80 Jahre St. Pöltner Kirchenzeitung
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Wie die Kirche bunt wurde: In einem Rückblick auf 80 Jahre Zeitungsgeschichte erzählen wir, wie sich die St. Pöltener Kirchenzeitung von den Nachkriegsjahren über die Zeit technischer Neuerungen bis heute entwickelt hat.
Als vor 80 Jahren am 1. Jänner 1946 das „Kirchenblatt für die Diözese St. Pölten“ seinen Weg hinaus zu den Menschen im ganzen Diözesangebiet antrat, war es die einzige Kirchenzeitung Österreichs, die ausschließlich in der russischen Besatzungszone redigiert, gedruckt und verbreitet wurde. Das brachte vielfältige Schwierigkeiten mit sich. Doch von den Menschen in den Pfarren wurde das Kirchenblatt von Anfang an mit viel Zustimmung aufgenommen.
„Ein Bote mit froher Kunde klopft an der Tür und bittet um Einlass: Das Kirchenblatt für die Diözese St. Pölten. Mit großer Freude schreibe ich ihm ein empfehlendes Wort, gerne legitimiere ich es als Boten der Kirche und des Bischofs, mit doppelter Freude erteile ich ihm meinen bischöflichen Segen für seine Wanderschaft durch die Diözese“, das schrieb Bischof Michael Memelauer (1874-1961) in der Nummer 1 vom 1. Jänner 1946.
80 Jahre Kirchenblatt
80 Jahre sind seither vergangen und für das St. Pöltner Kirchenblatt, das seit 1972 „Kirche bunt“ heißt, galt es, in diesen Jahrzehnten so manche Herausforderung zu meistern. Damit sah sich besonders der junge Ordinariatssekretär Franz Willinger konfrontiert, der von Bischof Memelauer mit dem Aufbau des Kirchenblattes beauftragt worden war. Angefangen von der Informations- und Papierbeschaffung über den Druck, die Vertriebswege bis hin zur Zensur durch die russische Besatzungsmacht waren große Schwierigkeiten zu meistern. Irgendwie gelang es doch, dass die erste Ausgabe in der Pressvereinsdruckerei in der St. Pöltner Linzer Straße am 20. Dezember 1945 gedruckt und von dort auch zeitgerecht versandt werden konnte. Die 15.000 Exemplare der ersten Nummer waren sofort vergriffen. In wenigen Wochen schnellte die Auflage auf 45.000 Stück hinauf und die Tendenz blieb weiterhin steigend. Nach den Jahren des Krieges und der NS-Herrschaft war der Hunger nach Lesestoff, gerade auch nach religiösem, groß.
Zum zehnjährigen Bestehen der Kirchenzeitung gehörten viele Probleme des Anfangs der Vergangenheit an. In der Nummer 1 des Jahres 1956 schrieb Franz Willinger: „Wir danken heute Gott, dass manche Situation sich zum Guten wandte, wo wir menschlich alles bereits für verloren halten mussten. Unser Kirchenblatt bemühte sich stets, die äußeren Schwierigkeiten zu vergessen, sobald sie überwunden waren. Die geistigen Aufgaben erwiesen sich als weitaus größer und ihre Erfüllung war beglückender.“
Das St. Pöltner Kirchenblatt war damit nicht nur eines der erfolgreichsten, sondern auch modernsten Druckerzeugnisse.
Stets bemühte sich die Redaktion der Kirchenzeitung, immer wieder neue Informationsquellen zu erschließen und vor allem auch die Leiden und Verfolgungen der Schwestern und Brüder in den Ländern hinter dem Eisernen Vorhang öffentlich bekannt zu machen. Aber auch die jeweils neuesten technischen Möglichkeiten, was den Druck betraf, wurden genutzt. Wer die alten Jahrgänge durchblättert, wird feststellen, dass die Illustration im Laufe der Jahre immer vielfältiger wurde und auch der Einsatz der Farbe immer mehr ausgeweitet wurde.
Einen entscheidenden Einschnitt in der Herstellung brachte das Jahr 1960: die Einführung des Tiefdrucks. In diesem Jahr gab es die erste farbige Titelseite – das St. Pöltner Kirchenblatt war damit nicht nur eines der erfolgreichsten, sondern auch modernsten Druckerzeugnisse auf dem europäischen Zeitungsmarkt. Sogar aus dem Ausland reisten Interessierte an, um von Direktor Franz Willinger Tipps zu holen.
Franz Willinger war 1958 auch Obmann des Pressvereins geworden und damit Herausgeber der NÖ Nachrichten. Unter seiner Ägide wurde auch die NÖN zu einem Erfolgsprojekt aufgebaut. Der steigende Erfolg und die technischen Neuerungen – vor allem im Druckbereich – machten in den 1970er-Jahren den Bau eines Pressehauses notwendig. Dieses entstand in der Gutenbergstraße in St. Pölten und dort fand auch „Kirche bunt“ eine neue Heimat. Dabei sei angemerkt, dass die NÖN und „Kirche bunt“ nicht zusammengehören und sowohl redaktionell wie auch wirtschaftlich eigene Einheiten waren und sind.
1983 folgte Prälat Josef Eichinger Franz Willinger als Herausgeber der NÖN, und als Franz Willinger 1985 starb, übernahm Prälat Eichinger auch die Aufgabe als Herausgeber von „Kirche bunt“. Gemeinsam mit Mag. Josef Wessely als Chef vom Dienst leitete der ehemalige Religionspädagoge und -inspektor Eichinger „Kirche bunt“ bis zu seinem Tod am 16. Dezember 2015 durch so manche stürmische und herausfordernde Zeiten. Als Herausgeber folgte ihm Prälat Mag. Eduard Gruber in seiner Funktion als Generalvikar. Am 1. Jänner 2021 ging dieses Amt auf den neuen Generalvikar – MMag. Dr. Christoph Weiss – über. Die Leitung der Redaktion hat seit der Pensionierung von Mag. Wessely im April 2016 Sonja Planitzer inne.
Stets bemühte sich die Redaktion der Kirchenzeitung nicht nur um eine redaktionell gute Arbeit, sondern auch um die Nutzung neuester technischer Möglichkeiten. So erfolgte in den 1980er-Jahren im Druckverfahren nochmals eine Totalumstellung. Der aufwändige Tiefdruck wurde durch das schnellere und flexiblere Offset-Verfahren abgelöst. 1990 haben Computer in die Redaktionsräume von „Kirche bunt“ Einzug gehalten. Bis zur Herstellung der Druckplatten existiert heute die Zeitung inklusive aller Texte und Bilder nur mehr als „Datenpaket“.
Digitales Zeitalter
2013 wurde das Erscheinungsbild von „Kirche bunt“ überarbeitet und erhielt ein klareres und freundlicheres Layout sowie u. a. größere und leichter lesbare Schriften. Seit 2016 ist die St. Pöltner Kirchenzeitung mit einer Homepage im Internet vertreten sowie in den Sozialen Medien auf Facebook, Twitter, Instagram und Snapchat. Und seit April 2020 kann „Kirche bunt“ auch als e-Paper abonniert werden und ist – im Verband mit den österreichischen Kirchenzeitungen – als App downloadbar. 2023 erfolgte wieder eine Auffrischung des Layouts. Nach Jahrzehnten im herkömmlichen Mattglanz-Druck wird „Kirche bunt“ seit der Ausgabe 26/2023 auf einem qualitativ hochwertigen, im Recycling zu 100 Prozent wiederverwertbaren Papier in einem umweltschonenden Druckverfahren hergestellt. Dazu wurde ein Wechsel notwendig von der seit 2018 im NÖ Pressehaus in St. Pölten angesiedelten britischen Walstead-Druckerei zu Österreichs derzeit größter Zeitungsdruckerei, dem Druckzentrum der österreichisch-deutschen Mediaprint, in Wien Liesing.
Seit 2023 ist „Kirche bunt“ auch hörbar: Alle Artikel auf der Homepage (kirchebunt.at) können in der Vorlesefunktion nachgehört werden. Diese Funktion steht allen Leserinnen und Lesern kostenlos zur Verfügung. Durch das ständige Schritt- halten mit den technischen Entwicklungen will die St. Pöltner Kirchenzeitung die vielfältigen und anspruchsvollen Inhalte in moderner, bunt illustrierter und leicht lesbarer Form hinaustragen in die Diözese, zu den vielen Leserinnen und Lesern und so ihrem ursprünglichen Auftrag nachkommen, wie ihn Bischof Michael Memelauer 1946 in der ersten Ausgabe formuliert hat: ein Bote der frohen Kunde zu sein!
Autor:Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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