Fastenserie
Ich gehe ein Stück mit dir
- Das Mitarbeiterteam von Emmaus St. Pölten.
- Foto: Emmaus
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In der Fastenserie greift „Kirche bunt“ heuer die sieben neuen Werke der Barmherzigkeit auf, die der deutsche Altbischof Joachim Wanke auf Grundlage der klassischen Werke der Barmherzigkeit, wie sie Jesus im Evangelium nach Matthäus nennt, neu formulierte. Persönlichkeiten aus der Diözese schreiben dazu ihre Gedanken. In der ersten Folge widmet sich der Gründer von Emmaus St. Pölten, Karl Rottenschlager, dem neuen Werk „Ich gehe ein Stück mit dir“.
Für Johann B. Metz ist „der Mangel an Solidarität in unserer
Gesellschaft eine Folge der Gottvergessenheit“. Das Gebot der Stunde: Vision statt Resignation. Der Aufbau einer gerechten und solidarischen Weltordnung ist keineswegs Utopie, wenn wir als Kirche in der Spur Jesu bleiben, eine lebendige Weggemeinschaft bilden, lokale und globale Netzwerke der Solidarität knüpfen und uns gesellschaftspolitisch engagieren. Die Verheißung Jesu „Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt“ (Mt 28,20) gilt für jeden Menschen. Jesu Liebe kennt keinen Widerruf. Diese Zusage Jesu war auch für mich persönlich der Grund, warum ich 1982 das Experiment Emmaus – allen Ängsten und Rückschlägen zum Trotz – riskiert habe. Nach meinem neunjährigen Einsatz beim Sozialen Dienst der Justizanstalt Stein spürte ich deutlich die scheinbare Übermacht des Bösen. Ich schrie zu Gott. Die Antwort im Gebet war unmissverständlich: „Hab’ keine Angst! Mit mir, dem Auferstandenen in eurer Mitte, werdet ihr stärker sein als alles Böse.“
Gott schenkte das Hundertfache
In dieser Gewissheit habe ich mit einer Gebetsgruppe die Weggemeinschaft von Emmaus initiiert. Und Gott hat uns das Hundertfache geschenkt: Totgesagte wurden lebendig. Lebensmüde und Verzweifelte schöpften neue Hoffnung.
„ Jesus will mit und durch
uns eine Zivilisation der Liebe aufbauen.“
Rudi, Bäckermeister, verheiratet, zwei Kinder, wurde mit 31 erstmals straffällig und zu fünf Monaten Freiheitsentzug verurteilt. Rudi: „Ich war verzweifelt, weil ich durch die Spielsucht meine Familie zerstört habe. Schuldgefühle und Suizidgedanken quälten mich. Lebensrettend war, dass mich der Gefangenenseelsorger öfters in der Zelle besuchte und den Kontakt zu Emmaus herstellte. Emmaus-Mitarbeiterinnen haben mir Job, Wohnung, Schuldenregelung und die Suchttherapie vermittelt. Die Gebetsgruppe in Emmaus gab mir die Gewissheit, dass mich Gott und die Menschen nicht fallen lassen. Ich bin extrem dankbar für alles. Vielleicht wird auch die Aussöhnung mit meiner Familie noch möglich.“ Die Aufarbeitung eines Delikts und der Prozess der Wiedereingliederung sind möglich, wenn es in Kirche und Gesellschaft heilende und solidarische Gemeinschaften gibt – soziale Empfangsräume –, in denen Menschen in Lebenskrisen stets willkommen sind und wo ihnen liebevolle und professionelle Begleitung angeboten wird.
Jesus will mit und durch uns eine „Zivilisation der Liebe“ (Papst Johannes Paul II.) aufbauen. Im Kommen Jesu solidarisiert sich Gott mit den Menschen, insbesondere mit jenen, die in Not sind: „Was ihr den geringsten meiner Geschwister tut, das tut oder verweigert ihr mir“ (Mt 25,40). So wie uns Jesus bis zum Äußersten geliebt hat, so sollen auch wir einander lieben und zu denen gehen, die am Rand der Gesellschaft leben, die körperlich und seelisch leiden oder von Ausgrenzung bedroht sind. Unser Programm als Christen ist einfach, aber revolutionär: Wie Gott mir, so ich dir. Wie damals dem Petrus, so stellt der Auferstandene auch mir heute in jedem Menschen die Frage: „Liebst du mich?“ (Joh 21,15) .
Die alles entscheidende Prüfungsfrage am Ende unseres Lebens lautet nicht „Wie steil war deine Karriere?“, sondern: „Wieviel hast du geliebt?“ Christus wird uns fragen: „Wo warst du, als ich krank und depressiv war und auf deinen Besuch gewartet habe? Wo warst du, als ich Arbeit und Wohnung verloren habe und alkoholabhängig wurde? Wo warst du, als ich einsam, verzweifelt und lebensmüde war und niemand hatte, der mir zur Seite steht?“
Jesus, Du gehst alle Wege mit. Hilf mir, das Mögliche zu tun und den Menschen, die Du mir anvertraut hast, treu zur Seite zu stehen. Lass mich in allen Begegnungen meines Lebens ein Echo Deiner Liebe sein.
Autor:Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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