3. Adventsonntag: Bischof Alois Schwarz
Über die Kunst des Loslassens
- Loslassen: Statue eines Mädchens, das einen Vogel frei lässt.
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Der dritte Sonntag auf unserem Weg durch den Advent lässt uns innehalten und durchatmen. Sonntag der Freude: Gaudete! Dieser Sonntag ermutigt und motiviert uns, dranzubleiben. Wir werden daran erinnert, wofür sich dieser unser gewählter Weg lohnt, nämlich Gott im Kind von Betlehem schauen zu können. Der Weg kann schon manchmal anstrengend geworden sein und Ermüdung tritt ein. Der Prophet Jesaja motiviert in der ersten Lesung dazu: „Stärkt die schlaffen Hände und festigt die wankenden Knie! Sagt den Verzagten: Seid stark, fürchtet euch nicht!“ (Jes 35,3-4)
Was immer auch unser Herz ermüden lässt und weswegen wir handlungs- bzw. gehunfähig zu werden drohen, stärken wir uns im Gebet, in der Feier der heiligen Messe und leben wir aus der Freude über das Ziel, das wir gewählt haben. Zu merken, dass die Kräfte langsam schwinden und wir deshalb kraftlos werden, lässt uns dann verzagen und nicht selten ist das verbunden mit einer Angst, die unser Tun und letztlich unser Herz lähmt. Genau dahinein hören wir die hoffnungsfrohe Botschaft: „… fürchtet euch nicht!“
Mut und Geduld
Freilich, sich darauf einzulassen und es auszuhalten, wenn nicht gleich eine Veränderung, eine sichtbare und spürbare Verbesserung eintritt, das braucht Mut und vor allem Geduld. Die Geduld, von der Jakobus in der zweiten Lesung schreibt, vergleicht er mit dem Wachsen der Saat: „Ebenso geduldig sollt auch ihr sein; macht eure Herzen stark, denn die Ankunft des Herrn steht nahe bevor.“ (Jak 5,8) Auch Jakobus fordert uns auf, unser Herz stark zu machen, um den zu schauen, der das Ziel unseres Weges ist, GOTT.
Die Stärkung unseres Herzens kann nicht mit herzstärkenden Mitteln für unseren Körper herbeigeführt werden. Das herzstärkende Mittel unserer Seele liegt im nächsten Satz der zweiten Lesung des Jakobusbriefes: „Klagt nicht übereinander, Brüder und Schwestern, damit ihr nicht gerichtet werdet! Seht, der Richter steht schon vor der Tür.“ (Jak 5,9) Es gibt so viel Unheil und Ungerechtigkeit in unserer Welt, in den Familien, im beruflichen Alltag oder wo immer wir unser Leben gestalten. Die hoffnungsfrohe Botschaft vom heutigen Sonntag heißt: Wir Menschen müssen uns nicht darin verbeißen, dieses Unrecht aufklären zu müssen. Oft sind die Verstrickungen in das Böse so verworren, dass sich nicht alles mit einem bloßen Satz der Entschuldigung lösen lässt. Da braucht es Geduld und das Vertrauen, dass es einst Gott sein wird, der das Unrecht richten wird. Allzu schnell sind wir verleitet, über den Mitmenschen zu klagen, ihn anzuklagen, ohne dabei zu bedenken, wie viel wir selbst oft auch anderen zur Herausforderung werden.
Es erfordert eine ungeheure Stärke des Herzens, die jedoch belohnt wird mit einer tiefen inneren Freude.
Wenn wir also in der zweiten Lesung am Gaudete-Sonntag aufgefordert werden, stark in der Geduld zu werden, so soll uns dies entlasten und unser Herz frei werden lassen auf dem Weg zu Gott. Wer das in Ansätzen schon einmal erlebt hat, der kennt auch das Gefühl der Freude und Gelassenheit dabei.
Es ist in der Tat eine der schwierigsten und herausforderndsten Anforderungen, die unserem Herz gestellt werden. Dadurch jedoch erlangen wir innere Stärke und eine unendlich große Weite und Freiheit auf Gott hin, so wie Jesus dann im Evangelium über Johannes sagt: „Dieser ist es, von dem geschrieben steht: Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her, der deinen Weg vor dir bahnen wird.“ (Mt 11,10) Wenn wir die Herausforderung des Klagens und Beklagens loslassen, uns also freimachen von allem uns geschehenen Unrecht, dann werden wir zu Botinnen und Boten auf dem Weg zum Kind in der Krippe. Es erfordert eine ungeheure Stärke des Herzens, die jedoch belohnt wird mit einer tiefen inneren Freude über die Entbindung der Fesseln unseres Herzens.
Geschätzte Leserin, geschätzter Leser, möge für Sie und Ihre Herausforderungen dieses Freuden-Programm unseres Gottes erlebbar werden. Mögen Sie frei werden von der Idee, Dinge ändern zu müssen, die Sie selbst jedoch nicht ändern können in dem großen Vertrauen, dass unser liebender Gott dies im Blick hat und Sie nicht vergessen wird.
Ihr Diözesanbischof Dr. Alois Schwarz
Autor:Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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