Weltkirche
Frühjahrsputz fällig
- Dieser Blick auf Michelangelos „Jüngstes Gericht“ ist unverstellt. Restaurierungsarbeiten lassen eine Besichtigung der Gemälde in der Sixtinischen Kapelle voraussichtlich erst wieder nach Ostern zu.
- Foto: Wiki/Antoine Taveneaux
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Sixtinische Kapelle. Nach drei Jahrzehnten wird das „Jüngste Gericht“ wieder einer Grundreinigung unterzogen.
Wo viel Licht, da auch viel Schatten, und wo viel Glanz, da auch viel Staub. Letzterer wird in Rom auch aufgewirbelt von Menschen beim Besuch der Vatikanischen Museen.
Nicht weniger als sieben Millionen BesucherInnen durchstreifen jedes Jahr die zwischen 1475 und 1483 erbaute Sixtinische Kapelle (ital. „Cappella Sistina“) und hinterlassen, neben ihrer Begeisterung für Michelangelos „Jüngstes Gericht“, auch Atemluft, Hautpartikel und Haare. Die weltberühmten Fresken werden deshalb einem längst fälligen Frühjahrsputz unterzogen und verschwinden für rund drei Monate hinter einem Gerüst.
Verschmutzte Fresken. Aufgrund des hohen täglichen Besucheraufkommens kontrollieren die Vatikanischen Museen den Zustand der Gemälde in der Sixtinischen Kapelle fortlaufend; angesammelte Ablagerungen werden regelmäßig entfernt. Von den Maßnahmen, die ausschließlich nachts mithilfe von mobilen Arbeitsbühnen vorgenommen werden, war das „Jüngste Gericht“ bisher aber ausgenommen.
Doch inzwischen sind Michelangelos Fresken mit einem weißlichen Schleier bedeckt – verursacht durch Mikropartikel fremder Substanzen, die durch Luftbewegungen transportiert wurden und im Laufe der Zeit die Hell-Dunkel-Kontraste abgeschwächt haben. So erklärt es Paolo Violini, Leiter des Restaurierungslabors für Gemälde und Holzwerkstoffe. Um die vom Künstler beabsichtigte Farb- und Leuchtkraft wiederherzustellen, seien Sondermaßnahmen mit einem feststehenden Gerüst erforderlich.
Zu Ostern kein Besuch möglich. Papst Clemens VII. hatte das „Jüngste Gericht“ 1533 bei Michelangelo Buonarroti (1475-1564) für die Westwand der Cappella Sixtina in Auftrag gegeben. Michelangelo begann damit aber erst im Sommer 1536 unter Papst Paul III., der den Künstler zum leitenden Architekten, Bildhauer und Maler ernannte. Vollendet wurde das immense Werk im Herbst 1541. Das Gemälde, das Christus als Weltrichter auf eisblauem Hintergrund zeigt, umgeben von „Verdammten“ und „Gerechten“, ist auch berühmt als Kulisse der Papstwahl.
Erstmals seit 1994 erhält das Meisterwerk in der Sixtinischen Kapelle damit eine Grundreinigung, wie die Vatikanischen Museen am 2. Februar mitteilten. Die Kapelle selbst bleibt für BesucherInnen geöffnet. Die RestaurateurInnen arbeiten hinter einer Plane, die eine Abbildung des Werkes zeigt. Die Arbeiten dürften zumindest bis Ende April dauern. Damit wird die etwa 180 Quadratmeter große Sehenswürdigkeit mit ihren 391 Figuren nicht für Osterurlauber zu besichtigen sein.
Anna Maria Steiner
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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