Priester: Erich Kuen, Johann Schuster; Diakon: Franz Hollensteiner; PastoralreferentInnen: Michaela Fetz, Andreas Pichlhöfer, Johannes Ulz; Pastorale Mitarbeiterinnen: Sabine Löschberger, Julia Schweighofer
Kanzleiteam:
Roswitha Gmoser, Stefanie Hofstadler, Alexandra Narrnhofer, Gerlinde Schnedl, Doris Unterberger
▶ Website: hartberg.graz-seckau.at
Legende
SR = Seelsorgeraum
SL = Seelsorgeraumleiter
HBP = Handlungsbevollmächtigte/r für Pastoral
HBV = Handlungsbevollmächtigte/r für Verwaltung
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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