Weltkirche
Geld ist nicht gleich Geld
- In Rom wurde am 23. und 24. April bei einem Fachsymposium über eine ethische Vermögensverwaltung der römisch-katholischen Kirche beraten. Aus Graz waren der Ökonom Martin Halmer sowie der designierte Direktor der Diözese, Lukas Grangl, mit dabei.
- Foto: Grangl
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Glaubwürdig wirtschaften. Der verantwortungsvolle Umgang mit kirchlichem Vermögen stand im Mittelpunkt einer Fachtagung.
Kirchliches Vermögen ist kein Selbstzweck.“ Um diese Aussage herum wurde das IV. Symposium zur Vermögensverwaltung in der römisch-katholischen Kirche in Rom abgehalten. Veranstaltet von der Diözese Innsbruck und der Universität Innsbruck, kamen am 23. und 24. April Fachleute aus verschiedenen Bereichen zusammen, um sich über den verantwortungsvollen Umgang mit kirchlichem Vermögen auszutauschen. Neben ExpertInnen der Veranlagungspraxis oder des Kirchenrechts aus mehreren Diözesen nahmen seitens Graz-Seckau Martin Halmer als Ökonom der Diözese sowie Lukas Grangl als designierter Direktor teil.
Pastoraler Auftrag auch „beim Geld“. In Vorträgen und Diskussionsrunden sei verdeutlicht worden, dass klare Regeln, Nachhaltigkeit und Professionalität unverzichtbare Grundlagen einer zeitgemäßen kirchlichen Vermögensverwaltung sind, so Lukas Grangl. Besonderes Augenmerk richtete die Fachtagung in Rom auf die ethische Dimension von Veranlagungen: Investitionen sollen nicht nur wirtschaftlich sinnvoll, sondern auch mit den Werten des Evangeliums vereinbar sein. Nachhaltigkeit, Verantwortung und Glaubwürdigkeit wurden als leitende Kriterien hervorgehoben. Gerade an kirchlichem Vermögen werde sichtbar, wie sehr wirtschaftliches Handeln der Kirche ihrem pastoralen Auftrag verpflichtet sei.
Lohndumping, Waffen oder Fossile Energie: In all das will die römisch-katholische Kirche Österreichs nicht investieren. Es sind diverse Nachhaltigkeitsfonds im Umlauf, aber die katholische Kirche ist nochmal strenger, weiß Diözesanökonom Martin Halmer. Die für alle kirchlichen Körperschaften Österreichs geltenden Regeln sind in den so genannten „FinAnKo-Richtlinien“ (Finanzanlage als Kooperation) beschrieben. Sie beinhalten auch klare Kriterienkataloge, womit beispielsweise Tesla oder Amazon nicht in Frage kommen. Alle für die Kirche tätigen Banken sind verpflichtet, sich an diese Kriterien zu halten. Diese für Banken praktikable Herangehensweise findet zunehmend weltweit Nachahmer: Die Standards wurden bereits ins Englische und Spanische übersetzt und stehen anderen Bischofskonferenzen zur Verfügung. Zu finden auf: katholisch.at/finanko
Investieren nach dem Evangelium. Kirchliches Vermögen diene weder der Maximierung von Gewinn noch der monetären Bereicherung Einzelner. Vielmehr liege ihm das Ziel zugrunde, die Seelsorge auf wirtschaftlich stabile Beine zu stellen. Außerdem ermöglicht kirchliches Vermögen das Leben in den Pfarren, sichert den Erhalt von Kirchen und kirchlichen Gebäuden und schafft die Grundlage für vielfältige karitative Aufgaben, erklärt Martin Halmer.
Der auf der Fachtagung weit gespannte Bogen von rechtlichen Fragen, über konkrete Herausforderungen verantwortungsvoller Kapitalanlage bis hin zu praxisnahen „Vorzeige“-Beispielen verdeutlicht: Wo Vermögen umsichtig und werteorientiert eingesetzt wird, trägt es dazu bei, das Wirken von Kirche zu stärken und sie als glaubwürdige Partnerin in Gesellschaft und Wirtschaft erfahrbar zu machen, resümiert Lukas Grangl.
Redaktion: A. Steiner
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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