Welttag der Kranken
"Im Pflegeheim kann es ausgesprochen lustig sein"

Die Heim-Bewohnerin freut sich über das Bild, das sie gemeinsam mit Michaela Stenzel gemalt hat.  | Foto: Patricia Harant-Schagerl
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Zum Welttag der Kranken am 11. Februar gibt Seelsorgerin Michaela Stenzel einen Einblick in ihre Arbeit im Pflegehaus St. Louise in Maria Anzbach.

Das Pflegehaus St. Louise in Maria Anzbach macht einen freundlichen Eindruck und es ist auffallend christlich geprägt: ein Erbe der Ordensgemeinschaft der Barmherzigen Schwestern, die bis vor fünf Jahren hier lebte. Heute sind zwei Seelsorger für die 100 Bewohnerinnen und Bewohner zuständig. Eine davon ist Michaela Stenzel, die auch als Seniorenbetreuerin hier tätig ist. Sie setzt vielfältige Angebote: z. B. den Gesprächskreis „Über Gott und die Welt“, eine Gruppe „Meditation im Sitzen“, selbst gestaltete Andachten und Rituale im kirchlichen Jahreskreis. Die wöchentliche Messe gestaltet sie mit, unterstützt von ehrenamtlich Helfenden wie einem Organisten und zwei Mesnern, 300 seelsorgliche Gespräche hat sie im Vorjahr dokumentiert. „Darüber hinaus gehe ich durchs Haus und führe meistens fünf, sechs Gespräche unterwegs.“

Den Satz „Mit der Kirche brauchen Sie mir nicht kommen“ hört Michaela Stenzel von Neuankömmlingen überraschend oft. Wenn sie erkläre, dass sie nicht von der Kirche, sondern vom Haus angestellt sei, dann sei ein Gespräch meist möglich. Die Bedürfnisse der Bewohner sind sehr unterschiedlich: Einmal habe sie einer Bewohnerin ein hart gekochtes Ei mitgebracht, weil sie einen großen Wunsch danach verspürte, ein anderes Mal habe sie ihr die heilige Kommunion angeboten, weil sie darunter litt, die Messe versäumt zu haben. Zwischen diesen beiden Polen bewegen sich die Hilfestellungen der Seelsorgerin. Einsamkeit sei eigentlich kein großes Thema im Haus St. Louise, erzählt Michaela Stenzel. Wenn jemand ins Haus einzieht, stehe eher die Trauer im Vordergrund: das Abschiednehmen vom gewohnten Leben, der Beginn des meist letzten Lebensabschnittes. Nach drei, vier Wochen seien die meisten angekommen, der Übergang ist geschafft.

Nach drei, vier Wochen sind die meisten angekommen,
der Übergang ist geschafft.

„Im Pflegeheim kann es ausgesprochen lustig sein“, sagt die Seelsorgerin, die negative Vorurteile entkräften möchte. „Ich persönlich habe aus heutiger Sicht kein Problem damit, einmal ins Altersheim zu gehen.“ Hier gebe es einen geregelten Tagesablauf, man sei gut versorgt, eingebunden in Gemeinschaft, die Familie entlastet.

Als Seelsorgerin ist Michaela Stenzel auch für die im Pflegehaus Arbeitenden sowie für die Angehörigen der Bewohner da. Gespräche mit Angehörigen gebe es oft, besonders in der Phase des Ankommens und Eingewöhnens. Es gehe darum, die Angehörigen in der Entscheidung für das Heim zu stützen, weil diese oft mit Schuldgefühlen einhergehe. Auch im Fall einer Demenz-Erkrankung können Angehörige eine seelsorgliche Begleitung gut brauchen, die ihnen beim Akzeptieren der Krankheit hilft.

Wie wird man Seelsorgerin?

Seelsorgerin geworden ist Michaela Stenzel „auf gewundenen Wegen“. Begonnen hat sie ihre berufliche Laufbahn als Ordinationsassistentin, die Begleitung der pflegebedürftigen Großmutter gab den Anstoß zu einer Ausbildung als Hospizbegleiterin. Bei Praktika in verschiedenen Altersheimen merkte sie, dass sie gut mit alten Menschen umgehen kann und ihr das Zusammensein mit ihnen gefällt. Auf die Ausbildung folgte eine Anstellung als Seniorenbetreuerin in einem Pflegeheim, danach als Seelsorgerin im Haus St. Louise. Der Besuch der Theologischen Kurse in Wien „hat mich überraschenderweise gepackt – meine erste wirkliche Glaubenserfahrung mit 55 Jahren, eine Offenbarung!“ Viele Menschen seien auf der Suche – nicht wissend wonach. Den Glauben kann sie jetzt als Geschenk sehen, das Trost, Geborgenheit und Sicherheit gibt.

Autor:

Patricia Harant-Schagerl aus Niederösterreich | Kirche bunt

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