4. Sonntag im JK 26: P. Jakob Deibl
"Selig, wer seine Hoffnung auf Gott, den Herrn, setzt"
- „Er setzte sich … und lehrte sie.“ Detail aus dem Fastentuch von Sepp Jahn und Edith Hirsch im Dominikanerinnenkloster Kirchberg am Wechsel.
- Foto: kathbild.at / Franz Josef Rupprecht
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Für die Sonntage sind jeweils vier Schrifttexte vorgesehen: zwei Lesungen (zumeist eine aus dem Alten und eine aus dem Neuen Testament), ein Psalm und eine Perikope aus den Evangelien. Oft gehen die Auslegungen vom Evangelium aus und suchen eine Verbindung zu den Lesungen. Selten spielt dabei der Psalm eine Rolle, inhaltliche Akzente werden kaum aus ihm gewonnen. Wäre es nicht auch einmal interessant, den Zugang zu den Lesungstexten ausgehend vom Psalm zu wählen?
Für den heutigen Sonntag ist ein Abschnitt aus dem 146. Psalm vorgesehen, der mit zwei Seligpreisungen beginnt: „Selig, wer den Gott Jakobs [Israels] als Hilfe hat, wer seine Hoffnung auf JHWH, seinen Gott, setzt.“ Jenes Wort, das in der griechischen Übersetzung des Psalms für „selig“ verwendet wird, greift auch Matthäus in den so genannten Seligpreisungen auf, die wir heute als Evangelium hören. Im Psalm sind es zwölf Attribute, die jenen Gott beschreiben, auf den unsere Hoffnung zu setzen wir eingeladen sind. Zunächst ganz grundlegend: Er erschafft Himmel und Erde und bleibt seinem Bund treu. Dann aber kommen zehn Motive, die in einem engen Zusammenhang mit den Seligpreisungen stehen:
Das demütige und arme Volk ist Gottes Volk, nicht die mächtigen Nationen, die es vermögen, Krieg zu führen.
Dieser Gott wendet sich besonders den Armen zu, für sie ist er Hilfe und Hoffnung. Daran knüpfen die Seligpreisungen an. Sie stellen die in den Mittelpunkt, die in der Logik, die unser Dasein beherrscht, keine Rolle spielen: die arm sind vor Gott, die Trauernden, die Sanftmütigen, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit, die Barmherzigen, die rein sind im Herzen, die Frieden stiften, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt und die um Jesu willen geschmäht werden. Die Seligpreisungen enthalten erstaunliche Worte, die so unvermutet wie einprägsam sind: Der Text stellt eine unglaubliche Herausforderung dar – zur Zeit Jesu und auch heute. Wie können wir ihn so aussprechen, dass er für andere zur Hoffnung wird und nicht in einen blanken Zynismus führt (denn zunächst einmal sind die Armen nicht selig, sondern wird ihnen die Teilhabe am Wohlstand und den Vollzügen der Gesellschaft verweigert)?
Die Gedemütigten sind Subjekt ihrer Geschichte
Jesus zeigt uns einen Gott, der uns zumutet, immer wieder – wenigstens momenthaft – den Blick abzuwenden von dem, was für gewöhnlich all unsere Aufmerksamkeit auf sich zieht, und ihn dem zuzuwenden, was normalerweise im Hintergrund bleibt. Damit steht Jesus ganz in der Tradition der Propheten. In der Lesung aus dem Buch des Propheten Zefanja hören wir heute: „Sucht JHWH, all ihr Gedemütigten im Land, die ihr nach dem Recht JHWHs lebt! Sucht Gerechtigkeit, sucht Demut!“ Diese Sätze zeigen, dass der Prophet als Sprachrohr Gottes – sein Name Zefanja bedeutet „JHWH hat rettend geborgen“ – den Gedemütigten etwas zutraut: „Sucht JHWH, all ihr Gedemütigten im Land …“ Sie bleiben Subjekt ihrer Geschichte oder werden in den Worten des Propheten, der die Botschaft Gottes überbringt, zu Subjekten ihrer Geschichte. Sie werden nicht im Status Unmündiger gehalten.
Blick auf die am Rand stehenden Menschen
Dies müssen wir für die Auslegung der Seligpreisungen beachten. Sie richten sich an Menschen, die in ihrer Situation des Am-Rande-Stehens als Subjekte behandelt werden. Sie werden ernst genommen als Subjekte ihrer Geschichte, sie sind die von Gott angesprochenen Partner beim Aufbau einer Gesellschaft, in der nicht nur der Starke etwas zählt. Sie sind Subjekte einer anderen Geschichte. Das demütige und arme Volk, von dem Zefanja spricht, ist Gottes Volk, nicht die mächtigen Nationen, die es vermögen, Krieg zu führen.
Autor:Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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