5. Sonntag der Osterzeit: Bernd Kemmerling (KNA)
Einstimmen in das Lied der Liebe

Christus ist der Spielmann Gottes, der in seinen Worten und Taten, ja sogar mitten im Tod das Lied von der unsterblichen Liebe des Vaters zu uns Menschen angestimmt hat.
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In der Domitilla-Katakombe in Rom findet sich in einer Nische das Bild eines Mannes mit einer Leier im linken Arm. Es ist Orpheus, von dem die griechische Sage erzählt, wie sein geheimnisvoller Gesang die wilden Tiere zusammenführt und selbst Bäume und Steine in Bewegung geraten. Wie kommt diese heidnische Darstellung in eine christliche Begräbnisstätte? Die Kirchenväter sagten: „Unser Christus ist der wundersame Spielmann. Er hat ein neues Lied angestimmt, das uns Menschen bewegt und verwandelt. Die einst tot waren, ohne wirklich Anteil am Leben zu haben, wurden lebendig, als sie seinen Gesang vernahmen.“

Tonangebend im Leben des Christen darf das Vertrauen und braucht nicht die Angst zu sein.

Christus ist der Spielmann Gottes, der nicht nur etwas, sondern das ganze Leben versteht. In seinen Worten und Taten hat er Zeit seines Lebens, ja sogar mitten im Tod, in immer neuen Variationen dieses neue Lied angestimmt, das Lied von der unsterblichen Liebe des Vaters zu uns Menschen. Es stimmt das neue Lied vom Leben an, das Lied von der Auferstehung, das Lied von der Hoffnung, von der Gerechtigkeit und Freiheit, das Lied vom Vertrauen, von der Güte und Großzügigkeit Gottes, das Lied von der Vergebung und der Wertschätzung eines jeden Menschen.

Alle Menschen, die dieses Lied hörten, hat es aufhorchen und aufleben lassen. Es hat ihnen Mut und Kraft gegeben, das Leben neu in die Hand zu nehmen und ganz neu zu beginnen. Denken wir an die Ehebrecherin oder den Zöllner Zachäus, so sehen wir Menschen, die in der Begegnung mit diesem Jesus auf wunderbare Weise wie neu geboren wurden, deren Leben von Grund auf erneuert wurde – verwandelt durch die Erfahrung einer unendlichen Liebe. „Seht, ich mache alles neu!“ – Dieser letzte Satz aus der zweiten Lesung ist für sie mitten im Leben schon Wirklichkeit geworden.

Neuanfang aus Lähmung und Resignation

Diese Verheißung will heute auch für uns und unter uns Wirklichkeit werden, das heißt erfahrbar und spürbar, durch Menschen, die in Gottes Namen in dieses neue Lied von der Liebe und vom Leben einstimmen. Viele von uns singen die Osterlieder besonders gern, weil sie voller Kraft, Bewegung und Leben sind, die unsere Herzen berühren.

Wer in der Kirche wünschte sich in Tagen, in denen uns seit nunmehr vielen Jahren immer wieder erschütternde Berichte über den vielfältigen Missbrauch auch unter dem Dach der Kirche entsetzen und lähmen, nicht genau solch einen Neuanfang, eine tiefgreifende Erneuerung, die das Vergangene schonungslos aufklärt und aufarbeitet und damit den Weg zu einem Neubeginn möglich macht?

Das Evangelium dieses Sonntags ermutigt uns aber auch: Singt nicht nur die neuen Lieder vom Leben und der Liebe aus voller Brust, sondern lebt sie auch. Übertragt sie hinein in euer Leben und in eure Begegnungen mit anderen Menschen. Stimmt ein in das Lied der Liebe, singt es weiter, damit auch heute die Welt durch euch österliche Menschen, die eine neue Schöpfung sind, erneuert werde. Lassen wir unsere Herzen nicht lähmen von so manchen Ängsten, Enttäuschungen, Befürchtungen, Resignationen. Lassen wir vielmehr unsere Herzen vom Lied der Liebe, das unser Spielmann Gottes, Jesus Christus, angestimmt hat, bewegen und befreien. Es lädt ein, uns bestimmen zu lassen von der Hoffnung, vom Vertrauen, von der Liebe, die stärker ist als der Tod.

Das Wort Gottes hören

Tonangebend im Leben des Christen darf das Vertrauen und braucht nicht die Angst zu sein. Damit wir diesen Ton halten können, ist es immer wieder nötig, in der Liturgie zusammenzukommen, das Wort Gottes zu hören, ihm im Sakrament zu begegnen und uns so jeweils neu auf die Stimme der Liebe abzustimmen und Unstimmigkeiten abzustellen.

Wesentlich für guten Gesang ist die richtige Atmung. So ist es auch beim Lied der Liebe. Damit wir es glaubwürdig und ansteckend singen beziehungsweise leben können, brauchen wir den richtigen Atem, genügend Luft – in den Worten des Glaubens ausgedrückt: Heiligen Geist. Atmen wir ihn in unseren österlichen Feiern tief ein, damit unsere Liebe jeden Tag neu, frisch, tragend und überraschend sein kann.

Autor:

Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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