Bad Großpertholz
Waldkapelle erinnert an schreckliches Verbrechen

In der Pfarre Bad Großpertholz in Richtung Karlstift befindet sich ein besonderes Denkmal, das äußerst abgelegen ist. Das Objekt ist ein aus quaderförmigen Steinen errichteter Bau mit fast quadratischem Grundriss, welcher nach oben hin zu einem spitzbogenförmigen Dach zusammenläuft. Die gleiche Spitzbogenform haben die beiden Flügel des schmiedeeisernen Tores. Das mit Blech gedeckte Dach ziert ein eisernes Kreuz und durch den eingezäunten Vorgarten führen fünf Stufen bis zur Gedenkstätte.

Im Inneren hängt eine große Marmortafel, auf der Folgendes zu lesen ist: „Anna Freitag – Postamtsleiterin in Gr. Pertholz – geb. 25. Juli 1910 zu Heidenreichstein NÖ. Wurde unweit, an der am Wege + bezeichneten Stelle am 30. Okt. 1936 durch Alois Eder, gebürtig aus Unt. Arnsdorf Salzburg, in tückischer Weise ermordet und der Amts- u. Kassaschlüssel beraubt. – Gedenket ihrer im Gebete!“ Darunter ist ein Bild der Mutter Gottes angebracht.

Im Jahr 1937 wurde vom „Anna Freitag Denkmal-Komitee“ mit Spenden der Postbediensteten Österreichs und Gönnern von Groß Pertholz und Umgebung diese Gedenkstätte errichtet und im Juli gesegnet. Die aus Heidenreichstein stammende Anna Freitag war Postamtsleiterin in Groß Pertholz und in der Bevölkerung sehr beliebt. Ende des Monats Oktober 1936 waren die Gehälter der Mitarbeiter vom Forstgut Pfleiderer am Postamt, auf dieses Geld hatte es der Verbrecher abgesehen. Er folgte Anna Freitag nach ihrem Dienstende und bot ihr sicheres Geleit durch den Wald nach Rindlberg zu ihrer Wohnstätte an. Dort tötete er sie. Bereits drei Tage nach dem Verbrechen wurde Alois Eder ausgeforscht und verhaftet. Er wurde im April 1937 in Krems zum Tode verurteilt und am 5. Juni 1937 hingerichtet.

Der Enkel des damaligen Bürgermeisters Kurt Karlstötter veröffentlichte 2005 in der Druckschrift „Das Waldviertel“ einen ausführlichen Bericht über den Mord und dessen Hintergründe. In diesem Jahr jährt sich diese Tat zum 85. Mal und noch heute reden viele Pertholzer darüber. Gepflegt wird die Gedenkstätte vom pensionierten Postbeamten Gerhard Haidvogl und seiner Gattin Ingrid (siehe Bild).

„Kapellen – Marterl – Kreuze“ ist eine Kirche bunt-Reihe, in der Geschichten von Kleindenkmälern vorgestellt werden.

Autor:

Wolfgang Zarl aus Niederösterreich | Kirche bunt

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