SinnVoll | Teil 1
Berufung – was ist das?

Foto: Abeer Al-Nuaimi/Pexels
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Eine Serie zum Weltgebetstag um geistliche Berufungen am 26. April.

Eine Hinführung zu einem vielfältigen Begriff.

Musik ist ihre Berufung.“ Oder: „Die Schule ist seine Berufung.“ So sagen wir manchmal. Und wir meinen damit, dass jemand seinen Beruf mit Leib und Seele ausübt, mit ganzem Herzen bei der Sache ist, wenn er musiziert, unterrichtet, usw.

Gott beruft. Wenn wir in der Kirche von Berufung sprechen, dann kommt noch etwas Weiteres ins Spiel. Besser: jemand Weiterer. Wir meinen dann, dass Gott es ist, der einen Menschen z. B. zu einer bestimmten Lebensform oder Aufgabe anspricht, beruft. So wie es vor 2000 Jahren Jesus getan hat.
Wenn man von Berufung spricht, muss man unterscheiden zwischen dem Vorgang der Berufung – wie Gott einen Menschen anspricht und der Mensch antwortet – und dem Ergebnis der Berufung, also der Lebensweise, die diesem Ruf Gottes entspricht.

Wozu ruft Gott? In der allerersten Zeit der Christenheit war es klar, dass sich in einer vielgestaltigen religiösen Welt Menschen, die Christen, in erster Linie zum Glauben an Jesus Christus als ihren Erlöser berufen wussten.
Als es in Europa mehr und mehr selbstverständlich wurde, dass alle getauft waren, hat man den Begriff der Berufung nur mehr für außergewöhnliche Lebenswege vorbehalten – so wie etwa für die Berufung zum Priester.
Heute spricht man davon, dass alle Getauften berufen sind – dazu später. Vorher soll noch folgendes bedacht werden:

Eine Berufung erkennen. Zuerst: Gott kann auf sehr verschiedene Weise einen Menschen ansprechen, sagt uns die Erfahrung. Das kann durch eine Begegnung geschehen, durch ein Vorbild, durch ein besonderes, aber auch alltägliches Erlebnis, durch ein Talent oder eine Fähigkeit, und wohl immer auch durch Nachdenken und Gebet.
Aber es ist nicht immer leicht, solche Erfahrungen und Überlegungen richtig zu verstehen. Es stellt sich die Frage: Kann ich davon ausgehen, dass hier Gott im Spiel ist, oder irre ich mich? Vor allem bei Berufungen für das ganze Leben braucht es eine gründliche Prüfung und Gespräche mit geistlich erfahrenen Menschen.

Denn für eine Berufung reicht nicht nur eine innere Neigung, sondern es braucht auch die nötige Eignung. Und bei all dem ist die Grundvoraussetzung, dass ein Mensch sich um eine lebendige Beziehung zu Gott bemüht und sich Gott und dem Dienst am Evangelium zur Verfügung stelllen will.
Deshalb haben der Bischof bzw. von ihm beauftragte Männer und Frauen bei den Kandidaten für die Priesterweihe die Aufgabe der Prüfung – eine notwendige und heikle Aufgabe. Wenn der Bischof seine Zustimmung gibt, spricht man von der äußeren Berufung.

Alle sind berufen. Bis heute sprechen Menschen vor allem im Zusammenhang mit Ordensgemeinschaften und dem Dienst des Priesters von einer Berufung. Hier ist es für viele offensichtlich, dass ein Mensch einen Weg wählt, der sich nicht aus alltäglichen Überlegungen ergibt.

Erfahrungen und Überlegungen haben in den letzten hundert Jahren dazu geführt, den Begriff weiter zu verstehen. Jeder und jede, die sich mit ihren Begabungen und Fähigkeiten in den Dienst des Glaubens stellt, kann als berufen verstanden werden – ein Polizist ebenso wie eine Lehrerin, eine Ärztin und ein Sozialarbeiter usw. Jemand, der in der Kirche seinen Dienst tut oder in einem profanen Beruf. Im Idealfall jeder und jede Getaufte.

Freilich: Berufung ist keine eindrucksvolle Bezeichnung, die mir zusteht, weil ich irgendwann einmal getauft worden bin. Sie setzt einen Weg im Glauben an Gott voraus, und die Bereitschaft, in seinen Dienst zu treten.

Bernhard Körner
ist emeritierter Dogmatikprofessor und als Vikar in den Pfarren Graz-Straßgang und Graz-St. Elisabeth tätig.

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Bernhard Körner 
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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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