Helfen in guter Qualität

Studierende der FH Joanneum präsentierten Ergebnisse ihrer Studien: 90 Prozent der Obdachlosen leiden unter einer psychischen Belastung. | Foto: Neuhold
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30 Jahre Arche 38. Jubiläumsfeier und Zukunftswünsche.

Es war eines dieser Jubliäen, bei denen sich die Frage stellt, warum man denn feiern soll. Feiern, dass es die Männernotschlafstelle Arche 38 der Caritas Steiermark schon seit drei Jahrzehnten gibt und weiterhin geben muss? Dass dort mehr als 13.000 Nächtigungen pro Jahr gezählt werden? Obdachlosigkeit feiern? „Wir feiern, dass es vielen Menschen gelungen ist, durch die Hilfe der Arche wieder in ein gesichertes Wohnverhältnis und ein geregeltes Leben zurückzufinden“, gab Caritasdirektorin Nora Tödtling-Musenbichler bei der Jubiläums-Charity am 19. Jänner im ppc (ProjektPopCulture) in Graz die Richtung vor und dankte den Mitarbeitenden für ihren Einsatz: „Ihrem Engagement ist es zu verdanken, dass wir nicht nur helfen können, sondern in guter Qualität helfen können.“

Um Standortbestimmung ging es, als Studierende der „FH Joanneum – Soziale Arbeit“ Befunde und Einsichten präsentierten, die sie für Studien in Kooperation mit der Arche 38 gewonnen hatten. Eines der zentralen Ergebnisse: Es fehlen die Möglichkeiten, auf die individuelle psychosoziale Situation der Klienten einzugehen. Gesundheit, gerade psychische Gesundheit, wurde auch in einer deutschen Studie als Schlüsselfaktor in der Obdachlosenhilfe erkannt: 90 Prozent der Menschen, die ohne Dach über dem Kopf leben, haben eine psychische Belastung. Diese ist in 76 Prozent der Fälle akut behandlungsbedürftig. Doch bei einem Großteil der Betroffenen fehlt das Bewusstsein dafür, krank zu sein – damit auch die Erkenntnis, dass entsprechende Behandlung einen Weg aus der Obdachlosigkeit bereiten könnte.

„Der Obdachlose und der Arzt müssen erst einmal zueinander finden“, hielt Günter Klug fest. Der Psychiater und Leiter der Gesellschaft zur Förderung seelischer Gesundheit (GSFG) forderte einen Ausbau von niederschwelligen psychosozialen Angeboten für gefährdete Menschen.

Prävention nannte auch Kurt Senekovic, Gründer des Vereins Achterbahn, als einen wichtigen Hebel: „Peer-Arbeit, also dass Betroffene selbst Aufklärung leisten, kann dazu führen, dass Menschen ihre Gefährdung erkennen und den Anstoß bekommen, sich behandeln zu lassen.“

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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