2. Adventsonntag: Bischof Alois Schwarz
Dem Herrn die Straße frei machen
- Die Straße des Lebens freizuräumen ist oftmals mühsam und anstrengend. Doch es lohnt sich.
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Begonnen hat der Advent mit dem Festlegen eines Zieles, um Gott nahe sein zu können. In den Texten der Heiligen Schrift zum 2. Adventsonntag werden wir eingeladen, den Weg zu Gott zu überdenken, denn der Sinn und das Ziel sind es, Gott mit reinem Herzen zu begegnen.
Jedem großen Fest im Kirchenjahr geht eine Zeit der Besinnung und der Möglichkeit zur Umkehr voraus. So ist auch der Advent eine Zeit des Überdenkens der eigenen Schritte und des eigenen Weges sowie im Erkennen, wo unser Leben eine Korrektur oder eine Veränderung braucht. Beim Propheten Jesaja lesen wir deshalb in der ersten Lesung: „Man tut nichts Böses und begeht kein Verbrechen auf meinem ganzen heiligen Berg; denn das Land ist erfüllt von der Erkenntnis des Herrn, so wie die Wasser das Meer bedecken.“ (Jes 11,9) Das Finden der Erkenntnis des Herrn ist nicht immer einfach, besonders dann nicht, wenn wir Menschen in den Machenschaften des Bösen verstrickt sind. Es fordert uns heraus, zu kämpfen oder zu resignieren. Am Ende kann man oft kaum noch sagen, wer oder womit es begonnen hat.
Versöhnung mit Gott
Wir haben in der Kirche aber das Sakrament der Versöhnung, mit Hilfe dessen wir uns neu mit der Erkenntnis des Herrn ausrichten können und unser Herz freimachen von allen Belastungen des Alltags. Weil wir einen geduldigen, liebenden Gott haben, lädt uns Paulus in der zweiten Lesung zur Sinnesänderung ein: „Der Gott der Geduld und des Trostes aber schenke euch, eines Sinnes untereinander zu sein, Christus Jesus gemäß, damit ihr Gott, den Vater unseres Herrn Jesus Christus, einmütig und mit einem Munde preist.“ (Röm 15,5-6a) Wir werden eingeladen, eines Sinnes untereinander zu sein, nicht einer Meinung.
Durch die gemeinsame Ausrichtung, das gemeinsame Ziel, nämlich Gottes Nähe zu suchen, wird der gemeinsame Sinn festgelegt. Eines Sinnes zu sein, bedeutet Gott groß werden zu lassen und sich selbst in den (An-)Forderungen zurückzunehmen. Genau hier leben wir in einem großen Ungleichgewicht. Es gibt die einen, die sich immer wieder bemühen, zur Erkenntnis des Herrn zu gelangen, und die anderen, denen diese Haltung scheinbar wenig bis gar nichts bedeutet. Unser freiheitsschenkender Gott zeigt sich in Geduld und nicht in einer strafenden Haltung und er tröstet jene, die sich um die Sinneseinheit bemühen und dennoch immer wieder scheitern. Der Weg zur Erkenntnis des Herrn ist kein Sammeln von Kennzahlen und Fleißbildchen, sondern ein Entwicklungsprozess, der dem Leben auf Gott hin seine Ausrichtung gibt.
Um weiterzukommen, müssen wir zunächst aufräumen und den Weg bereiten.
Deshalb werden wir unermüdlich daran erinnert, so wie der Evangelist Matthäus schreibt: „Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe. Bereitet den Weg des Herrn! Macht gerade seine Straßen!“ (Mt 3,2.3b) Johannes der Täufer, von dem hier erzählt wird, ist einer, dem wir Menschen ein Herzensanliegen sind. Er mahnt uns, unseren Kurs auf Gott hin zu überdenken.
Nach so manchen Stürmen sind die Straßen unseres Lebens nur schwer bzw. kaum passierbar. Um weiterzukommen, müssen wir zunächst aufräumen und den Weg bereiten. Das gelingt nicht im Vorbeigehen. Es braucht ein Zeit-Nehmen und Verweilen. Im Evangelium des 2. Adventsonntags werden wir heute ganz bewusst durch Johannes eingeladen, zu verweilen, nachzudenken, wo die umgestürzten Bäume des Lebens von der Straße geräumt werden müssen. Immer dort, wo wir LIEB-los einander begegnet sind, wo wir nicht den Willen Gottes, sondern unseren eigenen im Sinn haben, werden unsere Lebensstraßen verbarrikadiert mit umgestürzten Bäumen. Das Ziel unseres Lebens ist es aber nicht, eine Spur der Verwüstung zu hinterlassen, sondern dem Herrn den Weg zu bereiten und deshalb die Straßen zu ebnen.
Liebe Leserin, lieber Leser, nehmen Sie den 2. Adventsonntag als Anlass zum Reflektieren rückblickend auf jene Situationen und Stationen, wo Sie einander Liebe schuldig geblieben sind. Ich lade Sie ein, nutzen Sie dabei das Sakrament der Versöhnung. Entlasten Sie Ihre Seele! Sie werden sehen, der Blick auf das kommende Weihnachtsfest wird ein anderer werden.
Ihr
Diözesanbischof Dr. Alois Schwarz
Autor:Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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