Kirche Steiermark
Die Welt verzaubern
- Viele Puzzlesteine des Lebens fügte Arnold Mettnitzer bei seinem Vortrag im Grazer Minoritensaal zu einem verzaubernden Bild zusammen, indem er die Tugenden des Kindseins als Quellen eines glückenden Lebens freilegte.
- Foto: Vechlev
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Arnold Mettnitzer gab eine Liebeserklärung an das Kindsein.
„Nie ist ein Mensch so da, wie wenn er ganz weg ist.“ Mit Zitaten wie diesem Ausspruch des Religionsphilosophen Jörg Splett würzte Arnold Mettnitzer seinen Vortrag über „Die Verzauberung der Welt. Eine Liebeserklärung an das Kindsein“. Im Großen Minoritensaal in Graz sprach er auf Einladung des Bildungsforums bei den Minoriten, dessen Leiterin Kathrin Karloff den Abend moderierte, und des Lesezentrums Steiermark als unterstützendem Kooperationspartner. Dabei gab der Theologe und Psychotherapeut erstmals Ausblicke auf sein neues Buch, das im Juni 2026 erscheinen soll, und knüpfte damit an sein jüngstes Werk „Die Veredelung der Zeit. Eine Liebeserklärung ans Älterwerden“ an.
Das Leben sei zauberhaft, sagte Mettnitzer, „aber nur, wenn wir dem Kindsein bis ins hohe Alter eine Chance geben“. Das Älterwerden könne nur gelingen, wenn wir dem Kind in uns Raum geben. „Wir vergessen unsere ersten Jahre nicht“ – auch wenn wir uns nicht bewusst an sie erinnern könnten. Und wir kämen auch nie aus unserem Kindsein heraus, sondern würden das meistens bloß spielen. In Situationen des Kontrollverlustes, wenn das Unbewusste hervortritt, komme auch das Kind wieder zum Vorschein.
Deshalb ist es Arnold Mettnitzer wichtig, „über das Kind in uns zu reden“. Er unterschied zwischen der Kindheit, die „ein schreckliches Reich“ sein könne, und dem Kindsein, das er als „Schatz eines unermesslichen Potenzials an Möglichkeiten“ bezeichnete. Gerade in Augenblicken höchster Freude oder tiefsten Leides werde das Gesicht eines Menschen kindlich. Und die wirklich schönen, gelungenen Momente des Lebens seien die, die uns einfach geschenkt sind, ohne dass wir wüssten, warum. Kindsein, das bedeute, offen und dankbar zu sein, wirklich und echt zu sein, staunen zu können: „In die Landschaft der freien Fantasie locken uns die Kinder.“ Gedanken seien wirkende Mächte. Und die Fantasie – so zitierte er Dorothee Sölle – „ist die Mutter der Tugenden von morgen“.
Daher hält Mettnitzer das Kindsein als „einzige Garantie zum Lebendig-Sein“. Und empfahl: „Wer in das Magnetfeld einer Verzauberung hineingerät, braucht sich nicht zu genieren.“ Wer wirklich ist, könne nie hässlich sein – außer in den Augen derer, die keine Ahnung haben.
Dem Vortragsabend, der mit Signierstunde und Agape noch lange zum Verweilen und zum offenem Austausch einlud, folgte am nächsten Tag das Intensivseminar „Was uns Halt gibt“ mit dem begeisternden Vortragenden.
Alfred Jokesch
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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