Weltkirche
Nicht vergessen
- „Caritas heißt, vor allem dort zu helfen, wo niemand hinschaut“, sagt Thomas Ferk (r.). Der Vizedirektor der steirischen Caritas war mit Auslandshilfe-Länderreferentin Alina Jenšac (l., Vorgestellt) in Bulgarien und besuchte Menschen in Not. Gemeinsam mit der Caritas Sofia unterstützt die Caritas Steiermark in Bulgarien wohnungslose, alte und einsame Menschen und Angehörige aus der Volksgruppe der Roma.
- Foto: Caritas Steiermark/Edler
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Bulgarien. Thomas Ferk, Vizedirektor der Caritas Steiermark, besuchte Hilfsprojekte im materiell ärmsten Land in der EU.
Was ich in Bulgarien gesehen habe, hat mich tief bewegt. Es sind nicht die großen Gesten, die hier zählen – sondern die kleinen, stillen, oft übersehenen Geschichten von Menschen, deren Alltag von Entbehrung geprägt ist und die ohne Hilfe kaum eine Chance auf ein besseres, ein menschenwürdigeres Leben und auf eine gute Zukunft haben. Genau dort muss Caritas präsent sein“, sagt Thomas Ferk. Seit wenigen Tagen ist er zurück aus Bulgarien, dem ärmsten Land in der EU.
Not wenden. Nur eineinhalb Flugstunden von Wien entfernt, und doch wirkt der Alltag in manchen Regionen wie aus einer anderen Zeit. Besonders dort, wo Menschen ohnehin wenig gesehen werden, am Rande der Gesellschaft. Die Caritas der Diözese Graz-Seckau ist seit 2004 in Bulgarien aktiv. Weil Solidarität und Hilfe in vielen Bereichen dringend gebraucht werden: in großen Roma-Siedlungen, in abgelegenen Dörfern, bei Kindern, die ohne Perspektive aufwachsen und bei alten, vereinsamten Menschen.
In Sofia, im Viertel Fakulteta, wo etwa 45.000 Menschen der Volksgruppe der Roma leben, liegt die Kindertagesstätte „Ready for School“. Hier erhalten Kinder täglich Bildung, Betreuung und eine warme Mahlzeit. Ein Rundgang durch das Viertel, in das die Müllabfuhr nur sporadisch kommt, zeigt, wie wichtig dieses Angebot ist. Fließendes Wasser – das gerade bei unserem Besuch schon seit Stunden abgeschaltet ist –, saubere und beheizte Räume, und vor allem ein kindgerechtes Umfeld sind hier rar. Die Tagesstätte schafft ein Lernumfeld und Stabilität, stärkt den Selbstwert und öffnet Türen zur Schule. Besonders Mädchen und junge Frauen stehen im Fokus der Förderung. Der Ort bietet neben Schutz und Bildung auch bessere Chancen, die Schule abzuschließen, eine Ausbildung zu machen und über das eigene Leben zu entscheiden – anstatt früh verheiratet oder ungeplant Mutter zu werden. Gezielte Förderung – nicht aus Mitleid, sondern aus Respekt vor dem Potenzial und der Würde jeder Person.
Würde schenken. Einige Stunden Autofahrt entfernt liegt im Süden, nahe an der griechischen Grenze, abgelegen ein Dorf. Die Abwanderung aus der Region ist hoch. Die etwa 60 Menschen, die hier leben, sind alle älter als 60 Jahre. Jünger sind nur die Bürgermeisterin und Caritas-Mitarbeiterin Kristina (Bild unten, Mitte). Mit geringen Mitteln wurde hier ein Tageszentrum geschaffen, das „Leben“ in das Dorf bringt. Menschen, die nicht mobil sind, werden täglich besucht, erhalten medizinische Versorgung und warme Mahlzeiten. Gemeinsam zu essen bedeutet für sie mehr als einmal am Tag Kontakt zu anderen zu haben. Es ist ein Moment der Würde und Gemeinschaft – und der stillen Hoffnung, nicht vergessen zu sein.
Susanne Edler
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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