23. Sonntag: Pfarrer i. R. Herbert Schlosser
Was ist in meinem Leben wichtig?

Jesus geht nach Jerusalem. Es war für ihn keine Autobahn – und steil bergan geht es von allen Seiten. Es geht auf diesem Weg um den Ernstfall der Liebe: die Entscheidung für Jesus, die Annahme des Kreuzes. | Foto: Leopold Schlager
  • Jesus geht nach Jerusalem. Es war für ihn keine Autobahn – und steil bergan geht es von allen Seiten. Es geht auf diesem Weg um den Ernstfall der Liebe: die Entscheidung für Jesus, die Annahme des Kreuzes.
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Jesus ist unterwegs nach Jerusalem. Noch laufen ihm viele nach – sie haben von ihm gehört, haben ihn gesucht, haben ihn erlebt: Sie haben erfahren, dass er Macht hat über das Böse, über Krankheiten, selbst über den Tod. Noch laufen ihm viele nach, aber es hat sich bereits etwas geändert: die anfängliche Bereitschaft der Menge hat sich gewandelt, Vorwürfe werden laut, er stehe mit dem Teufel im Bund; Forderungen werden erhoben, er solle endlich ein eindeutiges Zeichen setzen, das Klarheit über ihn schafft. Jesus sieht sein Scheitern unweigerlich auf ihn zukommen und beginnt von seinem Sterben zu reden; er versucht seine Jünger darauf vorzubereiten. Und unermüdlich spricht Jesus von Gott als Vater. Er erklärt, was Gottes Wille für unser Heil ist und fordert Entschiedenheit von denen, die ihm nachfolgen wollen.

Sich entscheiden, darum geht es! Nicht einfach mit der Masse mitlaufen, nicht nur über die Kirche am Stammtisch diskutieren, nicht immer nur Beweise für Gott fordern, sondern, sich erinnern an das, was Jesus gesagt hat: nämlich, dass sein Leben, wie er es gelebt hat, ein Dasein für andere war und dass seine unerschütterliche Treue Gott gegenüber auch unser Lebensweg sein soll!

Nicht darum geht es, Eltern, Geschwister und sich selbst zu hassen – das wäre doch gegen die sonstige Predigt von Jesus; nein, alles soll hingerichtet werden auf Gott. Wir dürfen unser Christsein selbst dann nicht aufgeben, wenn es Vater oder Mutter oder sonst jemand nicht passen sollte, dass wir gläubige Chris­ten sind. Die Liebe zu Gott und den Menschen darf auch dort nicht aufhören, wenn wir anfangen zu zweifeln, weil wir uns mit­unter bitter enttäuscht fühlten. Lieber mit Jesus das Kreuz tragen als ohne ihn leben; lieber alles hergeben als Gott verlieren.
Auch nichts Halbes tun! Nicht große Worte machen und dabei die Hände in den Schoß legen. Nicht großen Träumen und Utopien nachjagen und dabei auf das Notwendige vergessen. Die Welt müssen wir nüchtern sehen mit ihrer Not und ihrer Verführungskunst, aber auch mit ihrem Guten und Schönen. Und dann müssen wir handeln als Christen, auch wenn es manchmal unbequem, unmodern oder ungelegen scheint.

Unser Christsein in die Tat umsetzen

Was uns also Jesus in der Evangelienstelle dieses Sonntags sagen will, ist: Entscheidet euch endlich für Gott und seine Sache! Nichts darf euch wichtiger sein als er. Und tut nichts Halbes als Christen!

Ja, jeder von uns müsste sich entscheiden. Wir sollten nicht nur hinter Jesus blind herlaufen, zwar interessiert an ihm, aber zu wenig konsequent im konkreten Leben. Wir müssten unser Christsein viel mehr in die Tat umsetzen. Wir müssten viel mehr versuchen, das Leben von Jesus, seine Treue, seine Ver­gebungsbereitschaft, seine Hilfsbereitschaft, sein Eintreten für Gerechtigkeit, sein Dasein für Gottes Willen in unserem Alltag Wirklichkeit werden zu lassen.

Gott müsste für jeden von uns Nummer eins sein. Es dürfte für uns eigentlich keinen anderen Maßstab geben als den Maßstab von Jesus, auch dann nicht, wenn die Lüge einfacher erscheint als die Wahrheit, das „Alles haben müssen“ angenehmer als der Verzicht auf manches im Sinn einer heilen Welt, und kühle Berechnung einträglicher als Ehrlichkeit!

Wir müssten auch versuchen, unsere Halbheiten besser in den Griff zu bekommen. Wir müssten uns mehr auf Gott verlassen und uns nicht erst dann an ihn wenden, wenn wir schon alles andere erfolglos probiert hätten. Wir müssten die Freundschaft mit Gott mehr pflegen in einem ehrlichen Beten; wir müssten uns mehr von seinem Geist ergreifen lassen und damit erfahren, wie sehr er uns mitreißen kann.

Es geht darum, ernst zu machen mit unserem Leben als Christen. Es würde dann sichtbarer und glaubwürdiger sein. Ein Lebensweg, der sich auch heute zu gehen lohnt, würde erkennbar. Freilich, ein Sonntagsspaziergang wäre er nicht. Wir müssten dabei auch manches Kreuz tragen, denn ohne Kreuz gibt es keinen Lebensweg. Nur wäre dieser Lebensweg sinnstiftend für uns und nützlich für viele andere durch uns!

Autor:

Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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