Einsamkeit
Mehr Miteinander

Rund 1,8 Millionen Menschen in Österreich gaben an, sich in der Vorweihnachtszeit 2025 zumindest gelegentlich einsam gefühlt zu haben. Schon 10 Minuten Kontakt täglich können das Wohlbefinden verbessern. | Foto: A. Piacquadio/Pexels
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  • Rund 1,8 Millionen Menschen in Österreich gaben an, sich in der Vorweihnachtszeit 2025 zumindest gelegentlich einsam gefühlt zu haben. Schon 10 Minuten Kontakt täglich können das Wohlbefinden verbessern.
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Wenn der Alltag stiller wird, wächst Einsamkeit. Aktuelle Zahlen zeigen, wie viele betroffen sind. Ein Projekt möchte helfen.

Einsamkeit bleibt in Österreich ein ernstes und oft unterschätztes Problem. Eine aktuelle, österreichweit repräsentative Studie im Auftrag der Caritas Wien zeigt, dass mehr als 700.000 Menschen sich sehr häufig einsam fühlen und jede vierte Person sich mehr sozialen Austausch wünscht. Besonders ältere Menschen sind betroffen – nicht nur, weil soziale Kontakte im Alter seltener werden, sondern auch, weil Einsamkeit nach wie vor ein Tabu ist. 61 Prozent der Befragten geben an, dass man nur ungern darüber spricht.

Längst klar ist, wie belastend Einsamkeit sein kann: Sie erhöht das Risiko für chronischen Stress, Herz‑Kreislauf‑Erkrankungen, Depressionen, Demenz und sogar vorzeitigen Tod – stärker als Rauchen oder Alkohol. Gleichzeitig zeigt die Studie, dass soziale Teilhabe und freiwilliges Engagement wirksam gegen Einsamkeit helfen. Mehr als die Hälfte der Befragten berichtet, dass ehrenamtliche Betätigung das Gefühl von Isolation verringert.
Gerade deshalb braucht es Projekte, die früh ansetzen, Nähe schaffen und Menschen zusammenbringen.

Fast die Hälfte der über 80-Jährigen in Österreich wünscht sich mehr soziale Gesellschaft. | Foto: Jasper de Vreede/Pexels
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VIVA – Vernetzt. Integriert. Vital im Alter ist ein neues Projekt in der Region Obersteiermark Ost – mit dem Ziel, Einsamkeit im Alter vorzubeugen. Besonders durch Verwitwung, plötzliche Pflegebedürftigkeit oder den Verlust sozialer Kontakte geraten viele ältere Menschen in Isolation.
Von 2026 bis 2028 entstehen in den vier „Gesunden Gemeinden“ Eisenerz, Kapfenberg, Leoben und Trofaiach lokale Präventionsnetze gegen Einsamkeit. Dazu gehören eine digitale Plattform mit Angeboten und Orten der Begegnung, eine eigene
VIVA‑App sowie „Stiller Begleiter“, eine digitale Erinnerungsplattform zum Gedenken an Verstorbene mit pastoralen Inhalten und lokalen Dienstleistungen.
Ein zentraler Baustein sind 40 ehrenamtliche „Buddies“, die geschult werden und regelmäßige Hausbesuche machen. Sie schenken Zeit, Aufmerksamkeit und Struktur im Alltag – und helfen dabei, soziale Teilhabe wieder möglich zu machen.
Getragen wird das Projekt von der Diözese Graz‑Seckau und Styria vitalis, gemeinsam mit Kommunen, Pfarren sowie Sozial‑ und Gesundheitseinrichtungen.

Maria Wilbrink

VIVA-Projektteam v. l. n. r.: Monika Brottrager-Jury, Martina Linzer, Lena Posch (alle Diözese), Petra Traußnig (Styria vitalis), Sarah Wack (Diözese) und Ines Jungwirth (Styria vitalis). | Foto: Neuhold
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Im Gespräch

Einsamkeit verstehen
Ines Jungwirth kennt das Thema Einsamkeit aus eigener Erfahrung. Als sie 2008 nach Graz zog und bei Styria vitalis zu arbeiten begann, erlebte sie selbst länger anhaltende Einsamkeitsgefühle – und spürte, wie sehr das die Lebensqualität und Gesundheit beeinträchtigen kann. Heute ist ihr wichtig, Einsamkeit aus der Tabuzone zu holen und als Gesellschaft hinzuschauen. Als Gesundheitsförderungs-Expertin weiß sie, dass Einsamkeit krank machen kann. Besonders im Alter steige das Risiko deutlich: Der Verlust eines Partners, Erkrankungen, Pflegeaufgaben oder eingeschränkte Mobilität treffen viele. Fehlt in solchen Phasen großer Lebensübergänge Unterstützung aus Familie, Nachbarschaft oder Gemeinschaft, kann soziale Isolation entstehen.Frühe Anzeichen dafür erkenne man oft an Sätzen wie „Niemand hat heute mehr Zeit“ oder „Ich bin für nix mehr zu gebrauchen“. Auch Rückzug, Misstrauen, Traurigkeit oder veränderte Lebensumstände im Umfeld können Hinweise sein. Dann brauche es vor allem ein offenes Gespräch – und jemanden, der die Hand reicht.

Angehörige, NachbarInnen oder FreundInnen können ermutigen, über Gefühle zu sprechen, Interessen wiederzuentdecken oder unverbindlich an einem Treffen teilzunehmen. Auch kleine Gesten wie ein freundlicher Gruß oder ein kurzes Gespräch können viel bewirken. Menschen, die selbst Einsamkeit erleben, hilft oft eine klare Tagesstruktur, Bewegung in der Natur oder der erste Schritt hinaus zu einer Veranstaltung. Und, so Jungwirth, auch das offene Gespräch über die eigenen Gefühle.

Projekte wie VIVA – ein neues Präventions‑ und Gesundheitsförderungsprojekt gegen Einsamkeit im Alter – sind für sie deshalb wirksam, weil sie ein Netz schaffen, das auffängt. Damit Menschen, die allein leben, nicht zwingend auch einsam sind. Dafür arbeiten bei VIVA Gemeinden, Pfarren und soziale Einrichtungen zusammen – damit Einsamkeit nicht unbemerkt bleibt und im Stillen wächst.

Einladung zum Nachbarschafts-Frühstück

Weil die wichtigste Mahlzeit des Tages gemeinsam noch besser schmeckt, lädt VIVA zum gemeinsamen Frühstück ein. Die Treffen bieten Raum für Gespräche und schaffen Möglichkeiten, Angebote und Unterstützung in der eigenen Gemeinde kennenzulernen.

Trofaiach:
21. April, 9 bis 12 Uhr,
Vorplatz des Kindergarten Regenbogen, Bergmanngasse. 
Leoben: 5. Mai, 9 bis 12 Uhr,
Bauernmarkt und Josefinum. 

Besuchsdienst-
Ausbildung

Im Juni lädt das Projekt VIVA zu drei Informationsabenden zur Besuchsdienst-ausbildung – eine Gelegenheit, sich unverbindlich zu informieren und Fragen direkt vor Ort zu klären:

Kapfenberg: 15. Juni, 17 bis 18:30 Uhr, ISGS-Drehscheibe, Grazer Straße 3.
Trofaiach: 16. Juni, 16 bis 17:30 Uhr, SEELsorgeRAUM, Kirchplatz 2.
Leoben: 17. Juni, 17 bis 18:30 Uhr,
Begegnungszentrum Lerchenfeld TOP 1, Europaplatz 1.

Kontaktperson:
Monika Brottrager-Jury, MSc
Tel. 0676/ 8742 6859
monika.brottrager-jury@graz-seckau.at

Einige Fakten über Einsamkeit

▶ Frauen sind häufiger von Einsamkeit betroffen als Männer.

▶ Unter Alleinlebenden fühlen sich 19 % immer oder meistens einsam.

▶ Zwei Drittel der Befragten gaben an, dass ein gutes Telefonat sofort gegen Einsamkeit hilft.

▶ Schon 10 Minuten Kontakt täglich können das Wohlbefinden verbessern.

Quellen: Statistik Austria (2025),
Caritas Wien / FORESIGHT‑Studie (2025)

Rund 1,8 Millionen Menschen in Österreich gaben an, sich in der Vorweihnachtszeit 2025 zumindest gelegentlich einsam gefühlt zu haben. Schon 10 Minuten Kontakt täglich können das Wohlbefinden verbessern. | Foto: A. Piacquadio/Pexels
Ines Jungwirth arbeitet bei Styria vitalis daran, Gemeinden und ihre BewohnerInnen gesünder und sozialer zu machen. | Foto: Neuhold
VIVA-Projektteam v. l. n. r.: Monika Brottrager-Jury, Martina Linzer, Lena Posch (alle Diözese), Petra Traußnig (Styria vitalis), Sarah Wack (Diözese) und Ines Jungwirth (Styria vitalis). | Foto: Neuhold
Fast die Hälfte der über 80-Jährigen in Österreich wünscht sich mehr soziale Gesellschaft. | Foto: Jasper de Vreede/Pexels
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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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