USA
Tod eines Demagogen
- Eine große Menschenmenge versammelte sich am 13. September vor dem Gerichtsgebäude in Prescott (USA), um für den konservativen Aktivisten Charlie Kirk zu beten, der am 10. September bei einer Veranstaltung an der Utah Valley University in Orem erschossen wurde.
- Foto: KNA
- hochgeladen von SONNTAGSBLATT Redaktion
Gastbeitrag. Die Ermordung des US-amerikanischen Influencers Charlie Kirk polarisiert. Theologen orten eine gefährliche Vermischung von Religion und Politik.
Am 10. September dieses Jahres wurde der politisch weit rechts stehende US-amerikanische Aktivist Charlie Kirk während einer öffentlichen Debatte mit Studierenden an einer Universität im Bundesstaat Utah erschossen. Kirk war ein christlicher Nationalist und Fundamentalist, ein polarisierender Podcaster und ein enger Vertrauter Donald Trumps.
Das verabscheuenswürdige Attentat auf Kirk ist eine der jüngsten Episoden einer Geschichte von Gewalt, die die Vereinigten Staaten von Beginn an prägte. Auch den „Mormonenstaat“ Utah. Am 11. September 1857 schlachtete ein Heer von mormonischen Milizsoldaten im Süden Utahs über hundert Angehörige eines Trecks ab, die sich auf dem Weg von Arkansas nach Kalifornien befanden. Der damalige Anführer und Prophet der Mormonen („Heilige der Letzten Tage“), Brigham Young, spielte dabei eine unrühmliche Rolle.
Kirche und Staat. Brigham Young und Charlie Kirk hatten vieles gemeinsam. Beide plädierten für eine Deckungsgleichheit von Kirche und Staat (Theokratie). „Es gibt keine Trennung von Kirche und Staat“, verkündete Kirk, „das ist eine Lügengeschichte …, eine Erfindung säkularer Humanisten.“ Beide, Young wie Kirk, betrachteten Menschen mit schwarzer Hautfarbe als minderwertig und Frauen als Dienerinnen ihrer Herren. (Young herrschte übrigens über mehr als zwanzig Ehefrauen.)
Charlie Kirk verspritzte sein Gift nicht nur gegen säkulare Humanisten und emanzipierte Frauen, Afroamerikaner und Migranten, sondern auch gegen Juden und Muslime, Homo- und Transsexuelle, Universitätslehrer und Waffengegner, Papst Franziskus und Martin Luther King. Den vor kurzem verstorbenen Papst etikettierte er als „Marxist“, der eine korrupte Lehre vertrete, den 1968 ermordeten Friedensnobelpreisträger bezeichnete er als „scheußlich“ und die gesetzliche Aufhebung der Rassendiskriminierung als „schweren Fehler“.
Gigantomanische Trauerfeier. Donald Trump und seine MAGA-Bewegung, darunter viele christliche Nationalisten, haben einen äußerst umstrittenen Volksverhetzer, der sich in seinen öffentlichen Debatten nachweislich manipulativer Diskussionsmethoden bediente, zum nationalen Helden umgefärbt und zu einem Heiligen stilisiert. Das wurde vor allem an der gigantomanisch inszenierten Trauerfeier für Kirk deutlich, an der auch der katholische Bischof Robert Barron aus Minnesota teilnahm. Barron zufolge war Kirk „ein Apostel des zivilisierten Diskurses“. Der New Yorker Kardinal Timothy Dolan nannte Kirk sogar einen „zeitgenössischen heiligen Paulus“.
Wer Absurdes behauptet, tut dem Evangelium keinen Dienst. Man kann den beiden Oberhirten nur empfehlen, sich unverzüglich in ein Trappistenkloster zu begeben und auch ihre Schreibtätigkeit einzustellen.
Kurt Remele
Abrüstung der Worte
Zurzeit werde „verbal kräftig aufgerüstet“, klagte Kardinal Christoph Schönborn anlässlich des Attentats auf Kirk: „Anders die Witwe des Ermordeten, die bei der Trauerfeier von Liebe und Versöhnung sprach.“
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.