5. Sonntag im JK 26: P. Jakob Deibl
"Im Finstern erstrahlt er als Licht den Redlichen"

Eine neue Lebenspraxis bringt Licht: „Dann wird dein Licht hervorbrechen wie das Morgenrot“, heißt es im Buch Jesaja. | Foto: maciek-sulkowski / unsplash.com
  • Eine neue Lebenspraxis bringt Licht: „Dann wird dein Licht hervorbrechen wie das Morgenrot“, heißt es im Buch Jesaja.
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Wie am vergangenen Sonntag möchte ich auch diese Woche in meiner Auslegung der Schriftlesungen von dem für heute vorgesehenen Psalm den Ausgangspunkt nehmen, und zwar von dem wunderbaren Vers: „Im Finstern erstrahlt er als Licht den Redlichen“ (Ps 112,4). Hier wird die Thematik des Lichtes eng mit Gott verbunden: Er erstrahlt den Menschen als Licht in der Finsternis – Licht als Metapher für Gott. Das Lichtmotiv kann uns auf dem Weg durch die Texte des heutigen Sonntags leuchten.

In einer eindrücklichen Formulierung begegnet es uns im heutigen Evangelium: „Ihr seid das Licht der Welt.“ Dies korrespondiert mit dem Psalm: Gott erstrahlt den Menschen als Licht (Psalm), sodass auch sie Licht werden können (Evangelium). Dies scheint mir ein Schlüssel zu den Texten des heutigen Sonntags zu sein.
Beachten wir, dass das heutige Evangelium unmittelbar an das des letzten Sonntags anschließt und dieses gedanklich weiterführt. Wenn wir noch im Ohr haben, wie vorige Woche die Barmherzigen, die Friedenstiftenden, die Am-Rande-Stehenden seliggepriesen wurden, wissen wir auch, wem die Botschaft des heutigen Sonntags gilt: Ihr, die Armen, Barmherzigen und Friedenstiftenden, seid das Licht der Welt. Wir könnten es – mit den Worten meines Lehrers Johann Reikerstorfer – vielleicht auch so sagen: Ihr seid das Subjekt einer neuen Hoffnungsgeschichte.

Das Geheimnis Gottes beginnt im Menschen zu leuchten.

Dass die Barmherzigen, Armen und Friedenstiftenden Licht sind, bedeutet, dass sie leuchten und von ihnen etwas ausgeht. Diese unerwartete und erstaunliche Ankündigung hat nicht die Gestalt glänzender Rede oder gelehrter Weisheit, sie folgt keiner weltlichen Logik. Anknüpfend an die heutige Lesung aus dem ersten Brief an die Gemeinde von Korinth könnten wir diese Botschaft als Geheimnis Gottes ansehen: „Ich kam nicht zu euch, Schwestern und Brüder, um glänzende Reden oder gelehrte Weisheit vorzutragen, sondern um euch das Geheimnis Gottes zu verkünden.“ Die Metapher des Lichtes kommt hier nicht vor. Paulus ist nicht darum bemüht, mit „glänzenden Reden“ seine Worte ins Licht zu stellen, sondern will sich allein am Geheimnis Gottes orientieren, das von selbst in den Menschen zu leuchten beginnen muss.

Die Bibel als poetisches Buch

Mit dem Geheimnis Gottes können wir nicht rechnen und planen (es ist eben nicht gelehrte Weisheit und folgt nicht der üblichen Erfolgslogik), wir können uns jedoch dazu verhalten und aus dem Glauben an dieses Geheimnis anders handeln. Wir können die Botschaft, dass die Barmherzigen, Armen und Friedenstiftenden Licht sind, nicht beweisen, aber wir selbst können uns ändern. Vielleicht gelingt uns, wenn wir an dieses Geheimnis glauben, manchmal etwas von dem, was Jesaja in der heutigen Lesung sagt: „Brich dem Hungrigen dein Brot, nimm obdachlose Arme ins Haus auf, wenn du einen Nackten siehst, bekleide ihn und entziehe dich nicht deiner Verwandtschaft.“ Dann aber kann etwas Erstaunliches geschehen: „Dann wird dein Licht hervorbrechen wie das Morgenrot und deine Heilung wird schnell gedeihen. […] Wenn du Unterjochung aus deiner Mitte entfernst, auf keinen mit dem Finger zeigst und niemandem übel nachredest, den Hungrigen stärkst und den Gebeugten satt machst, dann geht im Dunkel dein Licht auf und deine Finsternis wird hell wie der Mittag.“ Jesaja beschreibt eine neue Lebenspraxis und verbindet sie dreimal mit dem Motiv des Lichtes: „Dann wird dein Licht hervorbrechen wie das Morgenrot“, „dann geht im Dunkel dein Licht auf“ und „deine Finsternis wird hell wie der Mittag“. Wie Jesaja verbindet auch Jesus die neue Lebenspraxis, die er verkörpert, mit der Lichtmetapher: „Ihr seid das Licht der Welt.“

Um ihre hoffnungsvolle Botschaft zum Ausdruck zu bringen, findet die Bibel immer neue sprachliche Bilder. Sie ist auch als poetisches Buch zu lesen.

Autor:

Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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