Friedensnobelpreisträger
Letzte Chance

Die Pandemie sei zwar eine Tragödie, aber womöglich die letzte Gelegenheit für eine Umkehr angesichts von Klimawandel und sozialer Ungerechtigkeit, meint der Ökonom und Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus beim Rimini-Treffen.
  • Die Pandemie sei zwar eine Tragödie, aber womöglich die letzte Gelegenheit für eine Umkehr angesichts von Klimawandel und sozialer Ungerechtigkeit, meint der Ökonom und Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus beim Rimini-Treffen.
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Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus: An Bord eines Hochgeschwindigkeitszuges.

Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus sieht die Corona-Krise als Chance zur Schaffung einer besseren Welt. „Ich will nicht in die Welt zurückkehren, in der ich vorher war“, sagte der 80-jährige Ökonom am 23. August zum Abschluss der 41. Auflage des Katholikentreffens im italienischen Rimini. Die Pandemie sei zwar eine Tragödie, aber womöglich die letzte Gelegenheit für eine Umkehr angesichts von Klimawandel, sozialer Ungerechtigkeit und anderen Problemen. „Wir waren an Bord eines Hochgeschwindigkeitszuges, der auf eine Katastrophe zusteuerte. Wir waren nur noch wenige Jahre von dem Punkt entfernt, an dem keine Rückkehr mehr möglich ist“, betonte Yunus. Nun aber gebe es die Chance, aus diesem Zug auszusteigen. „Entweder gehen wir dem Tod entgegen oder wir bauen eine Welt für das Leben.“

Die Regierungen seien dabei zwar wichtig, aber es sei jeder Einzelne gefragt, bekräftigte der aus Bangladesch stammende Wirtschaftsexperte. Er rief auf, das Konsumverhal­ten zu ändern, etwa kein Plastik mehr zu nutzen oder weniger Fleisch zu essen. Zudem seien die Unternehmen angehalten, auf Strom aus erneuerbaren Energien umzusteigen.

Europa werde bei diesem Wandel eine führende Rolle einnehmen, so Muhammad Yunus. Es müsse dafür sorgen, dass ein wirksamer Corona-Impfstoff als globales Gemeingut allen Ländern zur Verfügung gestellt werde. Öffentliche Gelder dürften nicht dazu dienen, „in eine Welt von früher“ zurückzukehren.

Der aus Bangladesch stammende Yunus war Gründer und bis 2011 Geschäftsführer der Grameen Bank für Kleinkredite und damit einer der Erfinder des Mikrokredit-Gedankens. Von 2012 bis 2018 war er Kanzler der staatlichen Glasgow Caledonian University in Schottland.

Das jährliche mehrtägige „Meeting Rimini“ ging am 23. August in der Adriastadt zu Ende. Zentrales Thema des von katholischen Laien organisierten Treffens sind die Herausforderungen und Chancen der Corona-Krise. Wegen der Pandemie fanden die meisten Programmpunkte virtuell statt.
Der ehemalige Chef der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, forderte in seiner Rede, die jungen Menschen in den Mittelpunkt aller Überlegungen zu stellen: „Für die Jugend muss mehr getan werden.“ Die aktuellen Hilfszahlungen aus europäischen Ländern, darunter nicht zuletzt Deutschland, dienten „dem Überleben, dem Neustart“, betonte der Wirtschaftsexperte. Aber wenn dieses Geld ausgehe, drohten massive Probleme. „Die durch die Pandemie entstandenen Schulden sind beispiellos und müssen vor allem von den Jungen zurückgezahlt werden“, sagte Draghi. „Es ist unsere Pflicht, dafür zu sorgen, dass sie über alle notwendigen Instrumente verfügen, um dies zu tun.“ Denn einen jungen Menschen seiner Zukunft zu berauben sei „eine der schwerwiegendsten Formen der Ungleichheit“.

Die Veranstalter zogen ein positives Fazit des Treffens: Die Konferenz habe gezeigt, dass es möglich sei, die Herausforderungen der Pandemie zu bewältigen. Von besonderer Bedeutung sei dabei das Engagement der jüngeren Generationen, hieß es im Schlusskommunique.

Kathpress

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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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