Steht der Steffl noch?

Brennender Stephansdom vor 75 Jahren. Trotz großer Armut nahmen so viele am Wiederaufbau teil.
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  • Foto: Foto: Dombauhütte Wien
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Mit dem Stephansdom brannte vor 75 Jahren das Herz von Wien.

Was vor 75 Jahren im Herzen Wiens passierte, trieb vielen entsetzten Bewohnern die Tränen in die Augen: Am 12. April 1945 stürzte die Pummerin, die größte Glocke des Stephansdoms, als Folge eines Dachbrandes in die Turmhalle herab und zerbrach; tags darauf durchschlug eine einbrechende Stützmauer das Gewölbe des südlichen Seitenchors, das in den Dom eindringende Feuer zerstörte Chorgestühl und Chororgel, Kaiseroratorium und Lettnerkreuz. Der Stephansdom bot ein erbarmungswürdiges Bild sinnloser Zerstörung, und das fast am Ende jener Schreckenszeit, in der die Wiener nach jedem Bombenangriff bang fragten: „Steht der Steffl noch?“

Plünderer verursachten den Brand. Zum wichtigsten Zeugen der Geschehnisse zwischen 11. und 13. April wurde Domkurat Lothar Kodeischka (1905 bis 1994), der als Sakristeidirektor von St. Stephan in diesen Tagen praktisch durchgehend vor Ort war.
Als am 11. April 1945 Waffen-SS und Rote Armee einander am Donaukanal gegenüberstanden, war laut Kodeischka die Nachricht aufgetaucht, SS-Einheiten würden einen Gegenstoß über die Augartenbrücke unternehmen. Teile der sowjetischen Artillerie wurden daraufhin vom Stephansplatz abgezogen. Für einige Stunden sei der zentrale Bereich der Innenstadt ohne Besatzung gewesen. Dies nützten Banden von Plünderern, die laut Kodeischka Feuer in den heimgesuchten Geschäften legten. Er könne „bezeugen, dass die ganze Zeit hindurch kein einziger Granattreffer, schon gar nicht eine Brandbombe, den Dom traf – entgegen der sonst oft gehörten Ansicht, die Deutschen hätten den Dom in Brand geschossen“.

Wir werden ihn halt wieder aufbauen müssen. Der Stephansdom schien nach dem verheerenden Brand vom 11. bis 13. April 1945 verloren. Doch das wollten die Wienerinnen und Wiener trotz des Nachkriegselends nicht hinnehmen. Gerade die „kleinen Leute“ trugen entscheidend zum Wunder des Wiederaufbaus bei. Der Umfang der erforderlichen Bauarbeiten warf bald die Frage nach ihrer Finanzierung auf, die in den ersten vier Jahren, so unglaublich es klingt, allein durch freiwillige Spenden der Menschen Wiens, die selber nur das Notwendigste hatten, erst später dann durch den Ertrag der Dombaulotterie, einer Briefmarkenserie sowie der bekannten Dachziegel-Aktion aufgebracht wurde.
Kardinal Theodor Innitzer hatte bereits angesichts des noch glosenden, mit Schutt angefüllten, in Trümmern liegenden Stephansdoms lapidar festgestellt: „Na, wir werden ihn halt wieder aufbauen müssen.“ In nur sieben Jahren gelang dieses Vorhaben in einem heute Staunen erweckenden nationalen Kraftakt.
Der damalige Dompfarrer Karl Dorr begab sich auf „Betteltour“ durch die österreichischen Bundesländer. Den Erfolg schilderte er später mit den Worten: „Nicht ein Land schloss sich aus von dem großen Werk.“ Auch die Bundesregierung trug einen Millionenbetrag bei, großzügige Spenden kamen auch von den Kammern, der Vereinigung österreichischer Industrieller – „und immer wieder von den kleinen Spendern, die im wahrsten Sinn des Wortes Stein auf Stein legten“.

Eindrucksvolles Zeugnis. Am 23. April 1952, am Domweihetag, wurde schließlich der wiederhergestellte Dom feierlich wiedereröffnet – als „ein eindrucksvolles Zeugnis der Liebe der Menschen dieser Stadt zu ihrer Hauptkirche“, wie Kardinal Innitzer freudig feststellte.
aus: kathpress

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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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