Sommerserie: Maria Taferl
Wo Himmel und Hoffnung sich berühren
- In prachtvoller Lage hoch über dem Nibelungengau erhebt sich die Basilika minor Maria Taferl. Der Wallfahrtsort gehört zu den schönsten Plätzen Österreichs, wie auch der 2. Platz bei der ORF-Sendung „9 Plätze – 9 Schätze“ beweist.
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Maria Taferl ist nicht nur einer der schönsten Plätze in Österreich, sondern auch einer der wichtigsten Marienwallfahrtsorte in unserer Heimat. Die Wallfahrtskirche zur Schmerzhaften Muttergottes ist im „Heiligen Jahr 2025“ eine der 13 diözesanen „Kirchen der Hoffnung“. Folge 9 unserer Sommerserie.
Wem geht nicht das Herz auf, wenn man bei klarer Sicht nach Maria Taferl kommt? Der weite Blick über die Donau in den Nibelungengau lässt einen jubeln: So schön hat Gott unsere Welt gemacht! Dieser Jubel setzt sich fort, wenn man die im frühbarocken Baustil errichtete beeindruckende Basilika betritt. Der Bau der Kirche zur Schmerzhaften Muttergottes wurde ab 1660 unter der Leitung von Georg Gerstenbrand begonnen. Jakob Prandtauer entwarf 1711 die von außen nicht sichtbare Kuppel über der Vierung.
Seit mehr als 365 Jahren pilgern Menschen aus Nah und Fern hierher – mit ihren Sorgen, Bitten, ihrem Dank und ihrer Hoffnung. Der Überlieferung nach entdeckte 1633 der Viehhirte Thomas Pachmann aus Kleinkrummnußbaum auf dem Taferlberg eine dürre Eiche. Er wollte den Baum fällen, dabei rutschte ihm zweimal die Axt ab und verletzte seine Beine. Erst da bemerkte er auf der Rückseite des Stammes ein Kreuz. Der Mann erkannte seinen Frevel, bat Gott um Vergebung – sogleich hörte die Blutung auf. Die Nachricht von dieser Heilung verbreitete sich schnell und immer mehr Gläubige strömten „zum Taferl“. Einer von ihnen war Alexander Schinagl, der unter Depressionen und Suizidgedanken litt. Eine Stimme im Traum befahl ihm, das Vesperbild seines Hausaltars zur Eiche zu bringen, um das morsche Kreuz zu ersetzen. Nachdem er das getan hatte, besserte sich sein Gesundheitszustand, und seine Beschwerden verschwanden.
Am 19. März 1660, dem Fest des heiligen Josef, wurde in Maria Taferl der erste Gottesdienst gefeiert.
Zwischen 1658 und 1661 berichteten Zeugen von Stern- und Lichterscheinungen sowie von Prozessionen weiß gekleideter Engel auf dem Taferlberg. Nach eingehender Prüfung und Zeugeneinvernahmen durch die Passauer Kirchenbehörde – deren Protokolle bis heute erhalten sind – erteilte man die Erlaubnis zum Bau einer Wallfahrtskirche um den Eichenbaum. Am 19. März 1660, dem Fest des heiligen Josef, wurde hier der erste Gottesdienst gefeiert.
„Auch heute kommen jährlich viele Pilger nach Maria Taferl“, berichtet Pater Stefan Obergfell, Pfarrer von Maria Taferl. Er gehört dem Orden der Oblaten der Makellosen Jungfrau Maria (OMI) an, der seit 1969 den Wallfahrtsort betreut. Gemeinsam mit drei Mitbrüdern und Altpfarrer Otto Kössler, der hier im Ort seinen Ruhestand verbringt, feiert der Rektor des Oblatenkloster, das sich gleich neben der Basilika befindet, täglich zwischen zwei und fünf Gottesdienste, spendet das Sakrament der Beichte, begleitet Jugendliche und hält Katechesen.
Die Kirche ist immer geöffnet
„Die Kirche ist tagsüber immer geöffnet und lädt zum Gebet ein“, betont P. Stefan. In der Basilika finden Wallfahrer verschiedene Orte der Einkehr. Der Hochaltar wurde von Johann Michael Prunner gestaltet (1734). Auf den Seitenaltären finden sich Bilder von Martin Johann Schmidt (1718–1801), den Kremser Schmid. Das Kuppelfresko zeigt die Himmelfahrt Mariens umgeben von weiteren Szenen aus dem Marienleben. In der Kerzenkapelle liegt ein Andachtsbuch auf, in dem viele Wallfahrer ihren Dank, Bitten und Gebete eintragen. Besonders ans Herz legt der Pfarrer den Besuch der Schatzkammer, in der sich über Jahrhunderte Votivgaben angesammelt haben – Ausdruck von Bitten, Dank und Hoffnung. „Wir nennen die Schatzkammer den Tresor des Glaubens“, sagt der Pfarrer.
19.000 Messen, 700 Prozessionen
Die Geschichte von Maria Taferl ist geprägt von Höhen und Tiefen. Nach der Kirchweihe im Jahr 1724 entwickelte sich Maria Taferl im Schatten des traditionsreichen Mariazell sehr rasch zum zweitgrößten Wallfahrtsort Österreichs. Der Zustrom von Gläubigen war im 17. und 18. Jahrhundert so groß, dass zeitweise 25 Priester mit der Betreuung der Wallfahrer beschäftigt waren. Für die Jahrhundertfeier der Grundsteinlegung im Jahr 1760 sollen 700 Prozessionen durchgeführt und an die 19.000 Messen gefeiert worden sein. Als sich gegen Ende des 18. Jahrhunderts mehr und mehr das Gedankengut der Aufklärung durchsetzte, das dem Wallfahrtswesen und anderen Ausprägungen gegenreformatorischer Frömmigkeitspflege skeptisch gegenüberstand, wurde Maria Taferl unter Kaiser Joseph II. mit einem Wallfahrtsverbot belegt und 1784 zur Pfarrkirche erhoben. Im Jahr darauf kam Maria Taferl, das zuvor zum Gebiet der Diözese Passau gehört hatte, zur neu gegründeten Diözese St. Pölten. Nach einer bewegten Geschichte erfuhr die Wallfahrt im 20. Jahrhundert wieder einen Aufschwung. Am 15. Dezember 1947 verlieh Papst Pius XII. Maria Taferl den Titel „Basilica minor“ mit den entsprechenden Rechten und liturgischen Bevollmächtigungen. Damit steht Maria Taferl unter dem besonderen Schutz des Papstes und in einer Reihe mit den bedeutendsten Kirchen der Welt.
Maria Taferl ist über all die Jahrhunderte ein wichtiger Wallfahrtsort geblieben. Pfarrer Obergfell: „Die Menschen spüren, dass es durchbetete Räume sind“, wo sie Kraft, Trost und Hoffnung finden.
Gottesdienstordnung: An Sonn- und Feiertagen: 7, 8.30, 10, 11.30 und 18 Uhr hl. Messe (Vorabendmesse um 18 Uhr); wochentags: 7.30 und 10 Uhr hl. Messe in der Basilika, Donnerstag zusätzlich um 18 Uhr.
Spiritueller Impuls
„Befiehl dem Herrn deinen Weg, vertrau ihm – er wird es fügen“, so lautet der Vers 5 aus dem Psalm 37. Auf der Suche nach einem Primizspruch vor über 25 Jahren blieb ich beim obenstehenden Psalmvers hängen. Es war für mich naheliegend, diesen Vers zu wählen. Er war Ausdruck meiner Berufungsgeschichte. Lange Jahre hatte ich in meinem Beruf gearbeitet, bevor die Wende geschah. Gott berief mich auf einen neuen Weg. Ich entdeckte, Gott hat die größere, weitere und bessere Perspektive für mich. Er wollte mir zeigen, was Nachfolge Jesu für mein Leben bedeutet. Aber nicht als Einzelkämpfer, sondern in Gemeinschaft mit anderen. Für mich war es daher nur konsequent, in einen Orden einzutreten.
„Befiehl dem Herrn deinen Weg.“ Nicht zufällig wählt der Psalmist die Befehlsform. Es geht um eine Entscheidung – für Gott. Nicht morgen, nicht wann es mir gerade danach ist, sondern jetzt. Entscheide dich jetzt. Wenn du das tust, wirst du erfahren, wie Gott in deinem Leben handelt. Er wird dich einen Weg führen, der dich immer aufs Neue herausfordert. Die Nachfolge Christi ist eine solche beständige Herausforderung. Weil sie uns immer wieder herausruft aus der Gewohnheit, der Routine, um für die Menschen da zu sein. Denn unser Anspruch als Ordensgemeinschaft lautet: „Den Armen die Frohe Botschaft zu verkünden, hat der Herr mich gesandt.“
Für mich passt dieser Psalmvers gut ins Heilige Jahr. Ich vertraue mich Gott an. Ich setze meine Hoffnung auf ihn, denn er wird es so fügen, dass es für mich hilfreich und segensreich ist. Das bedeutet in schwierigen Etappen des Lebens nicht den Mut zu verlieren, sondern beharrlich seinen Weg gehen. Für mich drückt sich in diesem Vers zugleich etwas Marianisches aus: täglich durch mein „Ja“ Gottes Willen zu erfüllen.
Bereitgestellt von P. Stefan Obergfell OMI, Rektor des Oblatenklosters und Pfarrer von Maria Taferl.
Pilgerwege
Durch Maria Taferl führen gleich zwei bekannte Pilgerwege: der Jakobsweg und der Jerusalemweg, die sich vor bzw. nach Maria Taferl ein Stück weit verbinden. Der Jakobsweg führt aus Richtung Osten kommend über Melk vorbei an Maria Taferl in den Westen Österreichs mit dem Ziel Santiago de Compostela in Spanien. Der Jerusalemweg kommt aus dem Westen und führt aus Linz kommend über Persenbeug und Maria Taferl nach Melk und weiter Richtung Osten nach Jerusalem.
Autor:Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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